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Zuletzt aktualisiert: 17.08.2012 um 19:39 UhrKommentare

Stronach weiter auf Personalsuche in Kärnten

Zumindest vier SPÖ-Mandatare haben Zustimmung zu Bürgermeister Gerhard Köfers Wechsel zur Stronach-Partei zurückgezogen. Vizebürgermeister Hartmut Prasch steigt aus SPÖ aus. Ex-Stadtrat Philipp Glanzer lud zu einer Protestaktion. Stronach kündigte ein Treffen mit Köfer um etwa 17 Uhr an.

Das "Überlaufen" von Bürgermeister Köfer (links) zu Frank Stronachs Partei sorgt in Spittal im Gemeinderat für Aufruhr

Foto © Weichselbraun/Hoffmann (Montage)Das "Überlaufen" von Bürgermeister Köfer (links) zu Frank Stronachs Partei sorgt in Spittal im Gemeinderat für Aufruhr

Der Milliardär Frank Stronach ist weiter auf der Suche nach Personal für seine neue Partei. Für den Freitagnachmittag hatte er sich in der Kärntner Bezirksstadt Spittal/Drau angekündigt. "Ein Treffen ist für etwa 17 Uhr geplant", erklärte der Ex-SPÖ-Abgeordnete und Spittaler Bürgermeister Gerhard Köfer am Freitag.

Köfer, der am Dienstag aus der SPÖ ausgetreten ist, sein Nationalratsmandat vorerst aber behält, erklärte, es werde ein Gespräch über Detailfragen geben. Danach ist ein Zusammentreffen mit Spittaler Funktionären geplant, einigen SPÖ-Gemeinderäten werden ja ebenfalls Wechselgelüste nachgesagt. Bisher hat sich neben Köfer noch Vizebürgermeister Hartmut Prasch, ebenfalls bisher SPÖ, als Stronach-Anhänger geoutet.

Paukenschlag erschütterte die Partei

Der Paukenschlag, den Spittals Bürgermeister Gerhard Köfer mit dem Übertritt zu Stronach ausgelöst hat, sorgte für wilde Diskussionen und erschütterte die Spittaler SPÖ gewaltig. Vor allem deshalb, weil Köfer bei der "geheimen" Sitzung Montagabend im Rathaus den Großteil der SPÖ-Fraktion eingebunden hat und die meisten der Anwesenden per Unterschrift seinen Schritt gutgeheißen haben.

Man spricht von 18 geleisteten Unterschriften - von SPÖ-Mandataren mit Vizebürgermeister Hartmut Prasch und Ersatzmitgliedern. Zwei Anwesende - Köfers Stellvertreter als Stadtparteiobmann, Christian Klammer, und Gemeinderat Georg Mathiesl senior - verweigerten ihren Sanktus, sie verließen frühzeitig die Sitzung. Klammer sagte gestern: "Mir ist sofort klar geworden, um was es geht. Ich bin Eisenbahner, habe immer mit Arbeitnehmern, Gewerkschaft und Arbeiterkammer zu tun. Daher gibt es bei mir kein ,Wegwerfen' meiner Gesinnung." Etwas drastischer spricht Mathiesl: "Ich bin doch kein Chamäleon! Für mich ist es eine Charaktersache, SPÖler zu bleiben. Mich wundert, dass Parteikollegen unterschrieben haben."

Zur Sitzung nicht eingeladen waren die langjährigen Mandatarinnen Renate Egger und Johanna Fanninger. Egger: "Unglaublich, welcher Verrat an der SPÖ erfolgte." Sich geziert, ihre Unterschrift sofort zu geben, haben Angelika Hinteregger und Gerhard Pirih - sie haben diese aber am Dienstag nachgereicht.

Zurückgenommen

Hinteregger erklärt dies so: "Es klang vorerst schon verlockend, dass etwa der Fraktionszwang verschwinden sollte. Trotzdem wollte ich etwas Bedenkzeit." Sie und Pirih sowie die Stadträte Bernd Sengseis und Peter Neuwirth haben ihre Zustimmung zu Köfers Neuorientierung gestern zurückgenommen. Sengseis sagte nur: "Ich bin nirgends ausgetreten und nirgends eingetreten."

In Spittal machte gestern das Gerücht die Runde, dass "Landesparteiobmann Peter Kaiser den Köfer-Unterstützern bis heute Zeit gibt, eine Entscheidung zu treffen: Ja zur SPÖ oder mit Köfer zur Stronach-Partei - dann aber würden sie sofort aus der Partei ausgeschlossen werden."

Weitere Austritte

Zuerst wurde es von Kaiser verneint, später war alles anders. Bezirksgeschäftsführerin Sarah Schaar sagte: "Im Auftrag der Landespartei habe ich am Nachmittag eine E-Mail an die Unterschriftsgeber versandt. Zur Klärung ihrer Haltung müssen sie bis heute Freitag um 10 Uhr eine Antwort geben." Am Nachmittag will sich Kaiser das Ergebnis in Spittal anschauen. Mittlerweile gibt es drei Austritte aus der SPÖ: der prominenteste ist der von Prasch, gefolgt von Traugott Hanke und Anita Ziegler.


Kommentar

Helmut StöflinKlarer Schnitt von Helmut Stöflin

"Ja" zu Köfers Vorhaben

Auslöser. Bürgermeister Gerhard Köfer (SPÖ) präsentierte vergangenen Montag dem Großteil der Fraktion seinen Abgang zur Stronach-Partei.

Erklärung. Laut einer Liste, die an die Landes-SPÖ ging, haben die von Köfer vorgelegte Unterstützungserklärung unter anderen Vizebürgermeister Hartmut Prasch, die Stadträte Peter Neuwirth und Bernd Sengseis, die Gemeinderäte Klaus Basler, Traugott Hanke, Peter Schneider, Ernst Schöffmann und die Ersatzgemeinderäte Gerald Baumgartner, Ernst Palle und Anita Ziegler unterschrieben.

Entgegen der Darstellung in der Print-Ausgabe der Kleine Zeitung interessiert sich Ersatzgemeinderat Michael Samitz zwar für eine Zusammenarbeit mit Stronach, will die Unterstützungserklärung aber noch nicht unterschrieben haben.

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