Ernst Strasser: Der tiefe Fall eines Karrieristen
Einer steilen Karriere folgte ein tiefer Absturz: Ernst Strasser wird sich demnächst vor Gericht wegen des Vorwurfs der Bestechlichkeit verantworten müssen. Ein Porträt des Gefallenen.

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Gegen den früheren Innenminister und ÖVP-Delegationsleiter im EU-Parlament wird in der Lobbying-Affäre Anklage erhoben. "A lobbyist has a special smell" hatte Strasser in "Lobbyinggesprächen" mit zwei Enthüllungsjournalisten gesagt. Aus dieser "besonderen Duftnote" ist mittlerweile ein unappetitlicher Geruch geworden.
Die Karriere des geborenen Oberösterreichs, der als cholerisch gilt, begann in der niederösterreichischen ÖVP. Dort war er Landesgeschäftsführer ebenso wie Klubobmann und hatte im ORF-Stiftungsrat die mächtige Position des Leiters des VP-Freundeskreises über. 2000 wurde von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) in die erste schwarz-blaue Regierung geholt.
"Gottseibeiuns"
In seiner Amtszeit als Innenminister schuf er sich vor allem mit einer kompromisslosen Asylpolitik den Ruf als Rechtsaußen der Volkspartei. Rasch wurde er als Innenminister zum Gottseibeiuns praktisch aller Hilfsorganisationen. Nicht viel besser war sein Image bei der Polizeigewerkschaft. Strasser galt als beinharter Umfärber, gestohlene E-Mails, die 2008 an die Öffentlichkeit kamen, belegen, dass so manche Position nach Parteibuch besetzt wurde. Die Zusammenlegung von Polizei und Gendarmerie gehörte zu Strassers größten Erfolgen.
Im Dezember 2004 tauchte Strasser völlig überraschend aus der Regierung ab. Angesichts eines zu diesem Zeitpunkt völlig unumstrittenen Bundeskanzlers Schüssels und des anhaltenden Erfolgslaufes von Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll (V) sah er fürs Erste seinen politischen Plafonds erreicht. Strasser ging in die Privatwirtschaft mit diversesten Beteiligungen.
2009 zauberte ihn der damalige VP-Chef Josef Pröll als Spitzenkandidaten für die EU-Wahl aus dem Hut. Das erzürnte nicht nur so manchen in der Partei, der lieber den alten Europa-Hasen Othmar Karas an der Spitze gesehen hätte, sondern stellte sich auch wie man heute sieht als schwerer Fehler heraus.
Bestechungsaffäre
Denn die Karriere Strassers als Abgeordneter und Lobbyist im EU-Parlament war nicht von langer Dauer. Im März 2011 wurde die Bestechungsaffäre publik. Strasser bestritt zwar die Vorwürfe und versuchte die Affäre als "Geheimdienst"-Intrige darzustellen, die er selbst aufdecken habe wollen. Er konnte damit aber nicht wirklich überzeugen und musste sein Amt räumen. Da war die ÖVP plötzlich ganz froh, Othmar Karas zu haben, den sie nach der EU-Wahl trotz seines erfolgreichen Vorzugsstimmen-Wahlkampfs nicht zum Delegationsleiter gemacht hatte.
Strasser ist seitdem weitgehend untergetaucht. Er zeigt sich lediglich bei Gerichtsterminen und im parlamentarischen Untersuchungsausschuss der Öffentlichkeit. Im Rahmen eines Auftritts im U-Ausschuss sorgte er Anfang des Jahres mit verheißungsvollen Ankündigung per SMS an "Krone"-Redakteur Claus Pandi für neuerliches Kopfschütteln. Nach anfänglichem Austausch von Nettigkeiten schrieb Pandi an Strasser: "Irgendwann wirst du mir erzählen, was dir da eingefallen ist". Strassers Replik: "genau! aber noch nicht jetzt. du wirst dich wundern...", und weiter: "da wird noch was passieren - kann nächste woche od in halben Jahr sein - den Zeitpunkt bestimm leider nicht ich; dann ist die zeit zum reden".
Strasser wurde am 29. April 1956 in Grieskirchen in Oberösterreich als erstes von sechs Kindern eines Landwirteehepaars geboren. 1981 schloss er in Salzburg sein Jus-Studium mit der Promotion ab. Er arbeitete zunächst als Obmann der ÖVP-nahen "Österreichischen Studentenunion", dann als Direktionssekretär des Bauernbundes, als Rechtsreferent des oberösterreichischen Bauernbundes und als Gemeinderat in Grieskirchen. 1987 berief ihn der damalige Landwirtschaftsminister Josef Riegler zu seinem Sekretär, zwei Jahre später wurde Strasser stellvertretender Kabinettschef von Vizekanzler Riegler.













