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Zuletzt aktualisiert: 08.08.2012 um 15:08 UhrKommentare

Aleppo: Syrische Armee wieder am Vormarsch

In der umkämpften Stadt Aleppo ist die syrische Armee wieder am Vormarsch. Die Truppen haben den seit Wochen umkämpften Stadtteil Salaheddine erobert. Die Rebellen haben die Stellungen in den Straßen verlassen.

Foto © AP

Stunden nachdem die syrische Armee am Mittwoch ihre lang erwartete Offensive gegen Aleppo gestartet hat, bleibt die Lage weiterhin unübersichtlich. Die staatliche Nachrichtenagentur SANA verkündete Mittwochnachmittag, die syrischen Militärs hätten das Viertel Salaheddine unter ihre Kontrolle gebracht, die Rebellen dementierten sogleich. Der Iran bestätigte unterdessen, dass pensionierte Mitglieder von Militär und Revolutionsgarden unter den von syrischen Rebellen entführten "Pilgern" sind.

Die Armee habe "den terroristischen Gruppen schwere Verluste zufügen und eine große Anzahl von ihnen töten oder verwunden können.... Dutzende Terroristen seien festgenommen worden, andere hätten sich ergeben und ihre Waffen niedergelegt", berichtete SANA. Unter den Terroristen hätten sich auch Ausländer befunden.

Rebellen dementieren

"Es stimmt, dass eine barbarische Attacke auf das Viertel stattfindet, aber es ist falsch, dass die Armee des Regimes die Kontrolle über das Viertel übernommen hat", sagte hingegen der Rebellenkommandant Abdel Jabar Oqeidi gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Auch in anderen Teilen Aleppos gebe es Kämpfe, aufgrund der symbolischen Bedeutung des Viertels konzentrierten sich diese aber vor allem auf Salaheddine, fügte er hinzu. Auch die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London erklärte, die Kämpfe um Aleppo würden weiterhin anhalten.

Die "Ausmerzung von Widerstandszellen" werde voraussichtlich noch bis Donnerstagfrüh dauern. Danach werde die Armee das angrenzende Viertel Saif al-Dawla unter Beschuss nehmen, hieß es aus syrischen Sicherheitskreisen.

Gegenüber Reportern der Nachrichtenagentur Reuters hatten Rebellen Mittwochvormittag bestätigt, auf dem Rückzug zu sein. Reuters berichtete von mehreren verlassenen Rebellen-Checkpoints und zitierte einen Kommandant der Aufständischen, der angab, die Armee habe Salaheddine eingenommen. Eine unabhängige Überprüfung der Angaben ist gegenwärtig nicht möglich.

Kritik von Amnesty International

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisierte unterdessen den Einsatz von schweren Waffen in den Wohngebieten von Aleppo. Die Organisation veröffentlichte in ihrem jüngsten Bericht Satellitenbilder aus der nordsyrischen Metropole, die 600 Einschlagkrater zeigen, die von schwerkalibrigen Artilleriegranaten stammen. Amnesty werde auch künftig alle Angriffe auf die Bevölkerung genauestens dokumentieren, sagte der Amnesty-Experte Christoph Koettl, der die Satellitenbilder auswertete. "So können die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden."

Der Iran hat am Mittwoch bestätigt, dass sich - wie von den Aufständischen behauptet - "ehemalige Mitglieder" von Militär und Revolutionsgarden unter den am Samstag in Damaskus entführten 48 Iranern befinden. Allerdings hält der Iran weiterhin an seiner Darstellung fest, dass es sich bei den Geiseln, um "Pilger" handeln würde, die Rebellen hatten von "feindlichen Agenten" gesprochen.

Um Unterstützung bei der Befreiung der Entführten bat Irans Außenminister Ali Akbar Salehi am Dienstag auch UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon in einem Schreiben. Die UNO hat den Erhalt des Briefes bestätigt. Bereits am Dienstag hatte Salehi Katar und die Türkei um deren Hilfe gebeten.

Dementiert hat Russland unterdessen die angebliche Ermordung eines russischen Generals durch eine syrische Rebellengruppe. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte von einem ihr zugespielten Rebellenvideo berichtet, worin das "Falkenbattalion für Sondereinsätze" erklärt, einen russischen General mit dem Namen Wladimir Petrowitch Kochjew getötet zu haben. Es handle sich um eine "offensichtliche Lüge" reagierte daraufhin das russische Verteidigungsministerium und präsentierte Journalisten den lebendigen Reservegeneral Wladimir Petrowitch Kuschejew - woher die unterschiedliche Schreibweise der Nachnamen herrührt war vorerst nicht klar.

Syrien-Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates am 30. August

Der UN-Sicherheitsrat wird am 30. August in einer Sondersitzung auf Ministerebene erneut über die Situation in Syrien beraten, wie Frankreich - das noch bis Ende August den Vorsitz des Sicherheitsrates innehat - am Mittwoch bestätigte. Im Mittelpunkt soll dabei die humanitäre Situation in Syrien sowie in seinen Nachbarländern stehen. Offen ist, ob Russland und China an der Sitzung teilnehmen werden.

An der für den morgigen Donnerstag vom Iran geplanten Konferenz zur Lage in Syrien werden lediglich 12 bis 13 Länder teilnehmen, berichtete die iranische Nachrichtenagentur IRNA. Die teilnehmenden Länder würden aus Asien, Afrika und Lateinamerika stammen, erklärte demnach Irans Außenminister Salehi ohne weitere Details zu nennen. Der Libanon sowie der scheidende UN-Sonderbeauftragte für Syrien, Kofi Annan, hatten bereits erklärt, nicht an der Konferenz teilnehmen zu wollen.


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