Ausbezahlte Summe für Vorsitzenden enttäuschend
Eine "nicht einfache" Bilanz hat Sir Franklin Berman, Vorsitzender des Antragskomitees im Allgemeinen Entschädigungsfonds für Opfer des Nationalsozialismus, nach der Erstentscheidung über sämtliche 20.702 Anträge gezogen. Zwar sehe er die Tätigkeit des Komitees als "äußerst positiv" an, wie Berman im Gespräch mit der APA feststellte, dennoch sei nicht alles eitel Wonne. Eine "Enttäuschung" sei nämlich die - verglichen mit dem eigentlichen Schaden von 1,5 Mrd. US-Dollar recht geringe - an die Opfer ausbezahlte Summe von 210 Mio. US-Dollar. Die Zahlungen seien daher "nur als eine Geste anzusehen".
Enttäuschung
"Ich muss davon ausgehen, dass die Leute enttäuscht waren", sagte der Brite. Um das zugesprochene Geld ausbezahlt zu bekommen, mussten die Antragsteller eine Verzichtserklärung für sämtliche weitere Ansprüche abgeben. Etliche seien dazu nicht bereit gewesen, berichtete er. Daraus könne man schließen, dass sie mit der Entschädigungssumme nicht einverstanden waren und daher lieber ganz auf das Geld verzichteten.
Im Großen und Ganzen glaubt der Komiteevorsitzende, dass die Arbeit und Existenz des Fonds für die Opfer "von großer Bedeutung" waren: dass ihnen jemand zugehört, ihr Leid anerkannt und sich bemüht habe, alle für die Anträge notwendigen Unterlagen herbeizuschaffen. Auch wenn es vielen oft nicht leicht gefallen, manchen sogar "peinlich" gewesen sein dürfte, ihre Geschichte und die Verfolgung darzulegen, hätten die Recherchen doch oft Erstaunliches zutage gebracht und den Opfern erst ihre gesamte Familiengeschichte offenbart. Eine "sehr emotionelle Sache", meinte Berman. Die umfangreiche Betreuung der Betroffenen in vielen verschiedenen Sprachen (Anträge kamen aus 78 Ländern, Anm.) sei jedenfalls "ein großes Plus gewesen".
Die Anerkennung der Verfolgung durch diesen Fonds der Republik bezeichnete Berman als "wichtigen Schritt" für Österreich. In der gegenwärtigen Politik habe der Entschädigungsfonds immer eine positive Bedeutung gehabt und es habe nie Kontroversen darüber gegeben, hob er hervor. Die Versöhnung mit den Vertriebenen sei mittlerweile zu einem festen Bestandteil im Politikverständnis geworden.
Die Zusammenarbeit im Antragskomitee, im Dreigremium vertreten waren neben Berman US-Vertreter G. Jonathan Greenwald und von österreichischer Seite Kurt Hofmann, sei immer gut gewesen. Jede Entscheidung wurde einstimmig gefällt, unterstrich der Vorsitzende. Sehr positiv sei auch die verhältnismäßig kurze Zeit gewesen, in der die Arbeit erledigt wurde. In zehn Jahren wurden rund 20.000 Anträge bearbeitet - "das soll wirklich als eine großartige Leistung angesehen werden".
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Entschädigungsfonds für NS-Opfer

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