Ruf nach Arbeit in Ferien wird lauter
"Weiterbildung in den Ferien macht immer noch eine Minderheit der Lehrer. Das kann's auch nicht sein", so Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller. Zudem kündigte sie eine Entpolitisierung bei der Bestellung der Schuldirektoren an.

Foto © Fotolia: Stefan Merkle Während die Kinder Ferien haben, sollen sich die Lehrer weiterbilden
Zum Thema Lehrer und deren Fortbildung hat sich nun Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller zu Wort gemeldet. Als "unerträglichen Zustand" bezeichnet Burgstaller, dass die Arbeitszeit der Lehrer in Österreich von deren Selbstorganisation und Engagement abhängig sei. "Scharen von Direktoren" hätten sich schon bei ihr darüber beklagt, dass sie nicht einmal eine Konferenz am Nachmittag ansetzen könnten, weil dann der eine oder andere Lehrer gesagt hätte, "tut mir leid, das ist meine Freizeit".
Schule als Arbeitsplatz
"Die Schule sollte eigentlich der Arbeitsplatz sein", so die Landeshauptfrau. Dafür müsse die Politik die Rahmenbedingungen zur Verfügung stellen, und zwar durch genügend Arbeitsplätze für die Lehrer und mit arbeitszeitrechtlichen Bedingungen: "Es soll selbstverständlich sein, dass die Lehrer am Nachmittag an der Schule sind und auch für die Kinder da sind. So könnte die Nachhilfe in die Schulen zurückverlagert werden. Die Lehrer sollten dafür auch entsprechend bezahlt werden, und auch Leistungsanreize wären zu überlegen. Das Gegenargument der hohen Kosten hält Burgstaller als eine "Ausrede".
Weiterbildung während der Ferien
Burgstaller fordert auch, die derzeitige Ferienregelung zu überdenken: "Weiterbildung in den Ferien macht immer noch eine Minderheit der Lehrer. Das kann's auch nicht sein. Neun Wochen unterrichtsfrei, und dann die Weiterbildung während der Schulzeit, das ist sofort abzuschaffen." Außerdem hätten viele Eltern wegen der langen Ferien massive Probleme bei der Betreuung ihrer Kinder: "Ich habe so viele Eltern erlebt, die sich hintereinander Urlaub nehmen." Ihr Ziel wäre es, dass in den Schulen Freizeitgestaltung angeboten und diese von den Lehrern begleitet werde. Diese könnten dafür während des Schuljahres weniger Verpflichtungen haben.
Schließlich kündigte die Landeshauptfrau auch eine Entpolitisierung bei der Bestellung der Schuldirektoren an. Zurzeit bewerbe sich kaum jemand um diese Stellen, "weil eh schon klar ist, wer es wird". Interessierte sollen in Salzburg künftig in einem Vorverfahren in den Bereichen Management und Schulleitung ausgebildet werden. In einem Assessment-Center sollte danach die Auswahl nach dem oder der Besten erfolgen. Das Ergebnis sei verbindlich. Formal ist dazu noch die Abschaffung der Bezirksschulräte nötig, wofür allerdings der Bund zuständig ist. Die Regierung habe dies aber bis Jahresende zugesagt, so Burgstaller. Außerdem könne Salzburg das Modell nur im Pflichtschulbereich umsetzen, aber "ich weiß, dass die Ministerin am gleichen Strang zieht."
Eine Woche Fortbildung
Auch die Wiener Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl will die Lehrer zu einer Woche Fortbildung in der Ferienzeit verpflichten. Dies sollte im derzeit in Verhandlung befindlichen neuen Lehrerdienstrecht festgeschrieben werden und für alle Pädagogen gelten, so Brandsteidl zur APA.
Den Appell von Unterrichtsministerin Schmied an die Lehrkräfte zur stärkeren Nutzung der Ferien für Weiterbildung könne sie nur voll und ganz unterstützen. Mit einer Verankerung im Dienstrecht "kommen wir aber weg vom 'Ich wünsche mir'".
Den Zeitpunkt dafür hält Brandsteidl jetzt für ideal: Ab Herbst 2013 trete nämlich ein neues Dienstrecht für die Lehrkräfte an Pädagogischen Hochschulen (PH) in Kraft, das für diese nicht mehr die Ferienregelung der Lehrer vorsieht, sondern nur mehr wie bei anderen Arbeitnehmern sechs Wochen Urlaub über das Jahr verteilt. Damit würde das Angebot im Sommer an den PH erhöht werden. Schon jetzt herrsche etwa an der PH Wien ab 21. August Vollbetrieb - allerdings finden dann die Kurse für Freizeitpädagogen und eine Woche später dann für "Neulehrer" statt.
Diskussion über schulautonome Tage
Auch inhaltlich spreche generell nichts gegen Lehrer-Fortbildung in den Ferien: In Wien gebe es etwa ein neues Schulverwaltungsprogramm: "Das kann man den Lehrern ruhig in der unterrichtsfreien Zeit beibringen." Ausnahmen kann sich Brandsteidl für die schulinterne Fortbildung vorstellen, wo sinnvollerweise alle Lehrer an der Schule sein sollten. "Da kommen wir aber schnell in die Diskussion über die schulautonomen Tage, die ja eigentlich dafür gedacht waren."
Die künftige Ausbildung der Lehrer soll nach Ansicht Brandsteidls auf Masterniveau erfolgen. Künftige Lehrer sollten demnach im Regelfall bereits mit einem Master an die Schule kommen: "Wir werden über den Bologna-Prozess nicht hinwegkommen." Berufsbegleitende Master-Angebote wären zwar vielleicht in Wien durchaus möglich, einen im Unterricht stehenden Pädagogen aus dem ländlichen Raum aber nur schwer zumutbar.













