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Zuletzt aktualisiert: 29.07.2012 um 21:39 UhrKommentare

Drei Frauen gegen Zar Putin

Moskau macht drei Künstlerinnen den Prozess. Aufgrund eines aktionistischen Protestes gegen Präsident Putin und die russisch-orthodoxe Kirche sind sie seit Februar in Haft: Wegen Rowdytums und weil sie "religiöse Gefühle der Gläubigen besudelt" hätten.

Foto © AP

Der Teufel soll wieder in Moskau gewesen sein, mittendrin, im Heiligtum der russisch-orthodoxen Kirche. Davon ist Wsewolod Tschaplin überzeugt. Der 44-jährige Erzpriester der russisch-orthodoxen Kirche ist für die Beziehungen zwischen Kirche und Gesellschaft zuständig - und sieht sich, neben dem Patriarchen Kyrill, als der oberste Wächter der Moral im Land. Der Teufel müsse ausgetrieben werden, mit allen Mitteln des Staates, mögen sie noch so hart sein. Denn, so sagt es der Kirchenmann: "Gott fügt es so, dass der Machthaber manchmal auf eine Weise vorgeht, wie kein Gesetz es vorsieht."

Der Teufel, das sind fünf junge Frauen, die im Februar mit bunten Häkelmasken und in ebenso bunten Kleidern die Kanzel in der Christi-Erlöser-Kathedrale stürmten und brüllten "Heilige Muttergottes, verjage Putin". Nicht einmal eine Minute dauerte die Aktion. Mit einem Youtube-Video bekannte sich später die feministische Protestgruppe "Pussy Riot" zu dem Auftritt in der wichtigsten Kirche des Landes. Für die Orthodoxie ist es Gotteslästerung, die einen "beträchtlichen Verlust heiliger christlicher Werte" symbolisiere. So steht es in der Anklageschrift.

Lange Untersuchungshaft

Gegen drei der Frauen - zwei sind Mütter kleiner Kinder - beginnt am Montag der Prozess. Wegen Rowdytums und weil sie "religiöse Gefühle der Gläubigen besudelt" hätten, könnten sie für sieben Jahre in die Strafkolonie kommen. Seit Februar sind sie schon in Untersuchungshaft.

Der Fall und seine Weiterungen passen zum aktuellen Klima in Moskau und zum Umgang des Kreml mit seinen Kritikern. Eben erst wurde ein Gesetz beschlossen, das Nichtregierungsorganisationen (NGOs) behandelt, als wären ihre Aktionisten ausländische Geheimdienstagenten.

Das alles passt zur engen Verbindung zwischen Kirche und Staat, die in Russland Tradition hat. 70 Jahre aufgezwungener Atheismus tun der Verschmelzung keinen Abbruch. Die orthodoxe Kirche gilt praktisch als fünfte Gewalt im Land.

INNA HARTWICH, MOSKAU

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