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Zuletzt aktualisiert: 24.07.2012 um 20:06 UhrKommentare

Moody's: Auch Österreich erneut im Visier

Deutschland droht der Verlust des Triple-A, weil die Euro-Krise eskaliert. Auch die Topbonität von Österreich soll bis Ende September erneut näher unter die Lupe genommen werden.

Foto © APA

Der Zeitpunkt könnte brisanter nicht sein: Griechenland steht vor dem Bankrott, Spanien taumelt dem Rettungsschirm entgegen und die Märkte spielen verrückt. Da droht nun auch dem Euro-Land der Entzug seiner Spitzenbonität, das in der Krise vielen als der Fels in der Brandung gilt.

Überraschend zieht die US-Ratingagentur Moody's das Spitzenrating von Deutschland in Zweifel und senkt den Ausblick auf die Zahlungsfähigkeit unseres großen Nachbarlandes von stabil auf negativ. Auch Luxemburg und die Niederlande sind betroffen. Finnland dagegen behält sein Triple A. Es ist damit das einzige Euro-Land, von dem die amerikanischen Bonitätswächter ausgehen, dass es sich seine Kreditwürdigkeit bewahrt.

Der Grund, warum Moody's Deutschland skeptisch sieht, ist die wachsende Unsicherheit in der Euro-Krise. Die Wahrscheinlichkeit eines Austritts von Griechenland aus der Währungsunion habe sich erhöht, meint man bei Moody's. Und selbst wenn das Land den Euro behalte, sei davon auszugehen, dass Länder wie Spanien und Italien weitere Hilfen bräuchten. Und wer, wenn nicht das reiche Deutschland, das schon jetzt die Hauptlast der Euro-Rettung schultert, sollte die Milliarden dafür aufbringen?

Zeitbombe Spanien

Diese Logik hat viel für sich. Allein in Spanien wird die Reihe der Bittsteller immer länger: Nach Valencia und der autonomen Region Murcia könnte bald auch Katalonien bei der Zentralregierung um Geld bitten.

Für Deutschland, das sich seit jeher und insbesondere seit Ausbruch der Euro-Krise gerne über seine intakte Wirtschaftskraft definiert, sind die Zweifel an der Spitzenbonität nur vordergründig ein Schlag in die Magengrube.

Denn das Rating bleibt ja vorerst unverändert. Und selbst wenn einige Monate später tatsächlich eine Herabstufung des Ratings erfolgen sollte, bedeutet das nicht zwingend, dass für das Land die Finanzierungskosten steigen. Bestes Beispiel ist Österreich, dem die Ratingagentur Standard & Poor's zu Jahresbeginn das AAA-Rating entzogen hat, das gegenwärtig aber so niedrige Zinsen für neue Staatsschulden zahlt wie nie.

Tatsächlich interessieren die Zweifel an Deutschlands Bonität die Märkte nicht wirklich. Auch in Berlin reagierte gelassen: Deutschland bleibe ein Stabilitätsanker für die Euro-Zone, hieß es aus dem Finanzministerium.

Wahr ist: Die Drohung aus Übersee dürfte der deutschen Politik nicht ganz ungelegen kommen. Seit Wochen tobt eine heftige Debatte um weitere Hilfszahlungen an Griechenland. Im Kern geht es darum, ob Deutschland sich überhebt, wenn es immer mehr kriselnde Euro-Länder retten muss. Dass dem so wäre, bekam man jetzt von den US-Bonitätswächtern bestätigt.

Warnung auch an Österreich

Die US-Ratingagentur Standard & Poor's hat Österreich das Top-Rating AAA zu Jahresbeginn entzogen. Bei Moody's behielt Österreich die höchste Bonitätsnote - Mitte Februar wurde jedoch der Ausblick auf "negativ" gesenkt. Das heißt, dass es mittelfristig zu einem Verlust des AAA-Ratings kommen kann. Im aktuellen Bericht nimmt Moody's auch auf Österreich Bezug. Bis zum Ende des dritten Quartals werde man auch die Auswirkungen der wachsenden Unsicherheit über den Ausgang der Euro-Schuldenkrise auf das AAA-Rating von Österreich und Frankreich bewerten. Es werde geprüft, ob der derzeitige Ratingausblick für die beiden Länder "angemessen bleibt", oder ob "umfangreichere Ratingüberprüfungen berechtigt sind".

Die Rendite für zehnjährige österreichische Staatsanleihen ist gestern gestiegen und liegt jetzt - bei noch immer sehr günstigen - knapp über zwei Prozent. Zum Vergleich: Noch im Jänner dieses Jahres lag der Wert bei 3,4 Prozent.

Stefan Winkler, Hubert Neuper

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