Leitl fordert Ausbildung bis 18 Jahre
Wirtschaftskammerchef Christoph Leitl schwebt eine Ausbildungspflicht bis 18 vor - allerdings nicht an der Schule, sondern am Lehrplatz: "Ich gehe davon aus, dass jene, die aussteigen, von der Schule die Nase voll haben. Die Jugendlichen noch ein weiteres Jahr in einer Klasse zu belassen, wäre kontraproduktiv."

Foto © APAChristoph Leitl
Was tun mit jenen rund 8000 Jugendlichen, die nach dem Abschluss ihrer Pflichtschulzeit keine weitere Ausbildung machen und somit aus dem Bildungssystem kippen? ÖGB-Chef Erich Foglar hat mit seinem Vorschlag über eine Verlängerung der Schulpflicht von neun auf zehn Jahren eine neue Debatte eröffnet.
Während Foglars Vorstoß von den Parlamentsparteien rundweg abgelehnt wird, hat Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl einen weiterführenden Vorschlag auf Lager. Leitl macht sich gegenüber der Kleinen Zeitung für eine "Ausbildungspflicht bis zum 18. Lebensjahr" stark, also sogar um zwei Jahre länger als von Foglar vorgeschlagen, allerdings auf einer völlig anderen Basis: "Ich gehe davon aus, dass jene, die aussteigen, von der Schule die Nase voll haben. Die Jugendlichen noch ein weiteres Jahr in einer Klasse zu belassen, wäre kontraproduktiv. Man würde Ressourcen und Zeit vergeuden."
Stattdessen sollten die Jugendlichen, so Leitls Idee, zu einer dualen Ausbildung verpflichtet werden, wobei die Lehre, also die praxisbezogene Ausbildung und die Förderungen der handwerklichen Begabungen, den Schwerpunkt bilden. An der Schule sollten nur die fehlenden Grundkenntnisse nachgeholt werden "Wir sollten uns in der ganzen Bildungsdebatte stärker mit den Talenten der jungen Menschen befassen, weniger mit Besoldungs- und Dienstrechtsfragen", so der Wirtschaftskammerchef.
Mit der von Foglar geforderten Ausweitung der Schulpflicht auf zehn Jahre kann sich hingegen kaum jemand anfreunden. Aus dem Büro von Unterrichtsministerium Claudia Schmied (SPÖ) verlautet, eine solche Verpflichtung könne man sich nur für jene Jugendlichen vorstellen, die keinen Abschluss vorweisen. Von einer generellen Ausweitung hält Foglars Parteifreundin wenig.
Auf wenig Gegenliebe stößt Foglars Idee auch beim grünen Bildungssprecher Harald Walser: "Natürlich müssen wir für jene Jugendlichen etwas tun, nur sollten wir nicht eine neue Baustelle aufmachen. Wir haben ohnehin genug bildungspolitische Baustellen. " Kopfzerbrechen bereitet Walser vor allem der Umstand, dass ein Drittel der 15- und 16-Jährigen, so der jüngste Pisa-Test, gar nicht sinnerfassend lesen können. "Unser Bildungssystem ist nur auf das Mittelmaß ausgerichtet. Weder den Hochbegabten wird geholfen noch jenen mit Leseschwierigkeiten."
Beim Regierungspartner ÖVP reagiert man weit weniger offen auf Foglars Vorschlag: Bloßes Zeitabsitzen erhöhe die Chancen am Arbeitsmarkt nicht. Auch FPÖ und BZÖ glauben nicht, dass zehn Pflichtschuljahre Jugendlichen besser auf das Berufsleben vorbereiten. FPÖ-Bildungssprecher Walter Rosenkranz fordert stattdessen mehr Qualität in den Polytechnischen Schulen. BZÖ-Bildungssprecherin Ursula Haubner macht sich für einen Bildungsabschluss ähnlich der Mittleren Reife wie in Deutschland stark.












