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Zuletzt aktualisiert: 20.07.2012 um 14:42 UhrKommentare

Pflichtschule verlängern?

Der ÖGB will eine Verlängerung der Schulpflicht von neun auf zehn Jahre. Denn in Österreich fallen bis zu 8.000 Jugendliche jedes Jahr aus dem Ausbildungssystem. Die ÖVP ist skeptisch: Bloßes Zeitabsitzen erhöhe die Chancen am Arbeitsmarkt nicht, heißt es.

Foto © Picsfive - Fotolia.com

Auf offene Ohren ist ÖGB-Präsident Erich Foglar mit seiner Forderung nach einem zehnten Pflichtschuljahr bei Unterrichtsministerin Claudia Schmied (S) gestoßen. Zielgruppe dafür wären jene rund 6.000 bis 8.000 jungen Menschen, die jährlich nach Ende der Schulpflicht das Schulsystem ohne Pflichtschulabschluss verlassen. Für diese biete sich die Verlängerung der Schulpflicht jedoch an, damit sie in diesem Jahr einen Abschluss erwerben oder über ihren weiteren Ausbildungsweg entscheiden können, heißt es aus Schmieds Büro gegenüber der APA. In der ÖVP reagiert man skeptisch.

Derzeit werde mit den Bildungssprechern aller Parlamentsparteien über eine Reform des neunten Schuljahrs verhandelt, hieß es aus dem Ministerium. Für jene, die über 16 Jahre alt sind und über keinen Pflichtschulabschluss verfügen, wurde erst kürzlich die Möglichkeit eines kostenlosen Nachholens geschaffen. Ein zehntes Pflichtschuljahr "passt da grundsätzlich gut in die Architektur", eine mögliche Ausweitung der Schulpflicht sei auch durchaus Thema bei den Debatten zur Reform des neunten Schuljahrs.

ÖVP skeptisch

Beim Regierungspartner ÖVP reagiert man weit weniger offen auf Foglars Vorschlag: Bloßes Zeitabsitzen erhöhe die Chancen am Arbeitsmarkt nicht, wird die Partei im Ö1-Mittagsjournal zitiert. Wichtiger sei es, dass am Ende der Schulpflicht ein Bildungsziel erreicht werde, es gehe um die Qualität der Bildungsabschlüsse.

Und auch FPÖ und BZÖ glauben nicht, dass zehn Pflichtschuljahre Jugendlichen besser auf das Berufsleben vorbereiten. FP-Bildungssprecher Walter Rosenkranz fordert stattdessen mehr Qualität in den Polytechnischen Schulen. BZÖ-Bildungssprecherin Ursula Haubner setzt auf rechtzeitige Beratung zu den Berufs- und Karrierechancen und fordert einen echten Bildungsabschluss ähnlich der Mittleren Reife am Ende des neunten Schuljahrs in Deutschland.

Grünen-Bildungssprecher Harald Walser fordert die Regierung unterdessen in einer Aussendung auf, sich endlich den alten Großbaustellen zu widmen: "Wir müssen die Qualität der ersten neun Schuljahre zuerst einmal anheben. Erst dann kann über Sinn und Zweck eines zehntes Pflichtschuljahr nachgedacht werden."


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