Polio-Impfung nach Taliban-Drohung ausgesetzt
Die Taliban, die die Stammesgebiete als Rückzugsort nutzen, boykottieren die Impfungen aus Protest gegen US-Drohnenangriffe und weil sie dahinter Spionage vermuten. Nach unterschiedlichen Angaben sind bis zu 350.000 Kinder betroffen.

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Nach Drohungen der radikalislamischen Taliban haben die pakistanischen Behörden eine Impfkampagne gegen Kinderlähmung in den Stammesgebieten im Nordwesten des Landes teilweise ausgesetzt. Die Kampagne werde in Nord- und Süd-Waziristan sowie in Bara im Khyber-Distrikt gestoppt, sagte Kampagnendirektor Mazhar Nisar am Montag. Nach unterschiedlichen Angaben sind bis zu 350.000 Kinder betroffen.
Taliban haben Angst vor Spionage
Die Taliban, die die Stammesgebiete als Rückzugsort nutzen, boykottieren die Impfungen aus Protest gegen US-Drohnenangriffe und weil sie dahinter Spionage vermuten. Mit Hilfe des pakistanischen Arztes Shakeel Afridi war es den USA vor mehr als einem Jahr gelungen, unter dem Vorwand einer Impfkampagne an DNA-Material von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden zu kommen und so seinen Aufenthaltsort aufzuspüren. Bin Laden war am 2. Mai 2011 von einer US-Spezialeinheit in der pakistanischen Stadt Abbottabad getötet worden. Afridi wurde daraufhin von einem Stammesgericht wegen Landesverrats zu 33 Jahren Haft verurteilt.
Bei der landesweiten Impfkampagne sollen von Montag bis Mittwoch 34 Millionen Kinder gegen Kinderlähmung geimpft werden. Einer Studie des britischen Fachmagazins "The Lancet" zufolge erkrankten im vergangenen Jahr fast 200 pakistanische Kinder wegen unzureichender Polio-Impfungen an Kinderlähmung. Das war der höchste Wert seit zehn Jahren.












