Srebrenica-Jahrestag: Weitere 520 Massakeropfer beigesetzt
Heute wurden in Bosnien 520 im vergangenen Jahr identifizierte Opfer des Massakers von Srebrenica beigesetzt. 40.000 Menschen wohnten der Gedenkfeier bei.

Foto © Reuters
Auf dem Friedhof in Potocari in Bosnien-Herzegowina ist am Mittwoch der Opfer des Massakers von Srebrenica gedacht worden. 520 weitere Opfer wurden dort anlässlich des 17. Jahrestages des schrecklichen Ereignisses beigesetzt. Damals hatten bosnisch-serbische Truppen die UNO-geschützte muslimische Enklave eingenommen und mehrere tausend Männer und Burschen aussortiert, um sie daraufhin in der Umgebung Srebrenicas brutal zu ermorden. Die Zahl der namentlich bekannten Opfer liegt derzeit bei 8.372.
In Potocari wurden in den vergangenen Jahren bereits 5.137 Massaker-Opfer beerdigt. Vorübergehend identifiziert wurden 6.700 Opfer, nach 1.500 wird noch gesucht. Viele Opfer werden womöglich nie identifiziert werden können, weil es keine Verwandten gibt, mit denen die DNA-Proben verglichen werden können.
"Wir sind heute da, weil wir an Gerechtigkeit glauben", sagte Camil Durakovic vom Gedenkfeier-Organisationsausschuss in einer kurzen Ansprache. "An dieser heiligen Stätte verteidigen wir unser Recht auf Leben." Die Gedenkfeier, die mit einem Gedicht des bosnischen Dichters Abdulah Sidran begann, hatte zum ersten Mal - auf ausdrücklichen Wunsch der Familienangehörigen - ausschließlich religiösen Charakter.
Zelebriert wurde die Messe vom bosnischen Großmufti Mustafa Ceric. Ebenfalls anwesend waren der Rabbiner von New York, Arthur Schneier, und Prinz Hassan bin Talal, der Onkel des jordanischen Königs Abdullah II.. Neben führenden bosnischen Politikern waren auch der kroatische Ministerpräsident Zoran Milanovic sowie der türkische Vizepremier Bekir Bozdag vor Ort. Serbien war durch eine Parlamentsdelegation vertreten. Auch der Hohe Repräsentant Valentin Inzko, der sich am Dienstag bereits am Erinnerungsmarsch beteiligte, sowie der EU-Beauftragte in Sarajevo, Peter Sörenssen, legten Kränze nieder. Lokale Politiker wurden laut Medienberichten jedoch ausgepfiffen. Mit Applaus wurde nur der Auftritt des Präsidenten des Staatspräsidiums, Bakir Izetbegovic, sowie der seines kroatischen Mitglieds Zeljko Kosmic goutiert.
Das Massaker von Srebrenica sei Völkermord gewesen, auch wenn einige Politiker in der Region noch so sehr vor der Realität flüchten, erklärte die slowenische Europaabgeordnete Tanja Fajon gegenüber bosnischen Medien.
Der heutige Mittwoch, der in den EU-Staaten als Gedenktag für die Opfer des Srebrenica-Massakers begangen wird, ist ein Trauertag im größeren bosnischen Landesteil, der Bosniakisch-Kroatischen Föderation, aber ein ganz normaler Werktag in der kleineren Entität, der Serbischen Republik, zu der Srebrenica seit dem Kriegsende gehört.
Der neue serbische Präsident Tomislav Nikolic und der bosnisch-serbische Präsident Milorad Dodik hatten vermieden, beim Massaker von Srebrenica von Völkermord zu sprechen. Es würde sich um ein "schreckliches Verbrechen" handeln, ließ Nikolic zuletzt wissen. Die bosnisch-serbische Regierung bekundete im November 2004 ihre Entschuldigung für das "Verbrechen von riesigem Ausmaß". Das serbische Parlament hatte das Srebrenica-Massaker erst vor zwei Jahren verurteilt.
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Massaker von Srebrenica
In der Gegend von Srebrenica wurden im Juli 1995 ungefähr 8000 Bosniaken – vor allem Männer und Jungen zwischen 12 und 77 Jahren – getötet. Das Massaker wurde unter der Führung von Ratko Mladic von der Armee der Republika Srpska (Vojska Republike Srpske, VRS), der Polizei und serbischen Paramilitärs trotz Anwesenheit von Blauhelmsoldaten verübt.
Quelle: Wikipedia













