Mickey Mouse tanzt nach Kim Jong-uns Pfeife
Nicht nur eine mysteriöse Frau als Begleitung, sondern auch eine tanzende Mickey Mouse und ein steppender Winni Pooh bei einem offiziellen Konzert in Nordkorea sorgen für Verwunderung in der westlichen Medienwelt. Ein Signal der Öffnung?

Foto © APMickey Mouse auf der Bühne
Mit der Machtübernahme von Kim Jong-un gab es im Ausland die Hoffnung auf Veränderung und eine Öffnung des kommunistischen Nordkoreas. Tragen jetzt ausgerechnet Disney-Figuren aus dem Land des kommunistischen Erzfeindes USA dazu bei? Seit einem Konzert und Feierlichkeiten am Wochenende rätselt die Welt wieder einmal über die Vorgänge in dem Staat, der seit Jahrzehnten eisern von der Kim-Dynastie regiert wird.
Der noch nicht 30-jährige Kim Jong-un (sein genaues Alter wird nicht bekannt gegeben) übt wie sein Großvater und Vater die Ämter des Staats-, Partei- und Armeechefs in Personalunion aus. Die Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag des in Nordkorea als Staatsgründer verehrten Kim Il-sung im Frühjahr wurden zu einer Demonstration der militärischen Stärke genützt, ein missglückter Raketenstart trug dem keinen Abbruch.
Während sein im Dezember gestorbener Vater und Vorgänger Kim Jong Il bei Massenkundgebungen beharrlich geschwiegen hatte, hielt sein Sohn bei diesem Ereignis seine erste öffentliche Rede als Machthaber des weitgehend isolierten Landes. Obwohl Kim Jong-un in dieser Rede die herkömmliche Politik bekräftigte, kündigte sich laut Experten ein neuer Führungsstil an. Für Verwirrung sorgte auch der Auftritt einer jungen Frau an seiner Seite bei einer Gedenkveranstaltung am letzten Wochenende. Südkoreanische Zeitungen mutmaßten am Montag, bei der Frau könne es sich um Kim Jong-uns jüngere Schwester Yo-jong oder aber um eine Geliebte handeln.
Mickey Mouse in TV-Show
Vor ein paar Tagen feierte sich Kim Jong-un mit einem Konzert einer von ihm gegründeten Gruppe. Damen in knappen schwarzen Kleidern und der Auftritt von Mickey Mouse und Co. waren erstmals in einer offiziellen TV-Übertragung zu sehen. Außerdem kündigt der junge Machthaber einen "grandiosen Plan" an, um im Bereich der Literatur und Kunst eine "dramatische Wende" heraufzubeschwören, hieß es im Bericht des Staatsfernsehens.
Disney made in China
Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Associated Press (AP) sind US-amerikanische Konsumgüter - üblicherweise aus China importiert - sehr beliebt bei nordkoreanischen Kindern. Disney-Geschichten wie "Dumbo" wurden auch für Schulkinder übersetzt. Doch ein offizieller TV-Auftritt war ein Novum - übrigens nicht autorisiert vom Disney-Konzern, wie ein Unternehmenssprecher gegenüber AP erklärt.
Features
Diktatoren-Kult
Der als "Großer Führer" titulierte Ex-Diktator Kim Il-sung starb 1994. Sein Geburtstag gilt als höchster nationaler Feiertag. Kim Jong-un übernahm von ihm und seinem Vater Kim Jong-il auch einen bizarren Personenkult.













