Mursi will engere Beziehungen zu Iran
Mohammed Mursi ist Ägyptens neues Staatsoberhaupt. Der Spitzenkandidat der Muslimbrüder konnte das Rennen um das Präsidentenamt - mit knapper Mehrheit gegenüber dem regimenahen Kontrahenten Shafik - für sich entscheiden. Mursi will die Beziehungen zum Iran intensivieren.

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Der Islamist Mohammed Mursi wird erster ziviler Präsident Ägyptens. Unter dem Jubel der Muslimbrüder hat sich Mursi in seiner ersten Rede konziliant gegeben. Die EU und die USA begrüßten die Wahl als "Meilenstein". Israel hofft auf weitere Zusammenarbeit mit Ägypten.
Mursi strebt engere Beziehungen zum Iran an. Der Politiker der Muslimbrüder sagte in einem am Montag veröffentlichten Interview der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur Fars, er wolle die Beziehungen zur Islamischen Republik ausweiten, um ein strategisches Gleichgewicht in der Region zu schaffen. "Dies ist Teil meines Programmes", zitierte Fars den Politiker. Nach Angaben der Agentur fand das Interview am Sonntag wenige Stunden vor Bekanntgabe des Ergebnisses der Präsidentenwahl statt.
Gratulationen
US-Präsident Barack Obama gratulierte Mursi telefonisch zur Wahl. Das ägyptische Volk beglückwünschte er zu "diesem Meilenstein auf dem Weg zum demokratischen Übergang". Obama freue sich auf die Zusammenarbeit mit Mursi und der künftigen Regierung "auf der Basis gegenseitigen Respekts, um die vielen gemeinsamen Interessen Ägyptens und der USA zu fördern", hieß es in einer Erklärung des Weißen Hauses.
Meilenstein
Von einem "Meilenstein" sprach auch die EU in ihrer Gratulation an Mursi. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton begrüße den friedlichen Verlauf der Präsidentenwahl, sagte ihre Sprecherin am Sonntagabend in Brüssel.
UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon vertraut laut einer in New York verbreiteten Erklärung darauf, dass Mursi "keine Mühen scheut, um sicherzustellen, dass das Volk Ägyptens die Hoffnungen auf mehr Demokratie, die Achtung der Menschenrechte und auf ein stabiles Land für alle Bürger umsetzt".
Israel hofft auf Zusammenarbeit
Israel hofft laut einer Stellungnahme von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Ägypten und den weiteren Bestand des Friedensvertrags zwischen beiden Ländern.
Gratulationen zur Wahl erhielt Mursi auch aus Teheran. Der Iran pflegt seit der Revolution 1979 wegen des ägyptischen Friedensabkommens mit Israel keine diplomatischen Beziehungen mehr zu Kairo.
Auch der Oberste Militärrat, der seit Mubaraks Sturz in Ägypten herrscht, gratulierte dem islamistischen Wahlsieger. Und auch der in der Stichwahl unterlegene ehemalige Ministerpräsident Ahmed Shafik wünschte Mursi Erfolg für seine "schwierige Aufgabe", wie die amtliche Nachrichtenagentur MENA meldete.
Mursi wird nicht die umfassende Macht seines Vorgängers Hosni Mubarak haben. Der Militärrat hatte für den Fall eines Sieges des Kandidaten der Muslimbrüder vorgesorgt und die Verfassung geändert. Demnach hat der Präsident ohne Zustimmung des Militärrates keinen Zugriff auf die Streitkräfte. Zu erwarten ist auch, dass die Außenpolitik Kairos weiterhin vom pro-westlichen Militär und nicht von den israelfeindlichen Muslimbrüdern gesteuert wird.
Mursi hatte sich mit knapp 52 Prozent der Stimmen gegen seinen Mitbewerber durchgesetzt, den ehemaligen Luftwaffengeneral und Mubarak-Minister Ahmed Shafik.
Die Wahl gilt als historisch. Nach einer Abfolge von Pharaonen, Königen, fremden Statthaltern und Generälen ist der 60-jährige Mursi der erste zivile Politiker an der Spitze des ägyptischen Staates. Mit ihm erobert die vor 80 Jahren gegründete Muslimbruderschaft das erste Mal das höchste Staatsamt.













