Reformwillige Pfarrer seit einem Jahr 'ungehorsam'
Geändert hat sich an den Strukturen in der katholischen Kirche zwar nichts, dennoch wurde durch den "Aufruf zum Ungehorsam" eine weltweite Diskussion angekurbelt. 3.100 Mitglieder haben sich seither der Initiative angeschlossen.

Foto © APADer Initiator Pfarrer Helmut Schüller
Seit einem Jahr rufen unzufriedene und reformwillige Pfarrer in Österreich zum "Ungehorsam" auf. Seitdem hat sich zwar an den von vielen als altmodisch empfundenen römisch-katholischen Strukturen nichts geändert, trotzdem schafften es der Probstdorfer Pfarrer Helmut Schüller und seine Mitstreiter, eine weltweite Diskussion anzukurbeln. Mittlerweile zählt die Initiative mehr als 3.100 Mitglieder.
"Die römische Verweigerung einer längst notwendigen Kirchenreform und die Untätigkeit der Bischöfe erlauben uns nicht nur, sondern sie zwingen uns, dem Gewissen zu folgen und selbstständig tätig zu werden", wird der "Aufruf zum Ungehorsam", der Ende Juni 2011 auf der Homepage der Pfarrerinitiative auftauchte, eingeleitet. In sieben Punkten zählen die Pfarrer auf, welche Konventionen sie zu brechen gedenken.
Neues Priesterbild
"WIR WERDEN uns dafür einsetzen, dass jede Pfarre einen eigenen Vorsteher hat: Mann oder Frau, verheiratet oder unverheiratet, hauptamtlich oder nebenamtlich. Das aber nicht durch Pfarrzusammenlegungen, sondern durch ein neues Priesterbild", hieß es in der Erklärung. Auch die Kommunionsspendung für wiederverheiratete Geschiedene fordern die "Ungehorsamen".
Anfangs glaubte man in der Amtskirche noch, die Rebellen schnell in den Griff zu bekommen. Kardinal Christoph Schönborn lud seinen ehemaligen Generalvikar Schüller zum Gespräch ein - um dabei Konsequenzen anzudrohen. Der "Ungehorsam" blieb jedoch aufrecht, weitere (amts)kirchenkritische Organisationen wie die Laieninitiative und Wir sind Kirche zeigten sich solidarisch. Und auch international machten die Pfarrer von sich reden: Schüller vernetzte sich emsig mit ähnlichen Initiativen etwa in Irland, Frankreich, der Slowakei und Deutschland.
Aber auch der Vatikan konnte die an Bekanntheit zulegende Pfarrerinitiative nicht länger offiziell ignorieren. In seiner Predigt bei der Chrisammesse am Gründonnerstag formulierte Papst Benedikt XVI. seine Kritik überraschenderweise sehr vorsichtig und stellte lediglich Fragen an die "Ungehorsamen". Kurz darauf legte Schönborn in der italienischen Tageszeitung "La Stampa" allerdings nach und stellte offen wie selten Disziplinarmaßnahmen in den Raum.













