Ist der Konflikt in Syrien ein Bürgerkrieg?
Rund zwei Drittel aller Kriege seit 1945 waren Bürgerkriege. Ob man im Fall von Syrien von einem Bürgerkrieg sprechen kann, ist unklar.
Bürgerkriege sind bewaffnete Konflikte innerhalb eines Staates. Dabei kämpfen mehrere inländische Gruppen um die Herrschaft, häufig unter Einmischung ausländischer Mächte. Es geht meist um die Vorherrschaft in einem Territorium oder dessen Unabhängigkeit. Ursachen für Bürgerkriege können politische, soziale, ethnische oder religiöse Konflikte sein.
In Syrien ist mit Blick auf die jüngsten Massaker bereits von einem Bürgerkrieg die Rede gewesen. Auch der oberste UN-Friedenshüter, Untergeneralsekretär Herve Ladsous, spricht jetzt von einem Bürgerkrieg. Das Ausmaß der Gewalt habe so massiv zugenommen, dass sich damit auch die Natur der Kämpfe verändert habe.
Zweifelhaft ist aber, ob die wesentlichen Voraussetzungen erfüllt sind: Betroffen sind bisher nur einzelne Regionen in Syrien. Einen umfassenden Konflikt unter den verschiedenen Religionsgruppen gibt es bisher nicht. Nur wenige Christen stehen beispielsweise aufseiten der Opposition. Unter den Kurden gibt es Anhänger wie Gegner des Regimes.
Völkerrechtlich betrachtet gilt ein Bürgerkrieg nicht als Krieg im ursprünglichen Sinn, sondern als innere Angelegenheit eines Staates. Artikel 3 der Genfer Konventionen von 1949 und die Zusatzprotokolle von 1977 stellen aber Minimalanforderungen an die Beteiligten - wie etwa das Verbot von Folter.
Rund zwei Drittel aller Kriege seit 1945 waren Bürgerkriege. Zu den historischen Beispielen zählt der Amerikanische Sezessionskrieg (1861 bis 1865) zwischen den Nord- und Südstaaten. Von 1936 bis 1939 tobte in Spanien der Krieg zwischen der republikanischen Regierung und den Putschisten unter Franco.












