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    Zuletzt aktualisiert: 28.05.2012 um 20:00 UhrKommentare

    Der Kampf ums Geschäft mit der Schönheit

    Ein neues Gesetz verbietet aggressive Werbung für Schönheits-OPs und Operationen unter 16. Praktische Ärzte laufen dagegen Sturm.

    Schönheitsoperationen an 16- bis 18-Jährigen sind bald nur mehr nach Gespräch mit Psychologen erlaubt

    Foto © Benicce / FotoliaSchönheitsoperationen an 16- bis 18-Jährigen sind bald nur mehr nach Gespräch mit Psychologen erlaubt

    Versteigerungen von Schönheitsoperationen oder Preisausschreiben für Gratis-Schönheitsoperationen werden in Österreich bald der Vergangenheit angehören. Ebenso werden praktische Ärzte künftig nicht mehr in Ordinationen Schilder wie "Schönheitschirurg" oder "kosmetischer Chirurg" aufhängen dürfen. Das Millionengeschäft mit der Schönheit wird durch ein Gesetz strenger geregelt.

    Für ein Drittel vorstellbar

    Bei einer Umfrage von Marketagent unter 4000 Personen meinte fast ein Drittel, es könnte sich eine Schönheitsoperation vorstellen.

    Das Gesetz, das auch ein Verbot von Schönheitsoperationen bei unter 16-Jährigen und eine verpflichtende psychologische Beratung bei 16- bis 18-Jährigen vorsieht, soll bereits in den nächsten Wochen im Nationalrat beschlossen werden. Die Begutachtung des Entwurfs endete vor zwei Wochen. "Wir sichten gerade Einwände und Vorschläge", heißt es im Gesundheitsministerium. Gesundheitsminister Alois Stöger will vor allem eine höhere Qualitätssicherung erzielen und verhindern, dass praktische Ärzte Schönheitsbehandlungen durchführen. "Derzeit wird die Durchführung von ästhetischen Behandlungen und Operationen nicht auf eine bestimmte Facharztausbildung beschränkt", begründet Stöger den Vorstoß.

    Unter 20 Jahren

    10 Prozent aller schönheitschirurgischen Eingriffe finden laut einer deutschen Studie an Patienten unter 20 Jahren statt.

    Der Bundesfachobmann der plastischen, ästhetischen und rekonstruktiven Chirurgie in der Ärztekammer, Boris Peter Todoroff, spricht es deutlicher aus: "Es gibt praktische Ärzte, die ihr Wissen in Wochenendseminaren erlangen, ein schönes Diplom dafür bekommen, es in der Ordination aufhängen und zu operieren beginnen. Und sie dürfen das leider auch. Das sind zwar nicht viele, aber diese laufen jetzt am meisten Sturm gegen das Gesetz."

    Schranken

    Für Todoroff, der das Gesetz begrüßt, ist es ein "absoluter Fehler" des Ärztegesetzes, dass praktische Ärzte theoretisch die Zulassung für jede medizinische Behandlung haben. Für dringend nötig hält auch der Präsident der Gesellschaft für plastische und rekonstruktive Chirurgie, Thomas Hintringer, gesetzliche Schranken: "Eine Verbesserung ist notwendig, weil in gewissen Bereichen ein Wildwuchs entstanden ist."

    Umsatz

    400 Millionen Euro werden nach Schätzungen von Experten jährlich in Österreich durch Schönheitsbehandlungen und Operationen umgesetzt.

    Weniger Freude löst bei Ärzten das Strafausmaß von 15.000 bis 25.000 Euro aus, das bei Verstößen vorgesehen ist. Der Wunsch der Ärztekammer an Gesundheitsminister Stöger: Es soll die Ärztekammer für Strafen zuständig sein. Immerhin könne die Kammer bei Strafen bis zum Berufsverbot gehen, wird argumentiert.

    Der vorliegende Entwurf sieht Geldstrafen auch bei verharmlosender Aufklärung über Risiken vor. Künftig muss eine lückenlos dokumentierte Aufklärung vor der Operation nachgewiesen werden. "Insbesondere sollen unrealistische Erwartungen an die Operation möglichst vermieden werden", heißt es im Gesetzesentwurf, der zunächst auch einen Videomitschnitt über die Aufklärung vorsah. Der Videomitschnitt ist mittlerweile aufgrund des Protestes der Ärzte gefallen.

    Für "sinnvoll" hält Ärztevertreter Todoroff die künftige Beschränkung der Werbung: "Versteigerungen von Schönheitsoperationen sind unseriös und gehören unterbunden. Auch Serien über Schönheitsoperationen, die Operationen verharmlosend darstellen, sollten nach diesem Gesetz auslaufen."

    Produkt aus Supermarkt

    Auf Widerstand stößt Stöger bei einigen Chirurgen mit dem Verbot von "Vorher- und Nachher-Bildern" operierter Frauen. Sie sollten weiter zugelassen sein, fordert der Präsident der plastischen Chirurgen. Wobei aber auch Hintringer die Werbeeinschränkung begrüßt: "Es sollte nicht möglich sein, dass ästhetische Chirurgie wie ein Produkt aus dem Supermarkt angeboten wird."

    Auf rund 400 Millionen Euro Umsatz schätzt Hans Weiss, der Autor des Buches "Schönheit. Die Versprechen der Beauty-Industrie", den Umsatz der Schönheitschirurgie in Österreich. "Das aggressive Marketing der Schönheitsmedizin ist ein zentrales Problem. Das andere sind Kunden, die sich alles einreden lassen und die Augen vor den Risiken schließen. Todesfälle bei Fettabsaugungen will man nicht sehen."

    Das neue Gesetz hält Weiss für "hoch an der Zeit". Er kenne, sagt er, viele Fälle, die "wirklich verpfuscht wurden": "Diese Menschen schämen sich und gehen in der Regel nicht an die Öffentlichkeit. Dadurch entsteht der Eindruck, die Operationen seien harmlos."

    Einen jener Fälle, die nie auf Homepages von Schönheitschirurgen aufscheinen, hat Weiss in der Wochenzeitung "Die Zeit" beschrieben. Die 55-jährige Liselotte S. starb zwölf Tage nach einer Schönheitsoperation, bei der von einer Chirurgin in Wien überflüssige Haut entfernt worden war. Resümee von Weiss: "Da findet oft eine wilde Geschäftemacherei im Rotlichtbezirk der Medizin statt."


    Was Brüste kosten

    Mit bis zu 10.000 Euro werden die Kosten für eine Brustvergrößerung angegeben. Die Aufspritzung von Eigenfett kostet pro Sitzung bis zu 5000 Euro. Viele Patientinnen würden sich aber, kritisiert Hans Weiss, der Autor des Buches "Schönheit. Die Versprechen der Beauty-Industrie", über die Risiken nicht im Klaren sein. Bis zu zwei Wochen nach der Operation kann es bei Brustoperationen zu anhaltenden Sickerblutungen kommen. Lidkorrekturen kosten bis zu 4500 Euro. Bei erfahrenen Chirurgen gibt es laut Weiss kaum Komplikationen.

    Problematisch sind für Weiss Aufspritzungen: "Es werden bei uns bis zu hundert Materialien verwendet, während in den USA nur zwei Dutzend zugelassen sind. Es kann zu grauenhaften Nebenwirkungen kommen. Die Zulassungsbestimmungen müssten verschärft werden."

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