Linkskandidat will Präsidentenwahl anfechten
Der linke Präsidentschaftskandidat Hamdeen Sabahi will die Wahl in Ägypten wegen einiger Unregelmäßigkeiten anfechten. Indes schüren die Muslimbrüder die Angst vor einer Rückkehr des autoritären Mubarak-Systems.

Foto © APAHamdeen Sabahi
Der linke ägyptische Präsidentschaftskandidat Hamdeen Sabahi, der nach inoffiziellen Teilergebnissen des ersten Wahlgangs auf dem dritten Platz hinter dem Kandidaten der Muslimbrüder, Mohamed Mursi, und dem letzten Premier unter dem im Vorjahr entmachteten Staatschef Hosni Mubarak, Ahmed Shafik, gelandet ist, will die Wahl wegen einer Reihe von Unregelmäßigkeiten anfechten. Das gab sein Rechtsberater Essam El-Islamboly am Samstag in Kairo bekannt. Der Einspruch werde demnächst bei der zentralen Wahlkommission erhoben.
Der 57-jährige Sabahi (Sabbahi/Sabahy), der als Nasserist und damit als Verfechter sozialistischer Ideen im nationalarabischen Kontext im Sinne des 1970 verstorbenen Präsidenten Gamal Abdel Nasser auftritt, ist der Gründer der "Partei der Würde" (Al-Karama) und der einzige Präsidentschaftskandidat mit einem klar linken Profil. Der Politiker, der unter dem Mubarak-Regime im Gefängnis saß, warb vor allem mit seinem Engagement für soziale Gerechtigkeit um Wählerstimmen.
Indes schüren die Muslimbrüder die Angst vor einer Rückkehr des autoritären Systems des früheren Staatschefs Hosni Mubarak in der Person von dessen letztem Premierminister Ahmed Shafik. Der 70-Jährige wird in der Stichwahl im Juni der Kontrahent des Kandidaten der Muslimbruderschaft, Mohamed Mursi (60), sein. In die Stichwahl werde Mursi mit der Parole "Eine Nation in Gefahr" ziehen, kündigten führende Vertreter der Muslimbrüder am Samstag in Kairo an.
Shafik gab sich am Samstag bemüht konziliant, nachdem er noch am Mittwoch seinen Landsleuten vorgeworfen hatte, mit der Wahl einer starken islamistischen Parlamentsmehrheit einen "großen Fehler" begangen zu haben. Er werde auch mit einer von den Muslimbrüdern geführten Regierung kooperieren, sagte er, während er vor dem ersten Wahlgang es als sein Ziel bezeichnet hatte, die Islamisten in die Schranken zu weisen. "Der ägyptischen Jugend sage ich", führte Shafik weiter aus, "die Revolution wurde usurpiert, und ich verspreche Euch, sie Euch zurückzugeben." Eine "Rückkehr zum alten Regime" sei nicht möglich, beteuerte der frühere Luftfahrtminister und Kurzzeit-Premier.
Shafik ist in den Augen vieler Ägypter ein Mann des Mubarak-Regimes und deshalb sowohl für die Islamisten als auch für die sogenannte Revolutionsjugend ein rotes Tuch. Nach Angaben der Muslimbrüder vom Freitag lag Mursi mit 25,3 Prozent der Stimmen in Führung. Shafik kam demnach auf 24 Prozent, auf dem dritten Platz landete der Nasserist Hamdeen Sabahi mit 22 Prozent. Es wird erwartet, dass die zentrale Wahlkommission erst am Dienstag die offiziellen Ergebnisse der ersten Runde veröffentlicht.












