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Zuletzt aktualisiert: 26.05.2012 um 17:58 UhrKommentare

Nach Massaker: Rebellen forden Luftangriffe

Mehr als 100 Menschen, unter ihnen auch viele Kinder, sollen syrischen Regierungstruppen in Houla zum Opfer gefallen sein. Die Rebellentruppe Freie Syrische Armee forderte am Samstag erneut Luftangriffe auf die Truppen von Präsident Bashar al-Assad.

Foto © Reuters

Nach dem "Massaker" von Houla (Al-Hula) mit Dutzenden Toten hat die syrische Opposition schwere Vorwürfe gegen die internationale Gemeinschaft erhoben und den UN-Sicherheitsrat dringend zum Eingreifen aufgefordert. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte warf der internationalen Gemeinschaft am Samstag "Komplizenschaft" vor. Die Rebellentruppe Freie Syrische Armee forderte erneut Luftangriffe auf die Truppen von Präsident Bashar al-Assad.

Vorwurf der "Komplizenschaft"

Regierungstruppen hätten zahlreiche Zivilisten in Houla "massakriert", erklärte der Syrische Nationalrat. Dessen Sprecherin Basma Kodmani sprach von "mehr als 110 getöteten Menschen in Houla"; etwa die Hälfte der Toten seien Kinder. Die Beobachtungsstelle für Menschenrechte gab die Zahl der Todesopfer mit mehr als 90 an, darunter 25 Kinder. In Amateurvideos waren verstümmelte Kinderleichen zu sehen. Die Echtheit der Aufnahmen war zunächst nicht überprüfbar.

Der oppositionelle Syrische Nationalrat forderte den UN-Sicherheitsrat zu einer Dringlichkeitssitzung auf. Die Beobachtungsstelle für Menschenrechte warf der internationalen Gemeinschaft vor, "angesichts des vom syrischen Regime verübten Massakers" zu schweigen. Damit mache sie sich der "Komplizenschaft" schuldig.

Ein UN-Beobachterteam traf am Samstag bei Houla ein. Die UN-Beobachter erreichten nach Angaben der Beobachtungsstelle das Dorf Taldau am Stadtrand, um "die in den vergangenen 24 Stunden im Verstoß gegen die Waffenruhe begangenen Verbrechen zu dokumentieren". Es seien weiterhin Explosionen und Schüsse zu hören. Dem Chef der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, zufolge weigerten sich die UN-Mitarbeiter angesichts der bedrohlichen Lage, vor Ort zu bleiben.

Die französische Regierung verurteilte das "Massaker". "Mit diesen neuen Verbrechen treibt das mörderische Regime Syrien noch tiefer in das Entsetzen und gefährdet die Stabilität der Region", hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums von Samstag. Außenminister Laurent Fabius kündigte an, unverzüglich ein Treffen der Kontaktgruppe der Freunde Syriens einzuberufen. Zur Freundesgruppe eines demokratischen Syriens gehören mehr als 60 Staaten und internationale Organisationen. Die Gruppe wurde im Februar dieses Jahres in Tunis gegründet.

"Atmosphäre des Misstrauens und der Angst"

Der Chef des in der Türkei ansässigen Kommandos der Freien Syrischen Armee, General Mustapha al-Scheich, forderte eine "angemessene Haltung" nach dem "vom Mörderregime Assads in der Region Houla verübt abscheulichen Verbrechen". Die Freunde Syriens müssten ein Militärbündnis gegen Damaskus schmieden. Die Mehrheit der in der Kontaktgruppe versammelten Länder, darunter die USA, lehnen ein Bewaffnung der syrischen Opposition ab.

Auch die Rebellenhochburg Homs wurde am Samstag erneut bombardiert. Landesweit wurden laut Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag mindestens neun Menschen getötet, darunter in den Provinzen Homs, Idlib und Daraa.

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon beklagte in einem Bericht an den Sicherheitsrat weiterhin "massive" Menschenrechtsverstöße durch die Regierungstruppen; auch die Opposition verschärfe ihre Einsätze. In dem Land herrsche eine "Atmosphäre der Anspannung, des Misstrauens und der Angst". Die Bemühungen der UNO um ein Ende des Konflikts hätten bisher nur "kleine Fortschritte" gezeigt. Der Sicherheitsrat soll kommende Woche über den Bericht beraten. Derzeit halten sich 275 unbewaffnete UN-Beobachter in Syrien auf.

Die jüngste Gewalteskalation überschattet die Pläne des Syrien-Sondergesandten von Arabischer Liga und Vereinten Nationen, Kofi Annan, in der kommenden Woche erneut nach Damaskus zu reisen. Weder die Truppen von Staatschef Assad noch die der Opposition setzten bisher den von Annan vorgeschlagenen Sechs-Punkte-Plan um. Eine offiziell seit dem 12. April geltende Waffenruhe wird nicht eingehalten.


UNO-Beobachter verurteilen "brutale Tragödie"

Der Leiter der UNO-Beobachtermission in Syrien, Robert Mood, hat den Angriff syrischer Regierungstruppen auf die Stadt Houla (Al-Hula) vom Freitag scharf verurteilt. Er verurteile "in schärfster Form" die "brutale Tragödie", erklärte Mood am Samstag. Die UNO-Beobachter, die am Samstag vor Ort eingetroffen waren, hätten bestätigt, dass die Armee in der Stadt Panzerartillerie eingesetzt habe. Den Beobachtern zufolge wurden bei dem Angriff mindestens 92 Menschen getötet, darunter 32 Kinder unter zehn Jahren.

Großbritannien forderte unterdessen eine "harte internationale Reaktion". "Wir haben eilige Beratungen mit unseren Verbündeten aufgenommen mit Blick auf eine harte internationale Reaktion", erklärte Außenminister William Hague am Samstag in London. Die britische Regierung werde eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates "in den kommenden Tagen" beantragen. Die vor allem aus desertierten Soldaten bestehende Freie Syrische Armee (FSA) will sich nach eigenen Angaben nicht länger an den Friedensplan des Syrien-Gesandten Kofi Annan halten, wenn die Vereinten Nationen nicht sofort in den Konflikt eingreifen.

Weitere Todesopfer in Syrien

Ungeachtet der empörten Reaktionen der internationalen Gemeinschaft auf die jüngste Gewalt in Syrien in Houla (Al-Hula) mit Dutzenden Toten ist das Sterben auch in anderen Teilen Syriens weitergegangen. Nach Angaben von Aktivisten kamen bei Angriffen der Regierungstruppen 47 Menschen ums Leben. Darunter seien auch 18 fahnenflüchtige Soldaten, meldeten die Regimegegner.

Sieben dieser Soldaten seien in Aleppo erschossen worden, als sie versuchten, sich von der Truppe zu entfernen. In der Provinz Idlib seien die Leichen von zehn weiteren Deserteuren gefunden worden. Die Soldaten seien alle durch Kopfschüsse getötet worden. In Idlib und im Großraum Damaskus habe es insgesamt die meisten Opfer gegeben.

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