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Zuletzt aktualisiert: 26.05.2012 um 08:54 UhrKommentare

Vor einem Jahr wurde Ratko Mladic gefasst

Der Haager Angeklagte versteckte sich zuletzt im Haus eines Cousins. Vor dem Uno-Tribunal muss sich der Ex-Militärchef der bosnischen Serben nun wegen Völkermordes und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten.

Mladic im Jahr 1993 und zum Zeitpunkt seiner Festnahme 2011

Foto © ReutersMladic im Jahr 1993 und zum Zeitpunkt seiner Festnahme 2011

Vor einem Jahr wurde einer der meistgesuchten Angeklagten des Uno-Tribunals für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien, Ratko Mladic, gefasst. Die Festnahme des früheren Militärchefs der bosnischen Serben erfolgte im Vojvodina-Dorf Lazarevo, etwa 60 Kilometer von Belgrad entfernt. Der Haager Angeklagte versteckte sich zuletzt im Haus eines Cousins.

Wenige Tage später wurde Mladic trotz Beteuerungen seiner Anwälte und Familienangehörigen, dass er angeschlagener Gesundheit und daher verhandlungsunfähig sei, an das Uno-Tribunal überstellt. Bei einem ersten Auftritt vor dem Haager Gericht wollte sich der einstige Militärchef der bosnischen Serben die Anklage gar nicht anhören. "Keinen einzigen Satz, kein einziges Wort davon" , ließ er die Richter wissen.

Die Vorwürfe gegen ihn wären "monströs" und "abscheulich". Er habe sein Volk und seinen Staat verteidigt, erklärte Mladic. Auf sein Konto gehen dabei mehrere der schwersten Kapitel des dreijährigen Bosnien-Krieges (1992-1995).

Anklage wegen Völkermord

Die Anklage wirft Mladic in elf Punkten Völkermord in der ostbosnischen Enklave Srebrenica und in weiteren sieben Gemeinden vor, ferner Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Verstöße gegen das Kriegsrecht. Er geht um Vertreibung und Ausrottung, Deportation, unmenschliche Behandlung, den 44-monatigen Beschuss von Sarajevo, die Geiselnahme von UNO-Soldaten und vieles mehr.

Um den Prozess zu beschleunigen, wurde die Anklage Mitte November gestrafft. Von den insgesamt 196 einzelnen Straftaten, die Mladic zur Last gelegt wurden, sollen nur 106 auch tatsächlich verhandelt werden. "Das Massaker von Srebrenica war und bleibt Genozid", stellte der Ankläger zu Prozessbeginn Mitte Mai fest.

In der UNO-Schutzzone wurden nach ihrer Einnahme durch bosnisch-serbische Truppen rund 7.000 bosniakische (muslimische) Männer und Burschen vor den Augen niederländischer UNO-Soldaten aussortiert, um später in der Umgebung der Stadt ermordet zu werden. Die von bosnisch-serbischen Truppen verübten Verbrechen seien Teil eines Plans gewesen, der darauf abgezielt habe, einen serbischen Staat in Bosnien zu errichten und Bosnien-Herzegowina zu zerschlagen, unterstrich der Ankläger.

Zu Prozessbeginn gesund

Der 70-jährige Mladic, über dessen angeschlagene Gesundheit seit der Festnahme immer wieder spekuliert wurde, wirkte zu Prozessbeginn körperlich gesund. Beim Betreten des Saales hob er die Daumen und klatschte in die Hände - ebenso bei einigen Ausführungen des Anklägers. Er machte sich immer wieder Notizen. Von Reue keine Spur.

Der Prozess soll mit der Aussage eines ersten Zeugen der Anklage am 25. Juni fortgesetzt werden. Der Zeuge, Elvedin Pasic, war gerade 14 Jahre alt, als der Krieg auch sein Dorf unweit von Banja Luka in Westbosnien erreichte.

Der Prozess gegen Mladic mag eine verspätete Gerechtigkeit für seine Opfer bedeuten. Ob er auch unter den Serben zur Auseinandersetzung mit den Kriegsgräueln führen wird, ist ungewiss. Derzeit sind nur 23 Prozent der Serben der Meinung, dass sich der Ex-Militärchef der bosnischen Serben der ihm angelasteten Kriegsverbrechen wirklich schuldig gemacht habe.


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