Rechtsextremist Küssel schwieg vor Gericht
Gottfried Küssel will mit Nazi-Homepage nichts zu tun haben. Von ihm stamme nur die Idee. Laut Staatsanwalt Hans-Peter Kronawetter gibt es freilich Beweise für Küssels Urheberschaft. Das Verfahren dürfte sich verzögern.

Foto © APAGottfried Küssel
WIEN. Die Anklage gegen ihn sei falsch, daher "muss ich mich der Aussage entschlagen", erklärt der Rechtsextremist Gottfried Küssel vor Gericht. Ihm wird vorgeworfen, Drahtzieher der neonazistischen Internetseite Alpen-Donau und eines dazugehörigen Forums zu sein. Küssel schweigt auf Anraten seines Anwalts Michael Dohr. Dieser fürchtet, dass die Befragung seines Mandanten nur um dessen bekannt braune Gesinnung kreisen würde - um die Geschworenen so von Küssels Schuld zu überzeugen.
Richterin Martina Krainz verliest daher Einvernahmeprotokolle Küssels, der seit 2011 in U-Haft sitzt. Er sei "eigentlich ein netter Mensch", hatte der einschlägig vorbestrafte Küssel den Beamten anvertraut. Nach seiner Haftentlassung habe er keine herausragende Stellung innerhalb der rechten Szene mehr angestrebt. Wohl stamme die Idee für die zwei Nazi-Seiten von ihm, dann hätten aber andere ohne ihn das Projekt verwirklicht.
Laut Staatsanwalt Hans-Peter Kronawetter gibt es freilich Beweise für Küssels Urheberschaft. Am Computer eines weiteren Angeklagten, Wilhelm A., fanden sich ein Auftrag Küssels zur Erstellung der Websites, Zugangsdaten sowie Indizien, dass Küssel einen eigenen Code verlangte.
Die Codes seien versehentlich von einem fremden Server auf seine Festplatte gekommen, betont A., der bei "perfect privacy" arbeitete, einer Organisation zur Verschlüsselung von IT-Daten, die auch Alpen-Donau betreute.
Die Verteidigung will weitere Zeugen laden, darunter einen Hamburger, den die Advokaten als eigentlichen Täter nennen. Dass es, wie geplant, heute ein Urteil gibt, ist somit fast ausgeschlossen.












