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Zuletzt aktualisiert: 17.05.2012 um 22:12 UhrKommentare

"Wie wenn man seine Familie wieder trifft"

Mit Erinnerungen an seinen persönlichen Freund Heinrich Harrer startete der Dalai Lama in Kärnten seine Österreich-Tour. Optimismus prägt sogar sein China-Bild.

Vertrauter Boden, vertraute Töne der Bergwerkskapelle: In Hüttenberg kehrte der Dalai Lama zum vierten Mal wieder

Foto © APA/GindlVertrauter Boden, vertraute Töne der Bergwerkskapelle: In Hüttenberg kehrte der Dalai Lama zum vierten Mal wieder

Helfende Hände zweier tibetischer Mönche ziehen ihn die wenigen Stufen des Jets der Goldeck Air hinab. Mit 76 Jahren ist Vorsicht geboten. Die dezenten Hinweise aufs Alter sind schnell verflogen, als der Dalai Lama dann flott und bestens gelaunt über den roten Teppich am Flughafen hin zum (politisch blauen) Empfangskomitee durch Kärntens FPK-Politiker mit Landeshauptmann Gerhard Dörfler an der Spitze geht.

Von Maribor/Marburg kommend traf das geistliche Oberhaupt der Tibeter Donnerstagnachmittag in Kärnten ein. Es ist das vierte Mal seit 1992. Der mit elf Tagen längste Österreichbesuch, der den Friedensnobelpreisträger auch nach Salzburg und Wien führt, begann. Kärnten aber ist der Platz der Erinnerungen an seinen persönlichen Freund und Freund Tibets, Heinrich Harrer, würdigt der Dalai Lama. Der Kärntner habe ihn in Tibet gelehrt, was europäische Kultur ist. Die Kärntner seien ähnlich den Tibetern "Mountain-People", die Herzlichkeit sei so, "wie wenn man seine Familie wieder trifft". Die Retour-Komplimente kamen von Dörfler: Begegnungen mit dem Dalai Lama bedeuten "Werte, die uns den Weg weisen. Sie schenken uns Gold der Herzen".

Hüttenberg in Mittelkärnten, die Heimatgemeinde Harrers, ist die erste Station des Dalai Lama. Hier trifft er Carina Harrer, die Witwe des 2006 verstorbenen Bergsteigers, der heuer seinen 100. Geburtstag feiern würde. Das Harrer-Museum mit dem Tibetschwerpunkt hat an Tagen wie diesen doppelt so viele Besucher wie sonst, erzählt Monika Makorn. Das Tibetzentrum im nahen Ortsteil Knappenberg ist jetzt zwar die extrem reduzierte Form des ursprünglich geplanten Großprojektes, bleibt aber Hoffnungsschimmer. "Wir werden starke Impulse erfahren", sagt Bürgermeister Josef Ofner (FPK). Mit 15 Prozent hat Hüttenberg den zweithöchsten Bevölkerungsschwund kärntenweit.

Vor 500 Zuhörern spricht der "Weltreisende im Dienst der Menschlichkeit", wie der Dalai Lama begrüßt wird. Unter ihnen sind einige Tibetergruppen aus den Bundesländern. Lobsan etwa hält dem Dalai Lama seinen dreijährigen Sohn Julian zum Segnen entgegen. Das Religionsoberhaupt sucht, einem spirituellen Superstar gleich, die Nähe zu den Menschen. Die vielen Sicherheitskräfte für den offiziellen Staatsgast müssen extrem flexibel sein. Gertraud Sobian, die Hüttenbergerin, ist jedes Mal hier, wenn der Dalai Lama kommt. "Seine Worte sind immer Anstoß zum Nachdenken."

Zuerst in Tibetisch, dann in Englisch machte der im Exil in Indien lebende Dalai Lama seine Lebenseinstellung klar: Er bleibe trotz der bedrohlichen Situation für Tibet, das von China annektiert ist, "weiter optimistisch". Denn in China gebe es Veränderungen: Intellektuelle würden nach Demokratie, Meinungsfreiheit und Rechtsstaatlichkeit rufen. Er setze auf die Kraft der Wahrheit und Gerechtigkeit. Seinen Zuhörern rief er zu, bei Problemen optimistisch und entschlossen zu bleiben. "Nicht Geld und Macht fördern unser Leben positiv, sondern Vertrauen und innere Werte. Durch echte Zuneigung werden Herzen geöffnet."

ANDREA BERGMANN, ROBERT BENEDIKT

Termine

Freitag und Samstag finden die Unterweisungen des Dalai Lama in Klagenfurt statt. 5000 Interessierte haben Tickets gekauft.

Sonntag hält er seinen Vortrag "Kunst des Glücklichseins" (Livestream www.dalailama.at). Abreise nach Salzburg.

Und sonst ...?

Anmaßend. Für unpassend bewerteten Zuhörer den Hinweis von LH Dörfler: Er stellte die Ortstafellösung in Kärnten dem Konflikt China - Tibet gegenüber, auf friedliebende Kräfte hoffend.

Weiße Schals. Das Bild wird sich fortsetzen: Bei allen Terminen des Dalai Lama werden weiße Seidenschals zur Begrüßung geschenkt. Die Khata ist Symbol für das reine Herz des Überreichenden, sie steht für Glück.

Taktstock.Zu Späßen ist er stets bereit: Ähnlich einem Politiker nahm der Dalai Lama am Flughafen nach den Marschklängen der Stadtkapelle Feldkirchen den Taktstock selbst in die Hand.

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