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    Zuletzt aktualisiert: 17.05.2012 um 09:37 UhrKommentare

    "Mubarak light" oder volle Packung Islam?

    Als die Parlamentswahlen im vergangenen Jahr begannen, waren die Ägypter noch euphorisiert. Der lange Wahlkampf wurde aber immer extremer: Haben die Ägypter nun die Wahl zwischen Gottesstaat und der nächsten Diktatur?

    Strippenzieher: Die Ägypter im Kampf zwischen Religion und Staat

    Foto © ReutersStrippenzieher: Die Ägypter im Kampf zwischen Religion und Staat

    Jeder wollte dabei sein, vor einem Jahr, wenn das "Parlament der Revolution" gewählt wird. Nächste Woche sollen die Menschen am Nil erneut wählen. Diesmal bewerben sich 13 Kandidaten um das Amt des Staatspräsidenten. Doch von Euphorie kann keine Rede sein. Viele Ägypter sehen bei dieser Wahl nur zwei Alternativen: Eine Light-Version von Ex-Präsident Hosni Mubarak oder ein engstirniger Islamist, der Christen und Liberale als Bürger zweiter Klasse behandeln wird.

    Schon der Wahlkampf war schmutzig. Die Spitzenkandidaten aus dem liberalen Lager warfen den Islamisten vor, sie wollten das Land zu einer Art Taliban-Diktatur machen. Die drei bekannten Islamisten, die miteinander um das höchste Amt konkurrieren, beschimpften ihre säkularen Gegner als "Überreste des alten Regimes" von Mubarak.

    Dass einer der Kandidaten im ersten Wahlgang mehr als 50 Prozent der Stimmen erhält, gilt als unwahrscheinlich. Deshalb geht es jetzt erst einmal darum, ob sich zwei Islamisten für die Stichwahl am 16. und 17. Juni qualifizieren, oder ob auch einer der säkularen Kandidaten die erste Runde übersteht.

    Fünf Kandidaten

    Insgesamt sind es fünf Kandidaten, die nach jüngsten Umfragen Chancen haben, das Finale zu erreichen: Mohammed Morsy (Mursi), der offizielle Kandidat der Muslimbrüder, Abdel Moneim Abul Futuh, ein ehemaliges Mitglied der Muslimbrüder, Amr Moussa, Ex-Außenminister und ehemaliger Generalsekretär der Arabischen Liga, Ahmed Shafik, der letzte Regierungschef von Mubarak, und der linke Aktivist Hamdeen Sabbahi, der von der Jugend favorisiert wird. Der Kandidat der radikalen Salafisten, Hazem Salah Abu Ismail, war ebenso wie der erste offizielle Kandidat der Muslimbruderschaft Khairat al-Shater durch Verfügung der Wahlkommission von der Teilnahme ausgeschlossen worden.

    Die Elite des Landes, die im vergangenen Jahr noch laut gejubelt hatte, als das Militär Mubarak zum Rücktritt drängte, ist inzwischen tief frustriert. Vor allem Akademiker und Geschäftsleute fragen sich, ob Demokratie nach dem Prinzip "one man - one vote" wirklich der richtige Weg für einen Staat ist, in dem ein Viertel der Bevölkerung nicht lesen und schreiben kann.

    "Es ist wirklich ironisch, dass die Revolution, die als Freiheitsbewegung der dynamischen ägyptischen Jugend begonnen hatte, uns jetzt im Eiltempo von einer Diktatur in die nächste führt, diesmal wird es eine Diktatur der heiligen Männer sein. Ehrlich, mit großem Bedauern gestehe ich, dass ich mich langsam frage, ob das alte Regime wirklich so schlecht war. Gott schütze dieses gesegnete Land vor den Ahnungslosen und Raffgierigen", erklärt ein Kairoer Jungunternehmer, der vor einem Jahr noch voller Optimismus und Pläne gewesen war. "Lieber Amr Moussa, bitte rette uns vor den Heuchlern!", fleht eine ägyptische Englischlehrerin, die in Saudi-Arabien lebt.

    Angst vor verlorenen Stimmen

    Radwa Fawzi (27) will ihre Stimme Hamdien Sabbahi geben, "weil er Distanz zu den Muslimbrüdern wahrt und für soziale Gerechtigkeit ist". Doch wie viele Unterstützer des "einzigen Revolutionärs" unter den Kandidaten, so hat auch die junge Frau, die in einem Kairoer Call-Center arbeitet, Angst, dass ihre Stimme "verloren geht", weil Sabbahi in den letzten Umfragen weit hinten lag.

    Westliche Regierungen und in Kairo ansässige ausländische Firmenvertreter hatten nach der Parlamentswahl erklärt, sie stünden auch jetzt, wo mehr als 70 Prozent Islamisten im Parlament sitzen, immer noch an der Seite Ägyptens. Doch da ist viel Heuchelei mit im Spiel. In Wirklichkeit beobachten sie die wirtschaftliche und politische Entwicklung des Landes mit großer Sorge.

    Anne-Beatrice Clasmann / dpa

    Fakten

    Auch eine aktuelle Meinungsumfrage des US-Meinungsforschungsinstituts Pew brachte ein für westliche Demokratieförderer alarmierendes Ergebnis: Auf die Frage, welches Land Vorbild für die Rolle der Religion in Politik und Regierung sein soll - die Türkei oder Saudi-Arabien - entschieden sich 61 Prozent der Befragten für das saudische Despotie-Modell.

    Lediglich 17 Prozent der Ägypter sehen die derzeit von Islamisten regierte, aber vom System her säkulare Türkei als Vorbild.

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