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Zuletzt aktualisiert: 30.04.2012 um 05:05 UhrKommentare

Nikolaus Knoepffler: "Moral ist ein Erfolgsfaktor"

Knoepffler und sein globales Ethik-Netzwerk feilten in Villach an Ethik-Charta für Unternehmen und Manager. Ethik-Professoren aus Deutschland, den USA, England, China, Japan, Indien planen 2013 die Vergabe eines "World Ethics Award".

Ethik-Professoren aus Deutschland, den USA, England, China, Japan, Indien planen 2013 einen "World Ethics Congress" und die Vergabe eines "World Ethics Award"

Foto © ZoreEthik-Professoren aus Deutschland, den USA, England, China, Japan, Indien planen 2013 einen "World Ethics Congress" und die Vergabe eines "World Ethics Award"

Herr Professor Knoepffler, verdienen Manager ihre hohen Bonuszahlungen?

KNOEPFFLER: Das empfinden viele als unfair, denn damit wir Erfolg privatisiert, Misserfolg jedoch sozialisiert. Natürlich, es kann auch Pech sein, Misserfolg zu haben. Aber auch an riesigen Gewinnen muss man nicht "schuld" sein. Ein Vorschlag: Die Manager könnten ja mit ihren Boni langfristig haften. Auch bei Politikern gehören Boni auf Jahre blockiert. Meiner Meinung nach sollten fünf Jahre vergehen, bis sie einen lukrativen Job in der Privatwirtschaft annehmen dürfen.

Sie sagen, Ethik und Moral seien globale Erfolgsfaktoren für eine neue Zeit. Ändert sich denn Moral mit der Zeit?

KNOEPFFLER: Ja und nein. Die Grundregeln bleiben. Aber bestimmte Einstellungen ändern sich. Dass man Geschäftsleute mit einem guten Essen oder Gefälligkeiten gnädig stimmt, war früher ganz normal. Heute ist das anrüchig. Oder: Heute ist es moralisch relevant, dass Frauen in Aufsichtsräte und Führungsetagen sollen, früher war das anders.

Muss Moral wehtun?

KNOEPFFLER: Moral heißt nicht, dass man etwas weggeben muss. Motto: Ich tue etwas aus Pflicht, was ich ohnehin aus Freude tue. Moral macht uns also nicht das Leben schwer. Und einer, der moralisch handelt, ist kein "Softie".

Sie sind dabei, Moral-Regeln für Unternehmer aufzustellen.

KNOEPFFLER: Wir haben in der Tat etwa zehn Regeln fertig. Aber jetzt wollen wir Unternehmer finden, die damit weiterarbeiten - auch in Kärnten. Die Unternehmen sollen Eigeninteressen und Gesellschaft versöhnen. Sie sollen Moral als zusätzliche Kapazität gewissermaßen abschöpfen. Denn unternehmerische Interessen und Moral schließen sich nicht aus. Moral kann ein Erfolgsfaktor sein.

Was steht denn in Ihren Regeln?

KNOEPFFLER: Geschlechtergerechtigkeit. Oder: Wir korrumpieren nicht. Oder: Wir handeln ökonomisch und ökologisch nachhaltig. Aber diese Regeln sind nur der Ausgangspunkt, die Unternehmer sollen damit weiterarbeiten.

Ist irgendwann eine Art Hippokratischer Eid für Unternehmer denkbar?

KNOEPFFLER: Im Hippokratischen Eid steht zum Beispiel: "Ich werde nie einer Frau Mittel geben, die zur Abtreibung führen" oder "Ich werde nie Hilfe zur Selbsttötung geben". Das alles gilt ja nicht mehr. Was ich sagen will: Eide nützen wenig, wenn die Spielregeln auseinanderdriften.

Was halten Sie vom derzeit modernen Nachhaltigkeits-Kürzel CSR (Corporate Social Responsibility)?

KNOEPFFLER: Das sagt erst einmal nicht viel.

Bio-Kaffee, Fair-trade-Schokolade: Moralisch richtig konsumieren liegt momentan im Trend. Wie finden Sie das?

KNOEPFFLER: Ja, man kennt das. Für jeden Bierkasten wir ein Baum gepflanzt und so. Aber Moral ist nicht die Caritas. Und dem, der die besagte Bierkiste nicht kauft, darf kein Vorwurf gemacht werden. Bei Moral geht es nicht um eine heroische Einzeltat.

Wenn jeder etwas für sich tut, ist dann für alle genug getan?

KNOEPFFLER: Nein.

Brecht sagt: Erst kommt das Fressen, dann die Moral...

KNOEPFFLER: Es gibt viele Menschen, die, obwohl es ihnen schlecht geht, moralische Qualitäten zeigen. Auch Firmen.

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