USA und China vor schwerer Krise
Wurde chinesischer Bürgerrechtler von Diplomaten in US-Botschaft geschmuggelt?

Foto © Reuters/Lee
Wenige Tage vor einem China-Besuch von US-Außenministerin Hillary Clinton scheint der Fall des aus dem Hausarrest geflohenen Bürgerrechtlers Chen Guangcheng zu einer schweren Belastung für die chinesisch-amerikanischen Beziehungen zu werden. Der blinde Anwalt halte sich in der US-Botschaft in Peking auf, erklärten mehrere Unterstützer. Die Regierung in Washington hat bisher jeden Kommentar zu Chens Verbleib vermieden, doch dass sie seinen Aufenthalt in der Gesandtschaft nicht dementiert, sehen viele Beobachter als stilles Eingeständnis, dass die USA dem 40-Jährigen tatsächlich Schutz gewähren. Da der Botschaftskomplex von chinesischen Sicherheitskräften streng bewacht wird, könnte Chen dort wohl nur von US-Diplomaten hineingeschmuggelt worden sein.
Chen, der in früher Kindheit erblindete und sich im Selbststudium Jurakenntnisse aneignete, hatte sich 2005 für Opfer von Zwangsabtreibungen und -sterilisationen eingesetzt. Weil er damit Beamte der Geburtenplanungsbehörde in seiner Heimatprovinz Shandong verärgerte, wurde er 2005 zu vier Jahren Haft verurteilt und nach seiner Freilassung ohne Rechtsgrundlage unter Hausarrest gestellt.
In einer Videobotschaft beschrieb Chen, wie er und seine Familie jahrelang misshandelt wurden, und forderte Premier Wen Jiabao auf, seinen Fall persönlich zu untersuchen.
Bisher gibt es in Peking keine offizielle Reaktion. Chinesische Medien dürfen nicht darüber berichten, im Internet sind Suchbegriffe wie "Botschaft" oder "Blinder" blockiert.












