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Zuletzt aktualisiert: 26.03.2012 um 21:21 UhrKommentare

Kärnten soll Sarajevo die Brücke in die EU bauen

Voraussetzungen in Bosnien sind schwierig. Kärnten bietet Hilfe bei Jugend-Olympia, Energie und Kinderbetreuung an.

Setzen sich ein, dass Sarajewo an die EU herangeführt wird: Rattinger, Dörfler, Sadovnik

Foto © LPD/Josef BodnerSetzen sich ein, dass Sarajewo an die EU herangeführt wird: Rattinger, Dörfler, Sadovnik

"Der Boden ist aufbereitet, jetzt muss gesät werden." Symbolträchtig sieht Landeshauptmann Gerhard Dörfler seinen viertägigen Besuch in Bosnien-Herzegowina. Dort sind die Spuren des Balkankrieges noch immer präsent, die Wirtschaftskrise mit hoher Arbeitslosigkeit prägt den Alltag, die Durchschnittslöhne liegen bei 500 Euro, die Schattenwirtschaft boomt. Dennoch: Die Lebensfreude sprudelt, junge, chic gekleidete Menschen und volle Cafés prägen das Stadtbild von Sarajevo, wo katholische und serbisch-orthodoxe Kirchen neben Moscheen stehen.

Mit Sarajevo, einem der zehn Kantone, entwickelt Kärnten eine vielschichtige Kooperation. Der Detailvertrag soll im September unterzeichnet werden. Ziel ist es, "die Heranführung des Landes an die EU zu beschleunigen", so Dörfler. In seiner Euphorie für die Zusammenarbeit und beflügelt von der Ortstafellösung sieht er sich gar in der Rolle des Mediators zwischen den drei Ethnien Bosniaken, Kroaten und Serben.

Das mit der EU wird wohl etliche Jahre dauern: Demokratische Strukturen und rechtliche Grundlagen sind aufzubauen, es gibt Zweifel an der politischen Stabilität. Vor diesen Herausforderungen stehen Investoren aus dem Ausland. Slowenenvertreter Bernard Sadovnik kennt diese Probleme. Er ist seit Jahren als Vorsitzender des Alpe-Adria-Zentrums (AACC) im Raum Bosnien-Herzegowina Verbindungsmann für Investoren.

Hochrangig waren die Kontakte, die Dörfler mit der kleinen Kärnten-Delegation pflegte. Vjekoslav Bevanda, den Premierminister von Bosnien-Herzegowina, traf man in Mostar. Der bat mit Bürgermeister Ljubo Beslic Dörfler, sich in Wien dafür einzusetzen, dass der Sitz der Hypo Alpe-Adria-Bank in Mostar bleibt und nicht nach Sarajevo verlegt wird. In Mostar gibt es fertige Alternativenergie-Konzepte. Nur die Investoren fehlen.

Im Flugzeug von Wien nach Sarajevo saß ein paar Reihen vor den Kärntnern Staatspräsident Bakir Izetbegovic. Tags darauf hatte Dörfler einen Termin auch bei ihm. Eingefädelt vom Kärntner Architekten Alexander Petritz, der schon im Bosnienkrieg (1992 bis 1995) Beauftragter des Bundeskanzleramtes für Wiederaufbau war und nun als Geschäftsmann andauernd gute Kontakte hat. Er war mit Sadovnik und Martina Rattinger Teil der Delegation. Izetbegovic hat beste Erinnerungen an Klagenfurt. Vor Jahren war seine schwer erkrankte Ehefrau hier zur Behandlung.

Rattinger, Leiterin des Kärnten-Büros in Brüssel, ist es sogar gelungen, in Sarajevo einen Termin mit Peter Sorensen, dem neuen EU-Botschafter in Bosnien, zu vereinbaren! Dass Dörflers Besuch mehr als reines Protokoll war und Chancen auf reale Projektumsetzung hat, beweist ein Faktum: Sorensen hat im Vorfeld extra mit dem EU-Erweiterungskomissar Stefan Füle telefoniert. Der steht nach Gesprächen mit Dörfler voll hinter der Kooperation Kärnten - Kanton Sarajevo mit den 460.000 Einwohnern. Gemeinsame Projekte sollen mit EU-Mitteln forciert werden.

Wenn in Sarajevo, der Winterolympia-Stadt von 1984, im Jahr 2017 die Jugend-Olympiade stattfindet, soll im Touristischen wie Wirtschaftlichen Know-how auch von Kärntner Unternehmern dabei sein. Müllentsorgung, Energieversorgung mit Solar, Biomasse, Wasserkraft, Kinderbetreuung, bei diesen Themen will Kärnten "in Entwicklerrolle sein". Die Kelag plant bereits ein Kraftwerk im Landesteil der Serbenrepublik Srpska.

Wie sehr der Kanton Sarajevo auf die Kooperation mit Kärnten setzt, war unüberhörbar. "Ich würde den Vertrag unterzeichnen, ohne ihn vorab gelesen zu haben", sagte Premierminister Mirjana Malic. Die Kärntner wurden empfangen und begleitet wie Staatsgäste, permanente Polizeieskorte inklusive.

ANDREA BERGMANN

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