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Zuletzt aktualisiert: 23.02.2012 um 23:15 UhrKommentare

Proteste in Afghanistan: ISAF befürchtet Eskalation

Die Freitagspredigten könnten die Empörung über die Koran-Verbrennungen weiter anheizen. Die deutsche Bundeswehr zieht sich wegen der Proteste aus ihrem Stützpunkt Talokan zurück.

Foto © APA

Nach der Verbrennung von Koran-Schriften durch US-Soldaten rechnen die internationalen Truppen mit einer weiteren Eskalation der Proteste in Afghanistan. "Wir bereiten uns auf einen heißen Freitag vor", sagte nach Angaben von "Spiegel Online" am Donnerstag ein Offizier in Kabul. Bisher wurden zwei NATO-Soldaten erschossen, in ganz Afghanistan protestierten wütende Muslime.

Internationale Diplomaten und die Schutztruppe ISAF befürchten inzwischen einen regelrechten Flächenbrand. Zwar registrierte man im NATO-Hauptquartier in Kabul am späten Donnerstagnachmittag eine langsame Beruhigung der Lage, dennoch blicken die Militärs mit großer Sorge auf Freitag: Angeheizt durch Predigten in den Moscheen, so die Befürchtung, könne sich die Gewalt noch einmal steigern.

In der Regel sollen die lokale Polizei und die Armee Sicherheitsaufgaben wie die Eindämmung gewalttätiger Proteste übernehmen. Werden die Angriffe jedoch heftiger, wird auch die NATO überlegen müssen, aus ihren gut geschützten Lagern auszurücken. Die radikal-islamischen Taliban jedenfalls erneuerten am Donnerstag ihre Forderung an alle gläubigen Afghanen, wegen der Koran-Verbrennung jede Gelegenheit zu nutzen, um Ausländer in Afghanistan anzugreifen.

Rückzug der Bundeswehr

Wegen der gewaltsamen Proteste in Afghanistan hat sich die Bundeswehr vorzeitig komplett aus ihrem Stützpunkt Talokan zurückgezogen. Allerdings sollte das Lager im März ohnehin geräumt werden. Nach der Koranverbrennung durch US-Soldaten in Afghanistan sind bei gewaltsamen Protesten bereits mehrere Menschen ums Leben gekommen.

Angesichts eines Auflaufs von rund 300 Demonstranten unmittelbar vor dem Stützpunkt Talokan habe der Kommandant der Nordregion am Donnerstag die mit der Räumung beschäftigten Kräfte ins rund 70 Kilometer entfernte größere Feldlager Kunduz abrücken lassen, teilte die Bundeswehr mit. Ein Sprecher des Einsatzführungskommandos berichtete, die rund 50 Soldaten hätten sämtliche Fahrzeuge mitgenommen.

Ein ZDF-Reporter berichtete, dass das Lager mit Steinen beworfen worden sei. Der relativ kleine Komplex ist schwierig zu sichern, weil er mitten in der 200 000-Einwohner-Stadt liegt. Ob die Soldaten für abschließende Räumarbeiten noch einmal zurückkehren, konnte der Sprecher nicht sagen. Dies entscheide sich je nach Bedarf und Entwicklung der Lage am Ort.

Bereits im vergangenen Frühjahr war die Hauptstadt der Provinz Takhar zweimal in die Schlagzeilen geraten. Bei einem Angriff von Demonstranten auf das Camp wurden im Mai mehrere Menschen erschossen. Keine zwei Wochen später wurden bei einem Anschlag auf den Gouverneurspalast von Talokan unter anderen der Polizeichef für Nordafghanistan und zwei Bundeswehrsoldaten getötet. Der Bundeswehr-Kommandeur für Nordafghanistan, General Markus Kneip, wurde verletzt.

Quelle: APA

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