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Zuletzt aktualisiert: 19.02.2012 um 20:40 UhrKommentare

Gauck, übernehmen Sie?

Der mögliche Kandidat für das Amt des deutschen Bundespräsidenten hat am Sonntag in Wien für einen unerwarteten Publikumsandrang gesorgt. Er gab sich entspannt und staatstragend - in Deutschland wird die Wulff-Nachfolge indes zum Polit-Dilemma.

Knapp 52 Prozent der Deutschen könnten sich mit Gauck anfreuden - über 40 Prozent allerdings sind gegen ihn

Foto © APKnapp 52 Prozent der Deutschen könnten sich mit Gauck anfreuden - über 40 Prozent allerdings sind gegen ihn

Der Publizist und Historiker Peter Huemer empfing den früheren DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck im Rahmen seiner monatlichen Matinee in Wien. Zu einem klaren Bekenntnis hinreißen ließ sich Gauck allerdings nicht: Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel sei schwer auszurechnen und er sei zwar "ein bisschen aufgeregt", doch er habe "ein schönes Leben". Als Präsident müsste er auf Teile seiner Freiheit verzichten, zum Glück müsse er über diese Frage nicht selbst entscheiden.

Dass ihn laut Umfrage 54 Prozent der Deutschen gerne als Staatsoberhaupt hätten, bezeichnete Gauck als "Vorhof des Himmels": "Das ist die ideale Situation, besser wird es nicht mehr. Dass einem Sympathie zugewendet wird, ohne dass man sich beweisen muss, ist etwas sehr Schönes."

Gauck sprach sich im Interview dagegen aus, zu hohe moralische Ansprüche an Politiker zu stellen: "In der Bevölkerung gibt es alles, von grenzdebil bis begnadet - das ist bei Politikern auch so." Es sei peinlich, Politiker als eine Melange von "Engel und Königin" haben zu wollen.

"Konservativer Sozialdemokrat"

Der parteilose Gauck erklärte, er sei die wesentliche Zeit seines Lebens ein "konservativer Sozialdemokrat" gewesen. Eine Zeitlang war der Ex-Chef der Stasi-Unterlagenbehörde Mitglied des Bündnis 90, doch sei es ihm dort "zu bunt" geworden, als sich das Bündnis mit den Grünen zusammenschloss, denn diese hatten seiner Meinung nach zu große Vorbehalte gegen den Kapitalismus.

Gauck, Eröffnungsredner der Salzburger Festspiele 2011, kritisierte in dem Interview Strömungen der Occupy-Bewegung, die der Meinung seien, dass alles gut werde, wenn der Staat alles besitze: "Zu denen sage ich: Das hatten wir schon", meinte der einstige DDR-Bürgerrechtler, "da war die Entfremdung nicht anders!" Außerdem seien einige Forderungen, wie die Besetzung der EZB, lächerlich. Sympathie hingegen drückte er gegenüber der Piraten-Partei aus, die versuchten, "am bestehenden System zu drehen".

Nach dem Mauerfall und seiner zehnjährigen Tätigkeit als Leiter der nach ihm benannten Behörde zur Aufarbeitung der Stasi-Akten betätigte sich Gauck unter anderem auch als Schriftsteller. Dieser Tage erschein sein neuestes Werk "Freiheit. Ein Plädoyer", das zu diesem Anlass ebenfalls präsentiert wurde.


FDP für Gauck, CDU dagegen

Die Unions-Parteien in Berlin wollen - anders als ihr Koalitionspartner FDP - den SPD-Favoriten Joachim Gauck nicht als Kandidaten für das Amt des deutschen Bundespräsidenten akzeptieren. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Sonntag in Berlin aus Unionskreisen.

Der DDR-Bürgerrechtler Gauck, der 2010 gegen den am Freitag zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff kandidiert hatte, sei CDU und CSU nicht zu vermitteln, hieß es.

Die FDP-Spitze hat sich unterdessen einstimmig für den SPD-Favoriten Joachim Gauck als Kandidaten für das Bundespräsidentenamt ausgesprochen. Für andere Kandidaten sei die Union offen.

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