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Zuletzt aktualisiert: 19.02.2012 um 11:02 UhrKommentare

Letten lehnten Russisch als Amtssprache klar ab

Die Letten haben am Samstag mit einer überwältigenden Mehrheit Russisch als zweite Amtssprache abgelehnt. Nach vorläufigen Angaben der Wahlkommission sprachen sich etwa 74,76 Prozent der 1,5 Millionen Stimmberechtigten gegen das umstrittene Vorhaben einer Bürgerbewegung aus.

Foto © APA

In Lettland hat sich die Bevölkerung bei einem Referendum mit deutlicher Mehrheit gegen die Einführung von Russisch als zweiter Amtssprache neben Lettisch entschieden. Nach vorläufigen Angaben der Wahlkommission sprachen sich etwa 74,76 Prozent der 1,5 Millionen Stimmberechtigten gegen das umstrittene Vorhaben einer Bürgerbewegung aus. Rund 24,92 Prozent votierten dafür, hieß es in der Hauptstadt Riga nach der Auswertung aller Wahllokale im Land. Die Beteiligung wurde in der Nacht auf Sonntag mit etwa 70 Prozent angegeben, was als außerordentlich hoher Wert gilt. Weitere Einzelheiten sollen an diesem Sonntag vorliegen.

Große Mehrheiten gegen Russisch

Nur im südöstlichsten der fünf Landesteile Lettlands, in Latgale mit der Hauptstadt Daugavpils (Dünaburg) stimmte eine Mehrheit der Bevölkerung für die Einführung von Russisch als zweite Amtssprache. Dort betrug der Anteil der Ja-Stimmen laut Rohdaten der lettischen Wahlkommission über 56 Prozent, während 44 Prozent gegen Russisch stimmten. Während in der Hauptstadt der Anteil der Russisch-Befürworter mit mehr als 36 Prozent über dem Landesdurchschnitt lag, stimmten in den übrigen drei Provinzen Kurzeme, Vidzeme und Zemgale die Bewohner mit überwältigender Mehrheit von 87 bis 91 Prozent gegen Russisch als Amtssprache.

Organisator Wladimir Linderman erkannte die Niederlage an, zeigte sich aber zufrieden mit der Wahlbeteiligung. Ziel der Initiative sei gewesen, einen Dialog zu starten - und dies sei gelungen, sagte er im Fernsehen. "Das Referendum ist nicht das Ende, sondern erst der Anfang." Die russische Minderheit werde ihren Kampf für gleiche Rechte fortsetzen. Konkrete Pläne nannte Linderman aber nicht.

Die Beteiligung sei hoch, und es sei mit einem sehr überzeugenden Ergebnis zu rechnen, hatte Regierungschef Valdis Dombrovskis nach der Stimmabgabe erklärt. Präsident Andris Berzins stimmte nach Angaben seiner Sprecherin "für die lettische Sprache". Rigas russischstämmiger Bürgermeister Nils Usakovs hatte angekündigt, für Russisch zu votieren.

Für die Verfassungsänderung wäre die Zustimmung von mindestens der Hälfte der Wahlberechtigten nötig gewesen. Nur einige Wahllokale im Ausland sind noch nicht ausgewertet. Das Referendum hatte im Vorfeld zu lebhaften Diskussionen in der Ex-Sowjetrepublik geführt. Rund ein Drittel der knapp über zwei Millionen Einwohner in dem baltischen Land ist russischer Herkunft, in der Hauptstadt Riga beinahe jeder Zweite. Ein Großteil der ethnischen Russen hat nicht die lettische Staatsbürgerschaft und hat als sogenannte "Nicht-Bürger" praktisch keine demokratischen Rechte.

Sprache als Symbol der Unabhängigkeit

Rund 300.000 Einwohner Lettlands waren als so genannte Nichtbürger - großteils in der Sowjetzeit zugezogene Russischsprachige, die bisher nicht die geforderte Staatsbürgerschafts- und Sprachprüfung abgelegt haben - nicht abstimmungsberechtigt. Das sind etwa 15 Prozent der Bevölkerung Lettlands.

Die frühere Sowjetrepublik war in der Frage, ob Russisch die zweite Amtssprache werden soll, angesichts ihrer Geschichte tief gespalten. Unter sowjetischer Herrschaft, die 1991 zu Ende ging, war den Letten die russische Sprache aufgezwungen worden. Viele Gegner des Referendums erinnerten zudem daran, dass zu Sowjetzeiten zahlreiche ethnische Letten nach Sibirien deportiert wurden. Sie sehen in der lettischen Sprache deshalb ein Symbol ihrer Unabhängigkeit und Freiheit. Befürworter der Initiative erhofften sich dagegen ein Ende der Diskriminierung von russischsprachigen Bewohnern des Landes. Bei einem erfolgreichen Ausgang der Volksabstimmung hätte Russisch zur 24. Amtssprache der Europäischen Union werden können.

Quelle: APA

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