Jeder für sich: Parteien stellen Sparpaket zu
Vor der Präsentation des Sparpakets haben SPÖ und ÖVP das üppige Maßnahmenbündel in ihren Parteigremien abgesegnet. Rund zwei Drittel des Pakets gehen aufs Konto von Sparmaßnahmen, ein Drittel werden aus Einnahmen lukriert.

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Das Sparpaket war am Freitagnachmittag noch nicht offiziell präsentiert, ist aber von den Regierungsparteien schon einmal einhellig begrüßt worden. SPÖ und ÖVP haben das üppige Maßnahmenbündel in ihren Parteigremien abgesegnet und gleich erste Deutungsversuche zu jeweils ihren Gunsten vorgenommen, bevor gegen 18.00 der Ministerrat zwecks gemeinsamer Willensbekundung zusammentrat und im Anschluss die Öffentlichkeit ins Bild gesetzt wird. Die Eckpunkte des Sparpakets, laut Regierung immerhin "eines der größten" seit 1945, liegen freilich auf dem Tisch: Rund 26,5 Milliarden Euro konsolidiertes Volumen bis 2016, rund zwei Drittel davon gehen aufs Konto von Sparmaßnahmen, ein Drittel werden aus Einnahmen lukriert.
Faymann: "Vernünftig und fair"
Neue Steuern
Insgesamt sollen die neuen Steuern 7,5 Mrd. Euro bringen - das wären etwa 30 Prozent des Sparpakets. Allerdings kommen noch weitere einnahmenseitige Maßnahmen, z.B. höhere Sozialversicherungsbeiträge, dazu. Die Länder sollen 5,2 Mrd. Euro an Einsparungen beibringen.
Bundeskanzler und SP-Vorsitzender Werner Faymann zeigte sich am Freitag vor dem SPÖ-Präsidium demonstrativ, und zwar 100-prozentig, zufrieden mit dem Konsolidierungspaket. Es sei "vernünftig und fair", und Massensteuern würden nicht angegriffen. Wie auch andere Sitzungsteilnehmer bedauerte er allerdings, dass man sich etwa im Bereich der Erbschaftssteuer nicht habe durchsetzen können. Hier gelte es Lücken zu schließen. Etwas verhaltener äußersten sich Wiens Bürgermeister Michael Häupl, SP-Gewerkschafter Wolfgang Katzian oder SPÖ-Pensionistenchef Karl Blecha - keiner wollte allerdings eine Zustimmung verweigern. Letztendlich wurde das Sparpaket denn auch einstimmig im SP-Präsidium abgesegnet. Oberösterreichs SP-Obmann Josef Ackerl zeigte sich allerdings höchst ungnädig und kündigte vorerst nicht präzisierte "Wickel" an.
Ebenso einstimmig fiel das Votum im ÖVP-Bundesparteivorstand aus - allerdings in Abwesenheit von GÖD-Chef Fritz Neugebauer, der weiterhin in Salzburg weilt. VP-Generalsekretär Hannes Rauch rechnet aber mit einem Ja der Beamten. Generell hob er die Handschrift der ÖVP hervor, der Fokus der Konsolidierung liege eindeutig auf den Ausgaben. Zufrieden waren auch Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich, der auf den Beitrag der Bauern verwies, sowie Innenministerin Johanna Mikl-Leitner, die den teilweisen Einstellungsstopp bei den Beamten ins treffen führte.
Starker Einschnitt bei Pensionen
"Es haben alle Federn lassen müssen", fasste Wirtschaftsbund-Obmann Christoph Leitl die ÖVP-Devise zusammen. Diese Behauptung nachzuprüfen, wird wohl Experten und Journalisten in den kommenden Tagen beschäftigen, sobald das Komplettpaket offiziell vorliegt. Am Freitagnachmittag zeichneten sich jedenfalls durchaus einige weitreichende Maßnahmen ab. Stark betroffen werden Pensionisten und solche, die es bald werden wollen, in diesem Bereich soll mit 7,3 Mrd. Euro der größte Beitrag bei den Einsparungen geholt werden. Die Einschnitte reichen von moderaten Pensionsanpassungen über eine raschere Umsetzung der Pensionsharmonisierung bis hin zu einem schwierigeren Antritt der Korridorpension und Streichung der geblockten Altersteilzeit.
Auch auf Beamte kommen harte Zeiten zu, in Form einer Nulllohnrunde und einer nur moderaten Anpassung 2013, außerdem gibt es einen bis 2014 befristeten Aufnahmestopp (außer im Sicherheits-, Justiz- und Bildungsbereich). Im Steuerbereich wird als größte Maßnahme eine Vermögenszuwachssteuer auf Immobilien in Aussicht gestellt (ausgenommen Hauptwohnsitze), zudem kommt der lange ventilierte Solidarzuschlag für Spitzenverdiener ab 186.000 Euro Jahresbrutto (bzw. Unternehmer ab 175.000 Euro Gewinn) - befristet bis 2016. Weitere steuerliche Maßnahmen betreffen etwa Umwidmungsgewinne die Einschränkung des Vorsteuerabzugs bei Bauvorhaben und die auf EU-Ebene erhoffte Finanztransaktionssteuer. Ein Abkommen mit der Schweiz soll dafür einmalig eine Milliarde Euro bringen.
Defizit soll bei 3,0 Prozent liegen
Bausparer und Zukunftsvorsorger werde keine Freude mit der Kürzung der entsprechenden staatlichen Prämien haben. Insgesamt will man bei den Förderungen Doppel- und Dreifachmaßnahmen vermeiden und dafür eine "Förderpyramide" zwischen Bund, Ländern und Gemeinden vereinbaren. Diverse Bahn-Tunnel könnten "redimensioniert", also billiger, werden. Ganz gestrichen wird die Förderung des Dieseltreibstoffes für Landwirtschaft und Öffis. Noch etwas wolkig klingen die Ankündigungen im Gesundheitsbereich - eine Gesundheitsreform wird ohnedies bereits verhandelt. Dafür hat sich die Regierung auch eine Art Meta-Sparmaßnahme ins Packerl gepackt: Weil sie in den nächsten Jahren weniger Schulden macht, wird sie auch weniger Zinsen dafür zahlen, heißt es.
A propos Schulden: Einen neuen Budgetpfad beschert das Sparpaket Österreich natürlich auch, dieser muss ohnehin jeden Frühling nach Brüssel gemeldet werden. Heuer soll demnach das Maastricht-Defizit genau 3,0 Prozent ausmachen - niedriger als die budgetierten 3,2 Prozent, allerdings auch nicht unter der magischen Maastricht-Grenze von drei, wie eigentlich angekündigt. Der aktuelle Zielwert für 2016 ist ein leichtes Defizit von 0,1 Prozent und damit keine glatte Null. Die Schuldenquote soll von heuer 74,8 Prozent auf 75,4 Prozent im Jahr 2013 steigen und dann bis 2016 auf 71 Prozent zurückgehen.
Reaktionen trudelten am Freitag vorerst nur zögerlich ein. IHS-Chef Bernhard Felderer bewertet das Sparpaket, soweit bisher bekannt, als "nicht schlecht", sieht aber keine großen Strukturreformen. Die einzige Strukturreform finde sich im Pensionsbereich, und diese sei eine "Softreform", erklärte er. "Große Enttäuschung" verspürte FPÖ-Vize Norbert Hofer, denn er vermisste Strukturmaßnahmen und fürchtete "massive Auswirkungen auf Kaufkraft und Binnennachfrage".
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Überblick
Das Sparpaket der Regierung ist praktisch fertig: Durch Einsparungen und neue Steuern sollen nach APA-Informationen in den kommenden fünf Jahren insgesamt 26,5 Mrd. Euro bewegt werden, damit 2016 ein "Nulldefizit" möglich wird.
Heuer soll die auf EU-Ebene vorgegebene Defizitgrenze von drei Prozent knapp erreicht werden. Größter Sparposten sind Pensionssystem und Arbeitsmarkt mit über sieben Mrd. Euro, auch durch neue Steuern sollen über sieben Mrd. Euro hereinkommen. Die Parteigremien von ÖVP und SPÖ befassen sich am Nachmittag mit dem Paket.
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Fahrplan
Nun sind die Parteigremien am Zug: Der ÖVP-Vorstand tagt ab 14 Uhr, das SPÖ-Präsidium trifft sich eine Stunde später im Parlament. Danach informiert die Regierung ihre jeweiligen Parlamentsklubs, bevor sie das Sparpaket bei einem für 18 Uhr angesetzten Sonderministerrat beschließt.















