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    Zuletzt aktualisiert: 25.01.2012 um 21:51 UhrKommentare

    "Ratings sind nichts für den Wirtshaustisch"

    Warum auch eine Schuldenbremse im Verfassungsrang Österreich nicht vor einer Abstufung verschont hätte, erklärt Alois Strasser, Chefanalyst von Standard & Poor's.

    Foto © AP

    H at Sie die positive Reaktion der internationalen Finanzmärkte nach den letzten, flächendeckenden Herabstufungen der Euro-Länder überrascht?

    ALOIS STRASSER: Nicht unbedingt. Wir haben ja unsere Ratings der Eurozonenländer schon Anfang Dezember auf Beobachtung gestellt. Damit haben wir signalisiert, dass es zu einer Verschlechterung kommen könnte. Das heißt, die Märkte hatten bereits vorher Zeit, zu reagieren.

    Warum existieren Rating-Agenturen in der öffentlichen Wahrnehmung erst seit zwei Jahren?

    STRASSER: Es ist im Moment einfach wichtig, zu wissen, wie kreditwürdig jemand ist. Das hängt sicher auch mit der Finanzkrise zusammen. Plötzlich befassen sich breite Schichten damit - man muss aber an dieser Stelle schon sagen, dass das Thema Rating nicht für den Wirtshaustisch geeignet ist. Man braucht dafür Hintergrundwissen.

    Auf welchen Zeitrahmen beschränken sich die Vorbereitungen für ein Rating?

    STRASSER: Unsere Ratings haben ja einen vorausschauenden Charakter. Daher fließen in die Analyse sowohl die Haushaltsergebnisse des laufenden Jahres, aber auch die Haushaltsplandaten der kommenden drei Jahre ein. Wichtig sind außerdem die steuerliche, die geldpolitische und die externe Entwicklung, also die Zahlungsbilanz, eines Landes. Zumindest zwei unserer Analysten fahren dann auch noch in dieses Land und besprechen das Datenmaterial, vor allem die Plandaten, mit führenden Köpfen des Staates. Wir beobachten unsere Kunden permanent, das Rating ist tagesgültig.

    Welche Daten werden im Vorhinein eingesammelt?

    STRASSER: Ein großer Teil sind volkswirtschaftliche Daten. Wir sehen uns das Wachstumspotenzial an, analysieren Aspekte wie Einkommensniveau, Arbeitslosigkeit und Demografie.

    Oft macht es den Anschein, dass Rating-Agenturen der Vergleich der Zahlen mit jenen von anderen Ländern wichtiger ist, als die Zahlen selbst?

    STRASSER: Nein, das stimmt nicht. Wir legen großen Wert auf die Zahlen der einzelnen Länder. Viele Daten bekommen wir direkt von den Zentralbanken und statistischen Bundesämtern. Diese Zahlen sind für uns vorrangig. Gleichzeitig lebt unsere Analyse vom Vergleich mit anderen Schuldnern.

    Sie verwenden in erster Linie statistisch erhobene Daten, also Daten, die auf Vergangenem basieren. Ist es seriös, diese Daten als Ausblick zu verkaufen?

    STRASSER: Für uns sind die historischen Daten ein Indikator und es ist wichtig, dass wir darauf zurückgreifen können. Wir sind aber kein Wirtschaftsprüfer, der sagt, das Jahr ist im Nachhinein gut abgeschlossen worden. Ein Rating ist immer zukunftsgerichtet. Um unsere Länderrating-Kriterien einheitlich anwenden zu können, passen wir die erhaltenen Daten an. Auch anhand vieler Wirtschafts-Prognosen, auf die wir zurückgreifen können.

    Hätte eine Schuldenbremse im Verfassungsrang im Falle Österreichs eine Herabstufung verhindert?

    STRASSER: In Bezug auf unsere Österreich-Abstufung haben wir die Schuldenbremse nicht erwähnt. Für uns ist wichtiger, inwiefern Maßnahmen langfristig zielführend sind. Ein zentrales Problem ist doch, ob der österreichische Bankensektor eine unvorhersehbare Rekapitalisierung benötigt, weil es zu Zahlungsschwierigkeiten in Osteuropa oder Italien kommen kann. Dies vor allem vor dem Hintergrund einer gesamteuropäisch negativen Wirtschaftsentwicklung.

    Europäische Politiker fordern zurzeit vehement eine eigene, europäische, Rating-Agentur. Was sagen Sie dazu?

    STRASSER: Ja, warum nicht? Konkurrenz belebt in unserem Sinne die Meinungsvielfalt.

    Das ist doch ein seltsames Zeichen, wenn Politiker unbedingt ihren eigenen Kontrolleur kreieren wollen. Wie unabhängig sind Rating-Agenturen?

    STRASSER: Rating-Agenturen arbeiten eigentlich fast nur im Auftrag der Kunden. Bei Staaten machen wir manchmal Ausnahmen, weil wir in einem Land kein Unternehmen einstufen können, wenn wir nicht den Staat zuvor beurteilt haben. Aber wir scheuen nicht davor zurück, unsere Kunden auch abzustufen. In unserem Geschäft ist Reputation das größte Gut. Wenn wir in unserer Einschätzung falsch liegen, würde uns der Markt dauerhaft nicht mehr vertrauen.

    Spanien war bis 2010 mit einem Triple-A gerated und gilt jetzt als möglicher Pleitekandidat. Ist die Krise dort so unerwartet gekommen?

    STRASSER: Die Probleme waren damals nicht vorhersehbar. Die Verschuldung war niedrig, die Haushalte entwickelten sich positiv. Wir haben dann aber Schwächen gesehen und die führten schlussendlich zu den Herunterstufungen, die man bei uns in einem Komitee beschließt. Im Moment raten wir Spanien mit einem Single-A. Ein Rating wird ja nicht einmal gemacht und dann ist es ein dauerhaftes Ergebnis. Unser Rating ist ein lebendiges Produkt.

    Wie lange lebt das ökonomische Griechenland noch?

    STRASSER: Zu Griechenland selbst können wir nur sagen, dass wir das Land seit 2004 abstufen. Aktuell liegt das Rating bei CC, ein Zahlungsausfall ist also absehbar.

    Standard & Poor's bezeichnet sich stets als sehr transparent. Von Ihnen weiß man nur, dass Sie Oberösterreicher sind.

    STRASSER: Ja. Nicht der Einzige. Wir sind in Europa international aufgestellt, haben aber hier kaum amerikanische Analysten.

    Und der Österreicher verspürt bei einer Herabstufung Österreichs keinen Schmerz?

    STRASSER: Ich glaube, es ist die Aufgabe Berufliches und Emotionales zu trennen. Würde Letzteres in die Beurteilungen einfließen, wären die Rating-Ergebnisse falsch.

    INTERVIEW: MARKUS ZOTTLER

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