Schäuble bezweifelt Urteilskraft der Rating-Agentur
Die Herabstufung der Kreditwürdigkeit mehrere Euroländer bringt Politiker zum Kochen. Deutschlands Finanzminister Schäuble wirft den Ratingagenturen "Eigenwerbung" vor und bezweifelt ihre Urteilsfähigkeit.

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Nach der Bonitätsabstufung zahlreicher Euro-Länder hat deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble das Urteil der Ratingagentur S&P angezweifelt. "Ich glaube nicht, dass Standard & Poor's wirklich begriffen hat, was wir in Europa schon auf den Weg gebracht haben", sagte Schäuble am Montag im Deutschlandfunk. "Darüber hinaus hat Standard & Poor's vielleicht auch nicht ausreichend bewertet, was alle Länder in Europa, die betroffen sind von den Schwierigkeiten, schon an Maßnahmen zur Reduzierung ihrer Defizite in Kraft gesetzt haben."
Zudem glaubt er nach eigenen Worten, dass es den Ratingagenturen vor allem auch um ein "hohes Maß an Werbung" für sie selbst gehe. "Ich habe manchmal mehr den Verdacht, dass die Ratingagenturen, die ja auch in einem Wettbewerb untereinander stehen, natürlich auch um öffentliche Aufmerksamkeit ringen."
S&P verteidigt Rating
Die Ratingagentur Standard & Poor's hat Vorwürfe zurückgewiesen, mit der Herabstufung der Bonität Frankreichs und anderer Euro-Länder parteiisch gegen Europa zu handeln. "Wir erfüllen unsere Aufgabe", sagte der Leiter der für die Länderratings zuständigen Abteilung von S&P Deutschland, Moritz Kraemer, am Montag im Deutschlandfunk.
Diese bestehe im Analysieren von Risiken, und das täten die Ratingagenturen unparteiisch. So habe S&P den USA im vergangenen Herbst das Top-Rating AAA entzogen, verwahrte sich Kraemer zugleich gegen den Vorwurf der Unausgewogenheit zu Gunsten der angelsächsischen Länder.
S&P hatte am Freitag die Bonität von neun der 17 Euro-Länder herabgestuft. Frankreich und Österreich verloren dabei ihr Top-Rating AAA. Deutschland als größte Volkswirtschaft der Währungsunion blieb ungeschoren. Als Konsequenz erwägt die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel Gesetzesänderungen, um den Einfluss der Bonitätsnoten im Anlagegeschäft zu brechen.












