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Zuletzt aktualisiert: 29.12.2011 um 14:44 UhrKommentare

Trotz Sparpaket: Italien muss hohe Zinsen zahlen

Italien konnte erfolgreich zehnjährige Anleihen platzieren und sieben Milliarden Euro einnehmen. Der Wermutstropfen: Der Staat muss dafür rund sieben Prozent Zinsen zahlen. Weniger als zuletzt aber auf Dauer nicht finanzierbar.

Italiens Staatschef Monti muss trotz Sparpakets hohe Zinsen für Staatsanleihen bieten

Foto © ReutersItaliens Staatschef Monti muss trotz Sparpakets hohe Zinsen für Staatsanleihen bieten

Ernüchterung in Italien: Trotz harter Sparmaßnahmen verlangen Investoren noch immer extrem hohe Zinsen für ihr Geld. Bei der mit großer Spannung erwarteten Versteigerung einer zehnjährigen Staatsanleihe mussten sie mit einem Zins von rund sieben Prozent gelockt werden. Das ist zwar etwas weniger als im November, aber auf Dauer kann sich der klamme Staat so hohe Zinskosten nicht leisten, warnen Experten. Erschwert wird die Sanierung des Haushalts durch die drohende Rezession: Die Stimmung in der Wirtschaft fiel im Dezember auf ein Zwei-Jahres-Tief. Ministerpräsident Mario Monti will die lahme Konjunktur nun mit einem Reformpaket ankurbeln.

Die Versteigerung langjähriger Anleihen spülte mehr als sieben Milliarden Euro in die Kassen, teilte das Finanzministerium am Donnerstag mit. Damit wurde das angestrebte Volumen von 5,0 bis 8,5 Mrd. Euro erreicht. Für die zehnjährige Anleihe mussten die Geldgeber mit einem Zins von 6,98 Prozent belohnt werden. Er lag damit unter dem im November erreichten Rekordhoch von 7,56 Prozent, aber klar über dem Marktzins für deutsche Bundesanleihen von knapp 1,9 Prozent. Bei dreijährigen Anleihen fiel der Zins von 7,89 auf 5,62 Prozent. Der Eurokurs fiel auf ein neues Jahrestief, die Aktienmärkte verharrten auf dem Vortagesniveau.

"Der Druck auf Italien bleibt extrem hoch", sagte Commerzbank-Analyst David Schnautz. Daran dürfte sich so schnell nichts ändern, befürchtet Analyst Howard Wheeldon von BGC Partners: "Es wird Wochen oder sogar Monate dauern, bis die Sparmaßnahmen Früchte tragen - solange gibt es wenige Gründe, warum die Zinsen fallen sollten".

Die neue Regierung von Ministerpräsident Mario Monti hatte erst kurz vor Weihnachten ein 33 Mrd. Euro großes Sparpaket unter Dach und Fach gebracht. Gleichzeitig lieh die Europäische Zentralbank (EZB) den Geschäftsbanken fast eine halbe Billion Euro für drei Jahre zum Mini-Zins von aktuell einem Prozent - auch in der Hoffnung, dass sie damit Staatsanleihen erwerben. "Es bleibt aber die Angst vor dem ersten Quartal, in dem eine enorme Summe von italienischen Anleihen zurückgezahlt werden muss", sagte Fondsmanagerin Andrea Williams von Royal London Asset Management. Allein zwischen Jänner und April will sich der Staat 91 Mrd. Euro leihen.

Skepsis für 2012

Die italienischen Unternehmer gehen mit großer Skepsis ins neue Jahr. Ihre Stimmung trübte sich im Dezember deutlicher ein als erwartet und rutschte auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren. Die Auftragslage der Firmen verschlechterte sich ebenso wie die Aussichten. Wegen der Wirtschaftsflaute drohen Steuerausfälle. Die EU-Kommission traut der drittgrößten Volkswirtschaft im Euro-Raum 2012 nur ein Mini-Wachstum von 0,1 Prozent zu. Die OECD erwartet sogar ein Minus von 0,5 Prozent.

Italiens Ministerpräsident Mario Monti will die lahme Wirtschaft seines hoch verschuldeten Landes mit einem umfangreichen Reformpaket ankurbeln. Spätestens Ende Januar werde seine Regierung ein Wachstumspaket aus Liberalisierungen sowie Reformen im Sozialwesen und auf dem Arbeitsmarkt präsentieren, kündigte Monti am Donnerstag auf einer Pressekonferenz zum Jahresende an. Die Verabschiedung des Milliarden-Sparpakets namens "Rette Italien" in der vergangenen Woche sei seine erste Pflicht gewesen. Der zweite Akt müsse nun ein "Wachse Italien"-Paket sein, um eine der schwächsten Volkswirtschaften der Euro-Zone wieder auf Trab zu bringen.

Mit einer kurzlaufenden Anleihe hatte sich Italien bereits am Mittwoch knapp elf Milliarden Euro von Investoren geliehen. Der Zins für die sechsmonatigen Papiere halbierte sich dabei im Vergleich zum November auf 3,251 Prozent. Italien drücken Schulden von rund 1,9 Billionen Euro, was 120 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung entspricht. Nur in Griechenland ist die Schuldenstandsquote höher. Im kommenden Jahr muss sich Italien 440 Mrd. Euro von Investoren holen, um alte Kredite abzulösen, Zinsen zu zahlen und die Haushaltslücke zu schließen. Je höher die Refinanzierungskosten sind, desto mehr muss die Regierung an anderer Stelle sparen.


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