Christian Wulff und der Guttenberg-Effekt
Die Opposition vergleicht die Kredit-Affäre des Bundespräsidenten mit dem Fall Guttenberg. Wullf selbst lässt derzeit lieber seinen Anwalt sprechen - und könnte damit die Dinge noch schlimmer machen.

Foto © APAChristian Wulff unter öffentluchem Druck: Besser die Wahrheit?
Der Unternehmer Egon Geerkens war doch in die Verhandlungen über einen Privatkredit an den deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff beteiligt. Das bestätigte Wulffs Anwalt Gernot Lehr in einem Schreiben an die "Welt". Lehr schrieb: "Der Darlehensgewährung vorausgegangen war die Suche des Ehepaars Wulff nach einer geeigneten Immobilie. Hierin war Herr Egon Geerkens aufgrund seines besonderen Sachverstands und der freundschaftlichen Beziehungen eingebunden. In diesem Zusammenhang ging die Initiative für ein Privatdarlehen von Frau Edith Geerkens aus. Die Modalitäten wurden gemeinsam besprochen, das Darlehen von Frau Edith Geerkens gewährt."
Bislang berief sich Wulff stets darauf, dass Edith Geerkens die Kreditgeberin war. Zur Frage, inwieweit Egon Geerkens bei den Verhandlungen involviert war, hat der frühere Ministerpräsident Niedersachsens bislang keine Stellung genommen. Eine Anfrage des niedersächsischen Landtags Anfang 2010, ob es irgendwelche Geschäftsbeziehungen zwischen Wulff und dem Unternehmer bestanden, hatte der damalige Ministerpräsident mit "nein" beantwortet.
Justiz schaltet sich ein
Die Kreditaffäre des Staatsoberhaupts beschäftigt nun auch die Justiz. "Die Staatsanwaltschaft hat vier Anzeigen vorliegen, die überprüft werden", sagte der Sprecher der Behörde in Hannover, Jürgen Lendeckel. In den Anzeigen geht es deutschen Medienspekulationen zufolge um den Vorwurf der Vorteilsannahme. Die Staatsanwaltschaft muss jede Anzeige prüfen, die eingeht.
Der niedersächsische SPD-Politiker Sebastian Edathy, der Ende November den Bundespräsidenten auf einer Reise nach Indonesien begleitet hatte, warf Wulff mangelnde Aufklärung vor und Verglich den Vorgang mit dem des ehemaligen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg. Wulff taktiere und mache die Dinge damit schlimmer als sie seien, sagte Edathy: "Wir haben das bei Herrn zu Guttenberg erlebt: Erst wird dementiert, dann wird behauptet, es gäbe Missverständnisse, das eigene Verhalten des Amtsträgers sei fehlinterpretierbar, dann wird eine Teilentschuldigung vorgenommen. Das ist alles eine Taktik."












