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Zuletzt aktualisiert: 18.12.2011 um 22:54 UhrKommentare

Trauer um einen "großen Europäer"

Trauer nach dem Tod des ehemaligen tschechischen Präsidenten Vaclav Havel: Menschen in ganz Europa haben die Leistungen des Staatsmanns gewürdigt. Für US-Präsident Obama waren seine Verdienste "historisch".

Trauer am Prager Wenzelsplatz

Foto © APATrauer am Prager Wenzelsplatz

Staatspräsident, Dissident und Dramatiker: Der Tod von Vaclav Havel, Symbolfigur der Wende 1989 in Osteuropa, hat in seiner Heimat Tschechien und in aller Welt Betroffenheit ausgelöst. Bis zuletzt setzte sich der als Held der "Samtenen Revolution" und moralische Stimme seines Heimatlandes verehrte Havel für die weltweite Einhaltung der Menschenrechte ein. Weggefährten und Politiker in aller Welt drückten ihr Beileid aus.

Fotoserie: Trauer um Vaclav Havel

Havel starb am Sonntag im Alter von 75 Jahren in seinem Landhaus im Riesengebirge. Als Folge seiner jahrelangen Gefängnisaufenthalte unter dem kommunistischen Regime litt er unter einer chronischen Atemwegserkrankung. Außerdem war er früher ein starker Raucher gewesen. 1996 war er wegen Lungenkrebs operiert worden. In Prag und in anderen tschechischen Städten versammelten sich zahlreiche Menschen. Sie legten an zentralen Schauplätzen der demokratischen Wende von 1989 Blumen nieder und zündeten Kerzen an.

Begräbnis am 23. Dezember

Aller Voraussicht nach soll Havel am Freitag, den 23. Dezember, beerdigt werden. Havels Witwe Dagmar werde am Montag mit Staatspräsident Vaclav Klaus zusammentreffen, um den weiteren Ablauf zu besprechen. Der Termin könne sich deshalb noch ändern.

Klaus würdigte seinen Amtsvorgänger als "einen unerschütterlichen Kämpfer gegen den kommunistischen Totalitarismus" und "führende Person der Samtenen Revolution" 1989 in der damaligen Tschechoslowakei. Außenminister Karel Schwarzenberg sagte, Havel sei eine "scheue Persönlichkeit" gewesen, habe aber keine Angst gehabt, sich den Mächtigen zu stellen.

Internationale Bestürzung

Auch weltweit wurde der Tod mit Bestürzung aufgenommen. EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso sprach von einem "wahren Europäer und Vorkämpfer für Demokratie und Freiheit". Havel habe Menschen auf der ganzen Welt, die für Freiheit und Demokratie kämpften, inspiriert. "Vaclav Havels Name wird für immer mit der Wiedervereinigung Europas und der Verbreitung seiner Werte nach Zentral- und Osteuropa verbunden bleiben", sagte Barroso.

Fotoserie: Reaktionen zu Havel: "Trauern mit den Tschechen"

Bundespräsident Heinz Fischer erklärte, "der eindrucksvolle Lebensweg eines großen Europäers, Schriftstellers und Humanisten" habe ein Ende gefunden, "was tiefe Betroffenheit auslöst". Havel habe sich in der Diktatur als deren Gegner und in der Demokratie als deren Unterstützer bewährt. "Er war Künstler und Politiker, Dissident und Staatsmann und hatte immer ein waches Gewissen. Jedes Gespräch mit Vaclav Havel war ein Vergnügen", so Fischer.

Bundeskanzler Werner Faymann (S) drückte den Angehörigen, Freunden und Weggefährten des ehemaligen tschechischen Präsidenten seine Anteilnahme aus. "Mit Vaclav Havel verlieren wir eine Symbolfigur für ein friedliches, demokratisches und geeintes Europa", sagte Faymann laut einer Mitteilung des Bundeskanzleramtes. Außenminister Michael Spindelegger (V) sprach von einer "Galionsfigur der Demokratie".

Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigte Havel als "großen Europäer". "Sein Einsatz für Freiheit und Demokratie bleibt ebenso unvergessen wie seine große Menschlichkeit. Gerade auch wir Deutsche haben ihm viel zu verdanken", schrieb Merkel an Klaus. Bundespräsident Christian Wulff würdigte Havel als "guten Freund" Deutschlands. Deutschland werde den Verstorbenen in großer Dankbarkeit und Anerkennung in Erinnerung behalten.

Obama "inspiriert

US-Präsident Barack Obama erklärte zum Tode Havels: "Sein friedlicher Widerstand erschütterte die Grundfesten eines Imperiums, entblößte die Leere einer Ideologie der Unterdrückung und bewies, dass moralische Führungskraft mächtiger ist als jede Waffe." Wie Millionen Menschen sei er von Havels Worten und seiner Führungskraft inspiriert worden, fügte Obama in seiner in Washington veröffentlichten Erklärung hinzu.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy sprach von einem "Mann der Kultur", einem "herausragenden Schriftsteller und engagierten Europäer", der "unermüdlich für Demokratie und Freiheit" gekämpft habe. Tschechien verliere mit Havel "einen großen Patrioten", Frankreich "einen Freund" und Europa "einen seiner Weisen".

Auch in der Slowakei wurde trotz politischer Differenzen getrauert. "Mit dem ihm eigenen Charme hat er uns gewünscht, dass wir inneres Gleichgewicht und Ruhe ausstrahlen sollten", sagte Ministerpräsidentin Iveta Radicova, die Havel noch vor ein paar Tagen getroffen hatte.

Der slowakische Staatsgründer und dreimalige Ex-Premier Vladimir Meciar würdigte ebenfalls Havels Rolle: "Obwohl wir unterschiedliche Ansichten über die Bedürfnisse der Slowaken im gemeinsamen Staat hatten, ist unbestreitbar, dass Havel durch seine Rolle bei der Einführung der Demokratie auch Teil der slowakischen Geschichte wurde", sagte Meciar.

Im kleineren Nachfolgestaat der Tschechoslowakei war Havel von vielen Politikern immer wieder die Mitschuld am Zerfall des gemeinsamen Staates gegeben worden. Er habe den slowakischen Autonomiebemühungen zu wenig Verständnis entgegen gebracht, hieß es. Beileidsbezeugungen gab es auch von vielen weiteren Politikern in Europa.

Kampf gegen das Regime

Havel war während der kommunistischen Ära in der Tschechoslowakei (1948-1989) die Schlüsselfigur im gewaltlosen Kampf gegen das Regime. Die zwischen 1979 und 1982 aus dem Gefängnis geschriebenen "Briefe an Olga", seine 1996 verstorbene erste Frau, gaben auch den Lesern im Westen einen Einblick in das Unrecht und die Hoffnungslosigkeit dieser Zeit.

Im Wendejahr 1989 wurde Havel zu einem der Repräsentanten des demokratischen Aufbruchs. Die Rufe der Massen auf dem Prager Wenzelsplatz - "Havel in die Burg" - katapultierten ihn 1989 in das Präsidentenamt der neuen demokratischen Tschechoslowakei. Die Prager Burg über der Moldau ist Sitz des Staatsoberhaupts.

Frisch im Amt des Staatspräsidenten wählte Havel als erstes Ziel einer Auslandsreise die beiden deutschen Staaten. Er sprach damit den Beziehungen zum größeren Nachbarn eine Schlüsselrolle für die Zukunft zu.

Havel war bis 1993 Präsident der damaligen Tschechoslowakei, anschließend bis 2003 Staatsoberhaupt der neu gegründeten Tschechischen Republik. Bis zu seinem Ausscheiden aus dem Amt betrieb er erfolgreich die Anbindung Tschechiens an Nato und EU.

Vor und nach seiner Zeit als Präsident war Havel auch ein erfolgreicher Theaterautor. Mit der Verfilmung seines Dramas "Abgang" (Odchazeni) debütierte er zuletzt als Regisseur. Damit erfüllte sich der Neffe eines Filmstudio-Pioniers einen langgehegten Traum. Die Prager Premiere Ende März war der letzten öffentlichen Auftritte Havels.

"Den Namen Havel kennt die ganze Welt"

"Den Namen Havel kennt die ganze Welt", würdigte die tschechische Nachrichtenagentur CTK den Verstorbenen. "Der berühmte Denker und Kämpfer für Menschenrechte hat immer Emotionen geweckt." Seine Leistungen als Politiker blieben im eigenen Land nicht ohne Kritik. "Während er international vor allem bewundert wurde, gingen die Meinungen über sein Wirken auf der politischen Bühne des Inlandes immer auseinander", schrieb CTK.

Eine Minderheit in Tschechien bemängelt, dass Havel die negativen Folgen der Privatisierung der 1990er Jahre wie zum Beispiel die grassierende Korruption nicht entschieden genug bekämpft hätte.


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