Eine halbe Million lebt in Armut
Noch nie gab es so viele Österreicher, die in Armut leben müssen. 511.000 konnten sich im Vorjahr nicht einmal das Notwendigste leisten, insgesamt lebt eine Million an der Grenze zur Armut.

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Als armutsgefährdet gilt laut den Daten der EU jemand, der als Einzelperson im Monat nicht mehr als 1031 Euro zur Verfügung hat. So viel zur Theorie, in Wirklichkeit haben jene, die in Österreich als arm gelten, im Schnitt nur 854 Euro zum Leben übrig, Miete inklusive.
Die Zahl der Armen erreichte im Vorjahr einen neuen Höchststand. Gemäß den Erhebungen der Statistik Austria zählt jeder achte Einwohner zur armutsgefährdeten Gruppe. Rasant ist der Zuwachs. 2005 waren es 344.000 Personen, 2009 schon 488.000 und im Vorjahr mit 511.000 noch deutlich mehr. Seit 2005 stieg also die Zahl der Armen um 48 Prozent an. Sie leben weit unter dem normalen Standard.
Aber was sind die Gründe für die Armut? Laut Christof Lösch, Leiter der steirischen Schuldnerberatung, hat dies meist mit plötzlichen Einkommensverlusten zu tun (siehe Bericht links). Eine steigende Tendenz zeigt sich bei den Anträgen zur Mindestsicherung, die vom Betrag her weit unter den Maßstäben der EU liegt. In der Steiermark erhält eine alleinstehende Person 753 Euro zwölf Mal im Jahr, Ehepartner oder Lebensgefährten 565 Euro. Bis zum vierten Kind werden 143 Euro (14 Mal) gezahlt. "Armut und Schulden", sagt Lösch, "sind zwei Paar Schuhe, aber Schulden führen oft in die Armut."
Wertewechsel
Geht es um die Frage eines "guten Lebens", sind die Österreicher in den letzten vier Jahren bescheidener geworden. Bei Themen wie Gesundheit, glückliche Ehe, gute Freunde oder allgemein die Liebe wurden die Erwartungen heruntergeschraubt. Zentrale Fragen sind hingegen Geld oder eine schöne Wohnung, ergab eine Spectra-Umfrage. Weniger Ansprüche stellt man auch an gutes Essen, einen interessanten Beruf und Hobbys.













