Deutscher Präsident bedauert Verschweigen von Privatkredit
Ein verschwiegener Privatkredit von 500.000 Euro von einem befreundeten Unternehmer und Urlaub in dessen Residenz in Florida: Der deutsche Bundespräsident gerät mehr und mehr unter Druck. Wulff will jetzt alle Unterlagen zur Einsicht öffentlich machen.

Foto © ReutersChristian Wulff, im Hintergrund seine Frau Bettina
Deutschlands Bundespräsident Christian Wulff hat sich erstmals zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen wegen eines privaten Kredits geäußert. Er bedauere, dass ein falscher Eindruck entstanden sei, erklärte Wulff am Donnerstag schriftlich. Es wäre besser gewesen, den Kredit bekanntzumachen, räumte das Staatsoberhaupt ein. Wulff wies zugleich den Vorwurf eines inhaltlichen Fehlverhaltens zurück. Weil ihm daran gelegen sei, den Vorgang vollständig klarzulegen, werde er alle entsprechenden Unterlagen zu einem privaten Darlehensvertrag mit der Unternehmer-Gattin Edith Geerkens bei einem Rechtsanwalt zur Einsicht für Medien hinterlegen, teilte der Bundespräsident weiter mit.
"Ich bedaure das"
"Die Wahrnehmung öffentlicher Ämter verlangt zu jedem Zeitpunkt ein hohes Maß an Integrität und Verantwortungsbewusstsein", erklärte Wulff. Dieser Anspruch sei ihm Verpflichtung. Wulff betonte, dass er keine geschäftlichen Beziehungen zu dem Unternehmer Egon Geerkens unterhalten und deshalb den niedersächsischen Landtag 2010 richtig informiert habe. Er habe keine Veranlassung gesehen, den privaten Darlehensvertrag mit Frau Geerkens zu erwähnen. "Ich erkenne an, dass hier ein falscher Eindruck entstehen konnte. Ich bedauere das." Es wäre besser gewesen, wenn er auf die Anfrage auch den privaten Vertrag erwähnt hätte, betont Wulff nun. "Denn in der Sache hatte und habe ich nichts zu verbergen."
Weiter heißt es in der Mitteilung: "Ich verstehe das Interesse der Öffentlichkeit und der Medien. ... Auch im Interesse der Trennung von Amt und Person werde ich die Vertragsunterlagen und weitere Papiere bei einem Anwaltsbüro hinterlegen, damit interessierte Medien sie einsehen können." Wulff wurde am 30. Juni 2010 - einige Monate nach der Befragung im Landtag - zum deutschen Bundespräsidenten gewählt. Er trat die Nachfolge Horst Köhlers an, der am 31. Mai 2010 überstürzt zurückgetreten war.
Privatkredit und Urlaub in Florida
Der Wirbel war durch einen Bericht der "Bild"-Zeitung über einen Privatkredit in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident ausgelöst wirden. Wie die Zeitung am Dienstag berichtete, soll er 2010 im Landtag auf die Frage nach einer Geschäftsbeziehung zu einem Unternehmer nicht angegeben haben, dass er und seine Frau Bettina von der Unternehmergattin ein Darlehen über eine halbe Million Euro erhalten hatten. Zuvor soll das Ehepaar Wulff seinen Weihnachtsurlaub 2009 in der Florida-Villa des Unternehmers Egon Geerkens aus Osnabrück verbracht haben. Die Grünen-Landtagsfraktion fragte Wulff der Zeitung zufolge damals, ob er zu diesem geschäftliche Beziehungen unterhalten habe. Daraufhin ließ Wulff im Landtag unter Hinweis auf Geerkens laut "Bild" erklären: "Zwischen Ministerpräsident Wulff und den in der Anfrage genannten Personen und Gesellschaften hat es in den letzten zehn Jahren keine geschäftlichen Beziehungen gegeben." Die Zeitung spricht deshalb vom Verdacht auf Täuschung des Landtags.
Nach "Bild"-Recherchen hatte Wulff mit Geerkens Ehefrau im Oktober 2008 einen privaten Kreditvertrag über 500.000 Euro zu einem Zinssatz von 4 Prozent geschlossen. "Mit dem Geld kauften die Wulffs zum Preis von 415.000 Euro ein Einfamilienhaus und zahlten dafür per Dauerauftrag 1.666 Euro Zinsen im Monat", schrieb das Blatt weiter. Wulff habe den privaten Kredit im Februar 2010 wenige Tage nach der Parlamentsanfrage im Landtag von Hannover durch einen Kredit bei der BW Bank in Stuttgart abgelöst. Eigentlich wäre der Darlehensvertrag mit der Unternehmer-Gattin noch bis November 2013 gelaufen, schrieb die Zeitung.












