Camerons "Nein" sorgt für Krach in der Regierung
Premierminister David Cameron hat nach seinem Nein zur vertraglichen Verankerung von strengeren Haushaltsregeln für die EU-Staaten zwar die Bevölkerung, aber nicht seinen Koalitionspartner Nick Clegg hinter sich.

Foto © ReutersClegg kritisiert im BBC-Interview Camerons Entscheidung
In der britischen Regierungskoalition ist ein Streit über die Ablehnung der EU-Vertragsänderungen entbrannt. Der liberale Stellvertreter von Premierminister David Cameron, Nick Clegg, zeigte sich am Sonntag verärgert über das "Nein" Großbritanniens. Er sei tief enttäuscht darüber, sagte Clegg der BBC.
Er habe Cameron in einem Telefonat gesagt, dass seine Entscheidung schlecht für das Land sei. Die Koalition sieht er jedoch nicht in Gefahr. "Noch schlechter für das Land wäre es, wenn die Koalition auseinanderbricht. Das würde wirtschaftlich eine Katastrophe auslösen in wirtschaftlich ohnehin unsicheren Zeiten."
Auf dem EU-Gipfel einigten sich die EU-Staaten am Freitag darauf, bis März neben dem Vertrag von Lissabon einen neuen Pakt mit strikteren Regeln zum Schuldenabbau und engerer wirtschaftspolitischer Koordination schließen. Der Sparverpflichtung der 17 Euro-Staaten schlossen sich neun der zehn Nicht-Euro-Länder in der EU an - einzig Großbritannien tat dies nicht.
Anschließend wurden Forderungen nach einem Austritt des Landes aus der EU laut. "Ein Großbritannien, das aus der Europäischen Union austritt würde von Washington als irrelevant und von der Welt als Zwerg angesehen. Dabei möchte ich, dass wir aufrecht stehen und in der Welt eine Führungsrolle übernehmen."
Eine Mehrheit der Briten begrüßt indes die Weigerung von Cameron, EU-Vertragsveränderungen zur Beilegung der Schuldenkrise zuzustimmen. In einer Umfrage für die "Mail on Sunday" stellten sich 62 Prozent der Befragten hinter Camerons Entscheidung, nur 19 Prozent lehnten sie ab. 66 Prozent der Befragten sprachen sich dafür aus, in einem Referendum über die künftigen Beziehungen Großbritanniens zur EU abzustimmen.
Ebensoviele wollen, dass London sein Verhältnis zu Brüssel neu verhandelt. 48 Prozent sprachen sich für einen Austritt des Landes aus der Europäischen Union aus, nur 33 Prozent wollten in der EU bleiben. 48 Prozent der befragten Briten glauben, dass die EU an der Krise zerbricht. 65 Prozent erwarten ein Ende des Euro. Nur 19 Prozent der Briten glauben, dass die Gemeinschaftswährung überlebt.













