Springe zu: Inhalt | Hauptnavigation | Seitenleiste | Fußzeile
  • Zur Kärnten-Ausgabe
  • 25. April 2014 05:20 Uhr | Als Startseite
    Neu registrieren
    Statt Haft: Birnbacher stellt Antrag auf Fußfessel Drei Amerikaner in Spital in Kabul getötet Voriger Artikel Aktuelle Artikel: Politik Nächster Artikel Statt Haft: Birnbacher stellt Antrag auf Fußfessel Drei Amerikaner in Spital in Kabul getötet
    Zuletzt aktualisiert: 04.11.2011 um 17:09 UhrKommentare

    G-20 legen Großbanken in Ketten

    Systemrelevante Banken werden von den Staatschefs der G-20-Länder an die kurze Leine genommen. Sie müssen künftig mehr hartes Kernkapital halten, als kleinere Banken. Je größer das Geldinstitut, desto höher der Aufschlag.

    Die Credit Suisse ist einer jener Banken, die künftig strenger überwacht werden

    Foto © APADie Credit Suisse ist einer jener Banken, die künftig strenger überwacht werden

    Die 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G-20) haben sich auf eine Reihe von Maßnahmen zur besseren Kontrolle der Finanzmärkte verständigt. Laut einer gemeinsamen Erklärung soll der Bereich der sogenannten Schattenbanken künftig überwacht werden. Dabei handelt es sich um Institutionen, die - wie einige Hedgefonds - im Prinzip wie Banken handeln, aber nicht wie Banken beaufsichtigt werden.

    Vorerst soll der Finanzstabilitätsrat (FSB) bis Ende 2012 Methoden entwickeln, um diesen Bereich einkreisen zu können. So sollen riskante Spekulationsgeschäfte künftig besser kontrolliert werden können. Generell wollen die G-20 den FSB "reformieren" und dessen Möglichkeiten und Ressourcen stärken. Der Finanzstabilitätsrat soll dem Entwurf zufolge mit einer "rechtlichen und einer größeren finanziellen Unabhängigkeit" ausgestattet werden.

    Die G-20 beschlossen zusätzliche Kapitalanforderungen für die 29 sogenannten G-SIFIs (global systemically important financial institutions), die von 2016 an erfüllt werden müssen. Als erste Hausaufgabe stellten die G20 den Instituten aber, bis Ende 2012 einen Plan aufzustellen, wie sie in einer existenzbedrohenden Krise ohne Schaden für das gesamte Finanzsystem wieder auf die Beine kommen oder abgewickelt werden können - also quasi ein "Testament" machen.

    WER GEHÖRT ZU DEN G-SIFIS?

    Aus Deutschland steht neben der Deutschen Bank auch die Commerzbank auf dieser vorläufigen Liste, aus der Schweiz die beiden Großbanken UBS und Credit Suisse. Rein österreichische Banken sind keine dabei.

    Europa: Banque Populaire CdE, BNP Paribas, Credit Agricole, Societe Generale (alle Frankreich), Barclays, HSBC, Lloyds, Royal Bank of Scotland (alle Großbritannien), Commerzbank, Deutsche Bank (beide Deutschland), Credit Suisse, UBS (beide Schweiz), Dexia (Belgien), ING Bank (Niederlande), Nordea (Schweden), Santander (Spanien), Unicredit (Italien).

    USA: Bank of America, Bank of New York Mellon, Citigroup, Goldman Sachs, JP Morgan Chase, Morgan Stanley, State Street, Wells Fargo.

    Asien: Bank of China (China), Mitsubishi UFJ, Mizuho, Sumitomo Mitsui (alle Japan).

    WARUM GIBT ES SONDERREGELUNGEN FÜR SIFIS?

    Nach Basel III müssen alle Banken künftig mehr als drei Mal so viel hartes Eigenkapital vorhalten wie bisher. Das ist den Aufsehern aber noch nicht genug. Sie sehen in sehr großen und weltweit vernetzten Geldhäusern ein besonderes Risiko, das unter Kontrolle gehalten werden soll. Paradebeispiel ist die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers vor drei Jahren - damals erreichte nicht nur die Finanzkrise ihren Höhepunkt, weil quasi als Dominoeffekt immer mehr Banken in Schieflage gerieten. Auch die Weltwirtschaft glitt in die Rezession ab. Wäre das vorhersehbar gewesen, hätte die US-Regierung Lehman wohl nicht fallengelassen, sagen Experten heute.

    WAS MACHT EINEN SIFI ZUM SIFI?

    Banken sollen nie mehr "too big to fail" sein - so groß, dass sie sich darauf verlassen können, in einer Existenzkrise vom Staat gerettet zu werden, weil sonst das ganze Finanzsystem ins Wanken geraten würde. Denn in diesem Bewusstsein könnten sie bedenkenlos Risiken aufnehmen. Als Kriterien für "G-SIFIs" haben die Aufseher Größe, Vernetzung, Mangel an Ersetzbarkeit, Internationalität und Komplexität festgelegt und diese nach einem Punktesystem bewertet. Doch in der Realität ist das schwer fassbar. Andererseits: Regulierer sind sich auch ohne Rangliste sicher, wer dazu gehört.

    Bis die Kapitalregeln in Kraft treten, kann sich daran noch einiges ändern. Banken können schrumpfen oder wachsen. Erst in drei Jahren wird es ernst. Doch auch danach ist die Liste nicht in Stein gemeißelt. Die Aufseher wollen sie einmal im Jahr überprüfen und veröffentlichen und damit Anreize schaffen, dass Banken weniger riskant werden. Übrigens: Hätte es die Regeln schon 2008 gegeben, Lehman hätte nicht auf der Liste gestanden.

    WAS ERWARTET DIE SIFIS?

    Zunächst müssen sie nur ihr "Testament" aufsetzen. Ab 2016 wird zudem ein SIFI-Zuschlag auf das Eigenkapital verlangt - in verschiedenen Abstufungen: Je nach Geschäftsmodell müssen die SIFIs 1,0 bis 2,5 Prozentpunkte mehr Eigenkapital vorhalten als andere Häuser. Wer in der höchsten Kategorie landet, käme am Ende - zusammen mit der Mindestquote nach Basel III - auf 9,5 Prozent hartes Kernkapital. Um das Polster aufzubauen, haben sie bis Anfang 2019 Zeit. Bläht sich eine Bank noch stärker auf, drohen die Regulierer sogar mit einem Aufschlag von 3,5 Prozent.

    Am stärksten dürften mit dem Sifi-Zuschlag Universalbanken belastet werden, die ein großes Einlagengeschäft haben und zugleich Investmentbanking betreiben. Die Deutsche Bank würde dazu zählen. Sie rechnet auch damit, in die höchste Kategorie eingestuft zu werden, die Commerzbank dagegen dürfte nur in der untersten Kategorie landen. Reine Investmentbanken wie Goldman Sachs und Morgan Stanley dürften ebenfalls mit einem kleineren Sifi-Aufschlag davonkommen. Von ihrer Pleite wären - wenigstens direkt - keine Kleinsparer betroffen.

    ÜBERWIEGEN FÜR SIFIS DIE VOR- ODER NACHTEILE?

    Höhere Eigenkapitalquoten verteuern das Geschäft für Banken - ein klarer Nachteil. Andererseits dürften SIFIs wegen ihrer Kapitalkraft das größte Vertrauen der Investoren genießen. Das könnte die Refinanzierung für sie billiger machen und ihnen im Einlagengeschäft helfen, wenn die Kunden ihr Geld lieber zu ihnen tragen. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann ist sich sogar sicher, dass sich deshalb auch Nicht-SIFIs ein dickeres Kapitalpolster zulegen werden, um keine Wettbewerbsnachteile zu erleiden.

    Doch geschützt werden sollen letztlich nur die Sparer - für die Banken selbst soll ein Mechanismus geschaffen werden, wie sie schadlos abgewickelt werden können. Doch daran haben sich Regulierer und Politiker bisher die Zähne ausgebissen.


    Mehr Politik

    Mehr aus dem Web

      KLEINE.tv

      Ukraine: Tote nach Militäraktion

      Die Lage in der Ostukraine droht zu eskalieren. Bei dem Einsatz der ukra...Noch nicht bewertet

       

      Politik im Bild

      Verhandlungen zur Ukraine in Genf 

      Verhandlungen zur Ukraine in Genf

       

      100 Jahre Erster Weltkrieg

      100 Jahre 1. Weltkrieg

      Kriegsgegner, Frontlinien und die wichtigsten Kriegsschauplätze. Die Fakten auf einen Blick.

       


      Steirische Strukturreform

      APA

      Die Landesspitze baut die Gemeindestruktur massiv um. Im Jahr 2015 soll es von den derzeit 539 nur mehr 285 Gemeinden geben.

      Griechenland in der Krise



      Seitenübersicht

      Zum Seitenanfang