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Zuletzt aktualisiert: 02.11.2011 um 16:17 UhrKommentare

50 Jahre deutsch-türkisches Anwerbeabkommen - Festakt in Berlin

Bei einem Festakt zum 50. Jahrestag des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens haben die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan die enge Verbundenheit zwischen Deutschland und der Türkei hervorgehoben.

Angela Merkel und Recep Tayyip Erdogan

Foto © APAAngela Merkel und Recep Tayyip Erdogan

Die Migranten aus der Türkei hätten Deutschland maßgeblich mit geprägt und dabei bereichert, sagte Merkel am Mittwoch in Berlin bei dem Festakt. Dafür bedanke sie sich bei denen, die nach Deutschland gekommen sind. Erdogan sagte: "Wir gehören zusammen." Er wertete die gemeinsame Migrationsgeschichte auch als ein Resultat der seit vielen Jahrzehnten bestehenden "freundschaftlichen Bande zwischen beiden Ländern".

Erdogan forderte in seiner Ansprache erneut deutsche Unterstützung für den türkischen Wunsch nach Mitgliedschaft in der Europäischen Union ein. "Wir erhoffen uns, dass es Deutschland sein sollte, das die Mitgliedschaft der Türkei in der EU am meisten vertritt", sagte er an Merkel gewandt. Auch erwarte er deutsche Solidarität im Kampf gegen den Terrorismus, fügte Erdogan mit Blick auf die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) hinzu.

Merkel ging danach in ihrer Rede nicht auf den türkischen Wunsch bezüglich der EU-Mitgliedschaft ein. Die deutsche Kanzlerin strebt anstelle einer Vollmitgliedschaft der Türkei in der Europäischen Union eine sogenannte privilegierte Partnerschaft an. Sie sagte dagegen Erdogan Unterstützung bei der Terror-Bekämpfung zu: "Wir stehen fest an Ihrer Seite, wenn es um den Kampf gegen den Terrorismus geht, auch den Kampf gegen die PKK."

Erdogan lehnte die Assimilation der aus der Türkei eingewanderten Menschen in Deutschland scharf ab. "Ich weiß vom Herzen, dass in Deutschland Antisemitismus verurteilt wird, dass es genauso ein Vergehen gegen die Menschheit ist wie Assimilation", erklärte er laut der Übersetzung seiner Rede. Anders sei es bei der Integration, die er unterstütze. Er danke deswegen den deutschen Behörden für die Bemühungen um die Eingliederung der aus der Türkei stammenden Menschen.

Zur Debatte über die Integration türkischstämmiger Migranten sagte er: "Wir wollen, dass alle Türken in Deutschland Deutsch lernen." Seine umstrittene frühere Forderung, an erster Stelle müsse der Erwerb der türkischen Sprache stehen, wiederholte der Ministerpräsident nicht. Er stellte aber klar, Integration dürfe nicht einseitig sein. Es sei wichtig, dass "auch die Gesellschaft, die aufnimmt, dafür Angebote macht". Er unterstütze es, wenn Migranten, die deutsche Staatsbürgerschaft erwerben. Zugleich lade er "alle deutschen Staatsbürger ein, die türkische Staatsbürgerschaft zu erwerben".

Erdogan beschwor eine deutsch-türkische Schicksalsgemeinschaft, die älter als das Anwerbeabkommen sei und verwies unter anderem auf das Bündnis zwischen dem Deutschen und dem Osmanischen Reich während des Ersten Weltkriegs. In der Gegenwart seien die Türken besonders stolz auf prominente deutsche Filmemacher, Künstler oder Fußballer, die eine türkischen Hintergrund hätten. Um die gemeinsamen Bande zu unterstreichen, sagte der Ministerpräsident auf Deutsch: "Wir sind zusammen."

Merkel betonte wie zuvor Erdogan die großen wirtschaftlichen Leistungen der türkischstämmigen Gemeinde, schränkte aber ein, dass es noch Probleme gebe, wie beispielsweise bei der Kriminalität und bezüglich Bildungsdefiziten bei Jugendlichen aus Zuwanderer-Familien. Die Kinder müssten bereits im Elternhaus erfahren, dass Lernen und Schule einen hohen Stellenwert hätten. "Die deutsche Sprache zu lernen und zu beherrschen ist für eine gelungene Integration zwingend", erklärte die CDU-Chefin.

Die Frage der Integration sei angesichts eines Bevölkerungsanteils mit Migrationshintergrund von 20 Prozent entscheidend für die Zukunft Deutschlands, sagte Merkel. An die Alteingesessenen gewandt sagte sie: "Wir müssen endlich verstehen, das Vielfalt auch Bereicherung bedeutet." Basis des Zusammenlebens sei das Grundgesetz. Vor dem Hintergrund, dass Erdogan sich wiederholt zum Anwalt der Menschen aus der Türkei gemacht hatte, sagte die Kanzlerin: "Alle, die über viele Generationen schon hier bei uns leben (...) sollen wissen, ich bin auch ihre Bundeskanzlerin, die Bundesregierung ist auch ihre Bundesregierung."

Merkel sagte, die Integration der hier lebenden Migranten sei "eine Schlüsselaufgabe" für Deutschland. Sie hob hervor: "Zusammenleben ist immer ein Geben und Nehmen", Integration insofern "immer eine Gemeinschaftsleistung". Dabei sei es zwingend für diejenigen, die nach Deutschland gekommen sind, "die deutsche Sprache zu lernen und zu beherrschen". Dies sei "der Schlüssel für eine gute Ausbildung und für gesellschaftliche Teilhabe". Die Kanzlerin verwies auf zahlreiche Beispiele gelungener Integration, darunter den Fußballer Mesut Özil oder die niedersächsische Landesministerin Aygül Özkan.

Mit dem Abkommen aus dem Jahr 1961 hatte offiziell die Anwerbung türkischer Arbeitskräfte für Unternehmen in der jungen Bundesrepublik begonnen. Das Anwerbeabkommen war am 30. Oktober 1961 geschlossen worden, um dringend benötigte Arbeitskräfte nach Deutschland zu holen. Viele der damaligen Gastarbeiter ließen ihre Familien nachziehen. Heute leben mehr als drei Millionen Menschen türkischer Abstammung in Deutschland.


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