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Zuletzt aktualisiert: 26.10.2011 um 14:38 UhrKommentare

Berufsheer vs. Wehrpflicht

Beim Festakt zum Nationalfeiertag am Heldenplatz war auch die Wehrpflicht-Debatte überaus präsent - Österreichs Verteidigungsminister Darabos bewarb ein Profi-Heer, Bundespräsident Fischer hingegen die allgemeine Wehrpflicht.

Darabos und Fischer schreiten die Ehrengarde ab

Foto © ORF / Rede zum NationalfeiertagDarabos und Fischer schreiten die Ehrengarde ab

Der heurige Nationalfeiertag hat wetterbedingt weit weniger Schaulustige angezogen als in den Jahren davor. Die politischen Botschaften blieben aber die selben wie immer: Ein allgemeines Bekenntnis zur Neutralität gewürzt mit schönen Worten für Land, Leute und Soldaten. Bundespräsident Heinz Fischer stellte seine Ansprache ins Zeichen der Krise.

Wehrpflicht

Die Erwähnung der Wehrpflicht durch Bundespräsident wurde im Publikum mit Applaus goutiert. Verteidigungsminister Darabos verwies hingegen einmal mehr auf die politischen Veränderungen in der Welt. Das Bundesheer müsse auf neue Herausforderungen vorbereitet werden - ein Plädoyer für ein "Profi-Heer".

Das offizielle Österreich beging den 26. Oktober wie gewohnt zunächst mit einer Kranzniederlegung in der Krypta im Burgtor. Danach folgten ein Sonderministerrat mit Ansprachen durch Bundespräsident, Kanzler, Verteidigungsminister und Bürgermeister sowie eine Angelobung von Rekruten. Ab Mittag öffneten Hofburg, Parlament und diverse Regierungsgebäude ihre Pforten zu einem Tag der offenen Tür. Am Heldenplatz wurden laut dem Wiener Militärkommando seit der Landung der Hubschrauber vergangenen Donnerstag bis Mittwochabend rund 650.000 Besucher erwartet und damit um 100.000 weniger als im Vorjahr.

Das verregnete Wetter machte sich schon von Beginn an bemerkbar. Der Andrang bei der Angelobung der rund 1.400 Rekruten am Heldenplatz war geringer als in früheren Jahren. Die Ansprachen drehten sich hingegen wie schon im Jahr davor zum Teil um die Wehrpflicht. Während Verteidigungsminister Norbert Darabos (S) für eine Umstellung auf ein Berufsheer warb, verwies Bundespräsident Fischer auf die "zentrale Rolle der verfassungsmäßig verankerten Wehrpflicht" für das Bundesheer.

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ), der nebenbei seine 2.0-Offensive mit Auftritten auf Facebook, Twitter und Youtube startete, stellte ins Zentrum seiner Ansprache den gesellschaftspolitischen Zusammenhalt. Österreich sei Vorbild darin, bei Konflikten das Gemeinsame vor das Trennende zu stellen. Die Soldaten des Bundesheeres lobte er dafür, dass sie immer zur Stelle seien, wenn "Menschen, Tiere und Gebäude" in Gefahr seien. Allen Rednern gemeinsam war die Bekenntnis zur Neutralität.

Oppositionsparteien

Zu Wort meldeten sich auch die Oppositionsparteien: Österreich müsse sich gegen Zentralismus-Bestrebungen in der EU zur Wehr setzen, verkündet FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache. In die gleiche Kerbe schlug auch BZÖ-Chef Josef Bucher. Es sei bezeichnend, dass genau am Nationalfeiertag Österreichs Zukunft am EU-Gipfel von Bundeskanzler Faymann "verraten und verkauft" werde.

Auf eine grundlegende Reform des Bildungssystems legen die Grünen den Fokus bei ihrer Botschaft zum 26. Oktober. Wer bessere Bildung nicht zulasse, enthalte seiner Bevölkerung und damit der Demokratie das Wichtigste vor, beklagte Bundessprecherin Eva Glawischnig, die heute gemeinsam mit Prominenten wie Karl-Heinz Hackl und Alfons Haider vor dem Parlament für das Bildungsvolksbegehren warb.


Wissenswert

Der österreichische Nationalfeiertag wird seit dem Jahr 1965 jährlich am 26. Oktober begangen. Im Jahr 1967 wurde dieser Tag den übrigen gesetzlichen Feiertagen in Österreich gleichgestellt und ist seither arbeitsfrei. Der 26. Oktober 1955 war der erste Tag, an dem keine fremden Truppen mehr auf österreichischem Hoheitsgebiet stehen durften.

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