Schilcher: "Schule muss die Kreativität fördern"
Bildungsexperte Bernd Schilcher appelliert an die Kärntner, das Bildungsvolksbegehren zu unterschreiben. "Wir haben ein Schulsystem, das in einem extremen Ausmaß die Mittelmäßigkeit schafft."

Foto © EggenbergerBernd Schilder ist als Bildungsexperte Mitinitiator des Bildungsvolksbegehrens, das vom 3. bis 10. 11. läuft
Warum soll ein Kärntner das Bildungsvolksbegehren unterstützen?
BERND SCHILCHER: Weil er wie jeder Österreicher nicht hinten bleiben will. Wir haben ein Schulsystem, das in einem extremen Ausmaß die Mittelmäßigkeit schafft: Es werden weder Begabungen gefördert, noch Schwächen ausgeputzt. Und wir haben ein Schulsystem, das die Kreativität behindert und nicht fördert. Dabei ist die Kreativität wichtig, dieses selbstständige, eigenverantwortliche Arbeiten lernen, Einfälle haben und die Lust, sie umzusetzen, teamfähig zu sein. Schule muss wieder Spaß machen.
Also großer Nachholbedarf im österreichischen Schulsystem?
SCHILCHER: Der ist gewaltig. Im Gesetz steht immer noch: Erste Aufgabe des Lehrers ist es, den Stoff nach den Anforderungen der Wissenschaft zu vermitteln. - Wie vor 100 Jahren. Wo die Interessen der Abnehmer liegen, ist dabei völlig egal.
Wer soll das Volksbegehren unterschreiben?
SCHILCHER: Jeder, der direkt oder indirekt betroffen ist. Und indirekt betroffen ist jeder, wenn's um Enkerln oder Urenkerln geht. Wichtig ist es, sich einzumischen. Wenn sich die Politiker vor den Bürgern fürchten, dann sind sie reif.
Ist Kärnten als Bildungsland anders als andere Bundesländer?
SCHILCHER: Kärnten hat ein paar Herausforderungen weniger: Es gibt viel weniger Migranten. Und es gibt die unmittelbaren Nachbarschaften zu Deutschland und zur Schweiz nicht, wo so etwas wie Konkurrenz besteht. Die Deutschen wurden bei PISA-Tests in den letzten Jahren ungleich besser, die Schweizer sind sehr viel besser.
Die FPK-Landesspitze bietet Bildungsministerin Claudia Schmied Kärnten immer wieder an, Bildungs-Pilotland werden zu wollen. Wie finden Sie das?
SCHILCHER: 2007 zeigte sich Jörg Haider in einem Gespräch mit mir in Bildungsfragen erstaunlich fortschrittlich. Dass jetzt Landeshauptmann Gerhard Dörfler mit zu den Unterstützern des Bildungsvolksbegehrens zählt, finde ich sehr positiv.
Was heißt Bildung für Sie?
SCHILCHER: Dazu gibt es zwei Bilder: Das eine ist der Töpfer, der formt und alles vorgibt. Das andere ist der Gärtner, der achtet, dass die Bedingungen stimmen, dass gedüngt ist; aber machen müssen's die Kinder selbst. Ich bin immer näher beim Gärtner, der viel mehr Freiheit lässt und damit die Kreativität fördert.
Sie kritisieren, dass nach Neuer Mittelschule und Lehre mit Matura dem Bildungssystem der große Wurf fehlt. Was fehlt konkret?
SCHILCHER: Wir brauchen qualitätvolle, liebevolle Kleinstkinderbetreuungseinrichtungen. Wir brauchen eine gemeinsame Ganztagsschule: Kinder aus bildungsnahen und -fernen Schichten müssen miteinander können, sonst gibt es einmal große soziale Probleme. In Südtirol gibt es seit 1950 eine gemeinsame Ganztagsschule. Seit 1977 gibt es dort keine einzige Sonderschule mehr. Und wir brauchen in Österreich eine gemeinsame Ausbildung aller Lehrer auf Universitätsniveau.












