"Wir erleben die Geburt eines neuen Tunesiens"
Neun Monate nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Zine el-Abidine Ben Ali haben in Tunesien am Sonntag die Wahlen zur Verfassunggebenden Versammlung begonnen. Mehr als 11.000 Kandidaten auf rund 1500 Listen bewerben sich um die 217 Mandate.

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Bei den ersten freien Wahlen in der Geschichte Tunesiens hat sich eine hohe Beteiligung abgezeichnet. Bereits drei Stunden vor Wahlschluss hatten rund 70 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimmen abgegeben, teilte der Vorsitzende der Wahlkommission in Tunis mit. Schon zu Mittag hatte Kamel Jendoubi gesagt, dass der Ansturm auf die Wahllokale "alle Erwartungen" übertreffe.
Allerdings gab es auch "Unregelmäßigkeiten" beim Urnengang im Ursprungsland des Arabischen Frühlings. "Einige Parteien" hätten während der Abstimmung den Wahlkampf fortgesetzt und damit die Vorschriften verletzt, so Jendoubi. Unter anderem sollen Analphabeten beeinflusst worden sein. Nach Angaben von EU-Beobachtern verlief der Urnengang transparent und friedlich.
Neun Monate nach dem Sturz von Langzeitherrscher Zine el-Abidine Ben Ali waren rund sieben Millionen Tunesier aufgerufen, die 217 Mitglieder einer verfassungsgebenden Versammlung zu bestimmen. Ein vorläufiges Endergebnis wird für heute erwartet.
"Tunesien überreicht der ganzen Welt einen Blumenstrauß aus Freiheit und Würde", sagte der 62-jährige Houcine Khlifi, bevor er als erster Wähler in seinem Stimmlokal im Zentrum von Tunis seine Stimme abgab. "Wir erleben die Geburt eines neuen Tunesiens", sagte Ahmed Zaafouri in Sidi Bouzid, von wo die Proteste gegen Ben Ali ihren Ausgang genommen hatten.
Für Interims-Regierungschef Beji Caid Essebsi sei es ein "einzigartiger Tag in der Geschichte" und er sei "von nun an ein Ex-Premierminister", sagte Essebsi. Er hatte zuvor angekündigt, abzutreten, sobald die neu gewählte Nationalversammlung einen Interims-Präsidenten ernannt hat.













