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Zuletzt aktualisiert: 13.10.2011 um 12:09 UhrKommentare

Koloini-Prozess: Hypo-Vorstand vertraute Jörg Haider

Da der Hypo-Vorstand Landeshauptmann Jörg Haider vertraute, finanzierte er ohne jedwede Sicherheiten das Formel 1-Engagement von Patrick Friesacher vor.

Franz Koloini

Foto © APA/HochmuthFranz Koloini

Die gewagte Konstruktion, mit der die Hypo Alpe Adria das Formel 1-Engagement des Kärntner Rennfahrers Patrick Friesacher vorfinanziert hatte, ist am zweiten Tag im Geldwäsche-Prozess gegen den früheren Protokollchef des Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider, Franz Koloini, im Mittelpunkt des Interesses gestanden. Ex-Hypo-Vorstand Gerd Xander räumte im Zeugenstand ein, der Vorgang sei heikel gewesen: "Aber ich habe dem Herrn Landeshauptmann vertraut."

Im März 2005, als Friesacher beim Rennstall Minardi durchstarten sollte, fehlte immer noch ein Großteil der benötigten fünf Millionen US-Dollar, um dem Sportler endgültig das Cockpit im Nachzügler-Team der Formel 1 zu sichern. Da trat Haider auf den Plan, der Friesacher als Werbeträger für Kärnten in der Königsklasse des Motorsports sehen wollte: Er schickte seinen Protokollchef Koloini sowie seinen persönlichen Sekretär Robert Seppele zur Hypo Alpe Adria und ließ folgende Lösung ausarbeiten: Zunächst wurde auf den Namen Patrick Friesacher, der von den gesamten Vorgängen keine Ahnung hatte, ein Konto eröffnet. Von diesem Konto überwies die Bank dem Minardi-Team sodann zwei Millionen US-Dollar, obwohl das Konto einen Einlagenstand von Null hatte, keinerlei Sicherheiten vorhanden waren und Friesacher naturgemäß den Kontoeröffnungs-Antrag nicht unterschrieben hatte.

"Es war dringender Handlungsbedarf gegeben. Man hat uns gebeten, die zwei Millionen US-Dollar vorzufinanzieren. Der Zeitdruck war enorm", rechtfertigte der ehemalige Hypo-Vorstand Gerd Xander diese Vorgangswiese.

Xander vertraute Jörg Haider

Ursprünglich wäre eine Patronatserklärung des Landes Kärnten im Raum gestanden, was eine Haftungsübernahme des Landes zur Folge gehabt hätte. Doch letztlich kam eine solche nicht zustande, nachdem Xander mehrfach mit Haider in dieser Angelegenheit gesprochen hatte. "Der Herr Landeshauptmann hat gesagt 'Vertrau mir, verlass dich auf mich, ich werde das schon in Ordnung bringen, ich werde Sponsoren finden!' Ich habe dem Herrn Landeshauptmann vertraut. Es war eine mehrfache Zusicherung mir und meinen Mitarbeitern gegenüber da", gab Xander zu Protokoll.

"Sie haben nicht mehr gehabt als das Wort des Herrn Landeshauptmann", brachte es Richterin Gerda Krausam auf den Punkt. "Da gebe Ich Ihnen schon recht", replizierte der Zeuge, "aber wir waren permanent dabei, diese Forderung einzutreiben." Xander räumte ein, es wäre "natürlich sehr unangenehm gewesen, wenn dieses Obligo nicht abgedeckt worden wäre". Die Bank sei jedoch in einer schwierigen Lage gewesen, da das Land Kärnten der größte Kunde der Hypo Österreich-Tochter war und Haider selbst dort als Aufsichtsratskommissär fungierte: "Das war eine außergewöhnliche Situation. Das ist bei uns im Vorstand offen und transparent diskutiert worden."

Er habe sich bemüht, Haider Druck zu machen, indem er wiederholt auf die Kreditrückzahlung drängte. Namen der vom Landeshauptmann avisierten Sponsoren habe er nicht gekannt, sagte Xander. Er habe Haider als Kreditnehmer betrachtet, "weil wir ja keine Unterschrift von Friesacher hatten". Auf Vorhalt, weshalb er dieses Vertragsverhältnis dann nicht schriftlich fixiert habe, erwiderte der Ex-Hypo-Vorstand: "Es gibt genügend Kreditverträge, die nicht verschriftlicht werden."

Xander musste zugeben, dass Haider die offenen zwei Millionen offenbar keine schlaflosen Nächte bereiteten: "Er hat nicht den Eindruck gemacht, als ob er unter Druck stünde. Er hat immer eine gewisse Gelassenheit gehabt."

Rückzahlungen

Die erste Million bekam die Hypo Alpe Adria erst im Juli 2005 zurück, als zwei russische Geschäftsmänner, denen Haider dafür die österreichische Staatsbürgerschaft versprochen haben soll, eine Million US-Dollar überwiesen. Auf die zweite Tranche musste die Bank gar bis 31. Jänner 2007 warten, als die Russen, die im Oktober 2005 die Staatsbürgerschaft beantragt, aber erst am 11. Jänner 2007 nach Interventionen Haiders bei der damaligen Bundesregierung einen die Verleihung der Staatsbürgerschaft befürwortenden Ministerratsbeschluss erhalten hatten, weitere 900.000 Euro nachschossen.

Den Überhang von 197.032,8 Euro ließ sich Koloini nur wenige Tage nach Eingang der 900.000 Euro ausbezahlen, indem er - seiner Darstellung zufolge auf Geheiß Haiders - das Konto auflöste, das Geld auf ein bei seiner Hausbank errichtetes Konto transferierte, von dort behob, Haider 30.000 Euro in bar übergab und das restliche Geld auf zwei Sparbüchern veranlagte. Für die Staatsanwaltschaft wurde damit der Tatbestand der Geldwäsche erfüllt.

Quelle: APA

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