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Zuletzt aktualisiert: 30.09.2011 um 20:19 UhrKommentare

Für Machos wird es langsam eng

Wer Frauen unterschätzt, hat schon verloren. Angela Merkel ist das beste Beispiel. Jetzt hat auch Brasiliens Präsidentin vor der UNO das "Jahrhundert der Frauen" ausgerufen. Wir wollen es ihr gerne glauben.

Camila Vallejo mit Demonstranten

Foto © APCamila Vallejo mit Demonstranten

Die Gegner wollten Angela Merkel in ihren Anfängen als "Kohls Mädchen" abtun und in die Ecke stellen. Heute gehört Deutschlands knallharte Kanzlerin zu den mächtigsten Menschen der Welt, und die Machos stehen in der Ecke.

In Chile, wo seit Monaten heftige Studentenproteste toben, wollten die Machthaber um Präsident Sebastian Pinera die Anführerin der Demonstranten, Camila Vallejo, anfangs nicht einmal anhören.

Doch die 23-jährige Geografiestudentin ließ sich nicht irritieren und rief im Internet beharrlich dazu auf, gegen Chiles teures Bildungssystem zu protestieren, das noch aus der Zeit von Pinochets Militärdiktatur stammt.

Das System benachteilige Kinder aus ärmeren Bevölkerungsschichten, argumentierte sie, und treibe Studenten und ihre Familien in den Ruin. Sie könne nicht verstehen, warum man in ihrer Heimat Bildung "kaufen" müsste.

Ikone des Protests

Anfangs marschierten nur ein paar Hundert Demonstranten um den Präsidentenpalast, mittlerweile gehen Massen auf die Straße. Zu den jungen Menschen haben sich längst Dozenten und Professoren gesellt, aber auch Bauern und Arbeiter. Camila Vallejo wurde zur Ikone des Protests und zum Symbol einer jungen (Frauen-)Generation, die sich nicht in die Ecke drängen lässt.

Längst unterstützt die Mehrheit der chilenischen Bevölkerung die Forderung nach leistbarer Bildung. Und auf einmal ist Präsident Pinera der Bittsteller, der mit Camila Vallejo, dem Gesicht der Revolution, das Gespräch suchen muss, wenn er wieder so etwas wie sozialen Frieden schaffen will.

Als "hübsches Ding" wird Camila nicht mehr abgetan, schließlich weiß sie auch zu kontern: "Ich habe mir mein Aussehen nicht ausgesucht, aber sehr wohl mein politisches Projekt." Die Gegner nennen sie mittlerweile "Flintenweib", oder auch "Schlampe". Das gebräuchliche Vokabular der Machos eben, wenn diese irritiert feststellen, dass Frauen im Spiel um die Macht mitmischen - bei einem Spiel, das jahrhundertelang den Männern vorbehalten war.

Macht im Spiel

Die Frauen haben die Spielregeln nicht gemacht, aber wenn sie sie beherrschen und vielleicht auch noch das Trumpf-Ass in der Hand haben, sind Männer nicht immer gute Verlierer: Sie kanzeln gerne ab.

Doch die Zeiten ändern sich, und die Zeichen stehen auf "Jahrhundert der Frauen". So zumindest hat es Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff formuliert, als sie kürzlich als erste Frau der Welt die UN-Vollversammlung in New York eröffnen durfte. Rousseff sagte aber auch, dass Frauen am meisten unter Armut, Krankheiten und Kriegen leiden würden, wie UN-Daten belegen. "Ich will diese Feminisierung der Armut nicht hinnehmen", erklärte sie. Ein sicheres Mittel dagegen sei die Beteiligung der Frauen. In Brasilien würden die Frauen 52 Prozent der Wähler stellen, aber nur zehn Prozent der Politiker: "Das werde ich ändern", versprach die Präsidentin.

Clinton hilft

Unterstützt wird sie dabei von Hillary Clinton. "Das 19. Jahrhundert war geprägt vom Ende der Sklaverei, und das 20. vom Kampf gegen den Totalitarismus", sagte Amerikas Außenministerin, "wenn wir im 21. Jahrhundert eine friedliche, wachsende Welt wollen, müssen die Frauen beteiligt werden." Einige dürfen schon mit den Hebeln der Macht spielen. Ein paar mehr dürfen es schon noch werden.

MANUELA SWOBODA

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