Springe zu: Inhalt | Hauptnavigation | Seitenleiste | Fußzeile
  • Zur Kärnten-Ausgabe
  • 02. Oktober 2014 12:31 Uhr | Als Startseite
    Neu registrieren
    Wirtschaftskrise senkt Geburtenrate in Italien Secret-Service-Chefin zurückgetreten Voriger Artikel Aktuelle Artikel: Politik Nächster Artikel Wirtschaftskrise senkt Geburtenrate in Italien Secret-Service-Chefin zurückgetreten
    Zuletzt aktualisiert: 22.09.2011 um 21:42 UhrKommentare

    Papstmesse mit 61.000 Gläubigen in Berlin

    61.000 Katholiken sind ins Berliner Olympiastadion gekommen um dort mit Papst Benedikt XVI. eine Messe zu feiern. Von den rund 9.000 Demonstranten, die gegen seinen Besuch protestierten, bekam das Kirchenoberhaupt nichts mit.

    1 / 12 

    Papst Benedikt XVI. hat im Berliner Olympiastadion mit 61.000 begeisterten Anhängern die Heilige Messe gefeiert. Bei einer Fahrt mit dem offenen Papamobil durch das Stadionrund jubelten ihm die Gläubigen am Donnerstag wie einem Popstar zu. Von den Protesten tausender Demonstranten in der Stadt bekam der Papst nichts mit.

    Der Protest fiel im Zentrum der Hauptstadt aber deutlich geringer aus als angekündigt. Die Polizei sprach von 9.000 Demonstranten. Die Veranstalter nannten die Zahl 10.000. Die Papstkritiker hatten allerdings doppelt so viele Menschen erwartet. Das Bündnis von knapp 70 Organisationen, initiiert vom Schwulen- und Lesbenverband, hatte unter dem Motto "Keine Macht den Dogmen" zu dem Protest aufgerufen. Laut Polizei blieb er größtenteils friedlich.

    Missbrauchsopfer der katholischen Kirche haben unterdessen enttäuscht auf die Rede des Papstes im Deutschen Bundestag reagiert und Selbstreflexion vermisst. Der Papst habe über Macht und Recht gesprochen, sei aber auf seine Rolle als Mächtiger nicht eingegangen, kritisierte Matthias Katsch, Sprecher der Organisation "Eckiger Tisch", in dem sich Missbrauchsopfer aus Jesuitenschulen zusammengeschlossen haben.

    Der Papst zitierte im Zuge seines Vortrags auch den österreichischen positivistischen Rechtswissenschaftler Hans Kelsen (1881-1973), den Vater der österreichischen Bundesverfassung von 1920.

    Bei einer Begegnung mit Vertretern der jüdischen Gemeinde sagte der Papst, die Christen müssten sich immer mehr ihrer inneren Verwandtschaft mit dem Judentum klar werden. "Die Kirche empfindet eine große Nähe zum jüdischen Volk". Zentralratspräsident Dieter Graumann äußerte sich nach dem Treffen sehr zufrieden. "Ich glaube, das ist ein Impuls für eine neue Nähe", sagte er in der ARD.

    Bei den Muslimen in Deutschland ist die Rede von Papst Benedikt XVI. im Deutschen Bundestag unterdessen auf ein positives Echo gestoßen. "Ich denke, er wird viel Anklang auch bei den Muslimen finden", sagte Aiman A. Mazyek, der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime in Deutschland, nach der Rede in der ARD.

    61.000 im Stadion

    Nach aktualisierten Angaben des Erzbistums Berlin nahmen indes an dem Gottesdienst im Olympiastadion 61.000 Menschen teil, nicht wie es zuvor geheißen hatte 70.000. Es waren zwar 70.000 Karten ausgegeben worden, aber rund 9.000 Menschen blieben am Donnerstag daheim. Als Ehrengäste waren der deutsche Bundespräsident Christian Wulff, Bundeskanzlerin Angela Merkel und zahlreiche Mitglieder des Kabinetts gekommen.

    Eindringlich rief der Papst die Katholiken auf, trotz Negativschlagzeilen zu ihrer Kirche zu stehen. "Manche bleiben mit ihrem Blick auf die Kirche an ihrer äußeren Gestalt hängen", beklagte der Papst in seiner stark theologisch geprägten Ansprache, die weltweit übertragen wurde. Auf drängende Fragen von deutschen Gläubigen etwa nach den Missbrauchsfällen, dem Zölibat und dem Umgang mit geschiedenen Christen ging er in seiner Predigt nicht ein. In der deutschen Hauptstadt gehört nur noch jeder Zehnte der katholischen Kirche an.

    Überraschend hielt der Papst einen Teil der Liturgie in lateinischer Sprache. In Deutschland ist das heute nur noch in konservativen Kreisen üblich. Der frühere Kardinal Joseph Ratzinger bemüht sich aber seit langem um eine Wiederbelebung des Kirchenlateins.

    Beim ersten Besuch in der Hauptstadt seines Heimatlandes feierte Benedikt XVI. einen Gottesdienst der Superlative. In dem Stadion, das sonst vor allem vom Fußball-Erstligisten Hertha BSC genutzt wird, lagen 80.000 Hostien bereit. 800 Priester und Helfer verteilten sie an die Gläubigen auf den Tribünen. 1.500 Ministranten begleiteten die Feier. Zwei Chöre mit 140 bzw. 620 Mitgliedern sorgten für glanzvolle Kirchenmusik, unterstützt von einem Bläserensemble und einer modernen Band.

    Vor der Messe empfing Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit den Papst im Stadion. Benedikt XVI. trug sich ins Goldene Buch der Stadt ein. Wowereit, der sich offen zu seinem Schwulsein bekennt, hatte schon im Vorfeld deutlich gemacht, dass er das Thema bei dem kurzen Treffen nicht ansprechen will.

    Hohe Sicherheitsstandards

    Die Berliner Innenstadt glich einer Hochsicherheitszone. Im Regierungsviertel wurden Abflussdeckel verschweißt, Absperrgitter errichtet und weiträumige Parkverbote verhängt. Die Polizei forderte Anrainer an den Strecken auf, Fenster zu schließen und Balkone zu meiden.

    Der Gottesdienst war der Abschluss des ersten Tages des Deutschlandbesuchs des Papstes. Die Nacht wollte der Pontifex in der Apostolischen Nuntiatur im Stadtteil Neukölln verbringen. Vor der Abfahrt nach Erfurt am Freitag war in Berlin noch ein Treffen mit Vertretern des Islam geplant.

    Der in Bayern geborene Joseph Ratzinger besucht Deutschland zum dritten Mal als Papst. Er ist seit 2005 Kirchenoberhaupt von 1,2 Milliarden Katholiken. Die Visiten beim Weltjugendtag 2005 in Köln und in Bayern 2006 waren ausschließlich pastoraler Natur, also dem Glauben gewidmet. Der jetzige Deutschland-Besuch kostet die katholische Kirche 25 bis 30 Millionen Euro. Auch Bund, Ländern und Kommunen - also dem Steuerzahler - entstehen Millionenkosten.

    Die Erwartungen an den Besuch des Pontifex waren groß. Denn die katholische Kirche, mit 24,6 Millionen Mitgliedern größte Religionsgemeinschaft in Deutschland, steckt in einer tiefen Krise. Der Missbrauchsskandal, verkrustete Strukturen, Priestermangel und ein althergebrachtes Frauenbild: Mehr als 180.000 Katholiken traten im Vorjahr aus der Kirche aus.


    Mehr Politik

    Mehr aus dem Web

      KLEINE.tv

      Alt-Kanzler Schröder: Halte Sanktionen für falsch

      Auf dem Russland-Unternehmertag warnt der deutsche Ex-Regierungschef vor...Noch nicht bewertet

       

      Politik im Bild

      Team Stronach auf Klausur in Schladming 

      Team Stronach auf Klausur in Schladming

       

      100 Jahre Erster Weltkrieg

      Eine Reise an Orte, die bis heute vom Krieg gezeichnet sind. Elf illustrierte Reportagen auf 285 Seiten. Das neue Buch der Kleinen Zeitung ist ab sofort im Online-Shop erhältlich.

       


      Steirische Strukturreform

      APA

      Die Landesspitze baut die Gemeindestruktur massiv um. Im Jahr 2015 soll es von den derzeit 539 nur mehr 285 Gemeinden geben.

      Griechenland in der Krise



      Seitenübersicht

      Zum Seitenanfang
      Bitte Javascript aktivieren!