Mensdorff-Pouilly wieder im Visier
Als Straußenzüchter ist Alfons Mensdorff-Pouilly gescheitert. Als Lobbyist kassierte er Millionen. Wofür, das prüft jetzt die Staatsanwaltschaft.

Foto © APAlfons Mensdorff-Pouilly
Alfons Mensdorff-Pouilly: Urgroßenkel einer Hofdame von Kaiserin Sisi, Nachkomme des alten lothringischen Adelsgeschlechts derer von "Pouilly", die anno 1395 in den Stand der Baronie, später in den Grafenstand erhoben wurde. Nach Eigendefinition bloß ein "kleiner Bauer", der sich mit "dem Lesen von Zeitungen" ein schmales Zubrot verdient.
Einmal im Monat, so schilderte Mensdorff im Eurofighter-Untersuchungsausschuss 2007, fliege er nach London, wo er seinen Auftraggebern aus der Flugzeugindustrie Bericht über die politische Großwetterlage in Österreich erstatte. Völlig legal. Weder habe er je Waffen verkauft, noch "war ich für Rüstungskonzerne lobbyingmäßig tätig". Was über ihn kursiere, sei "ein Schmäh". Die Militärs, mit denen er in Verbindung gebracht werde, kenne er gerade einmal vom "Grüß-Gott-Sagen".
Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Mensdorff wegen des Verdachts der falschen Zeugenaussage. Er kommt nicht zum ersten Mal mit der Justiz in Konflikt: Im Vorjahr verbrachte er eine Woche in britischer Untersuchungshaft. Der Verdacht lautete auf Bestechung von Amtsträgern in Europa, Tansania und Saudi-Arabien im Auftrag von British Aerospace (BAS). Das Unternehmen zahlte freiwillig Bußgeld in der Höhe von 325 Millionen Euro, um einem Prozess zu entgehen. "Wer gibt so viel Geld für einen kleinen Bauern aus?", fragt SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter.
Schon 2009 wanderte Mensdorff für fünf Wochen in österreichische Untersuchungshaft. Der Verdacht: Geldwäsche für BAS. "Als er herauskam, hat er sich darüber lustig gemacht. Er scheint Rückschläge leicht zu verkraften", sagt ÖVP-Abgeordneter Ferdinand Maier.
5,8 Millionen Euro: Wofür?
Nun steht Mensdorff erneut im Visier der Ermittler, auch die US-Börsenaufsicht ermittelt. Seine Rolle beim umstrittenen Kauf der Eurofighter ist weiterhin ungeklärt. Als Telekom-Berater hat er im Zusammenhang mit der Auftragsvergabe für das Behördenfunknetz "Tetron" mindestens 1,1 Millionen Euro kassiert. Laut "Profil" flossen von Telekom-Partner Motorola weitere 4,7 Millionen zu Briefkastenfirmen in Mensdorffs Einflussbereich. Wofür?
Fest steht: Vor der Auftragsvergabe an ein Konsortium aus Telekom, Motorola und Alcatel im Jahre 2004 gaben sich Spitzenbeamte des Innenministeriums bei Mensdorff die Klinke in die Hand. Bis hinauf zum damaligen ÖVP-Minister Ernst Strasser nahm man Einladungen des "Grafen" zur Jagd auf dessen Ländereien im burgenländischen Luising und im schottischen Dalnaglar an. Der Gegenwert mancher Einladungen war beträchtlich: in einigen Fällen mehr als 20.000 Euro. Für alle Vorwürfe gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung.
Inzwischen ist Mensdorff bei der ÖVP nicht mehr wohlgelitten. Einer der damaligen Strasser-Mitarbeiter, sein Sprecher Hannes Rauch, ist nun ÖVP-Generalsekretär. Er betont, nie zur Jagd gewesen zu sein: "Ich habe Mensdorff nur einmal getroffen und ,Grüß Gott' gesagt." Andere wollen ihm überhaupt nie begegnet sein. "Es ist nicht lustig, das Oberschwein zu sein", klagte Mensdorff unlängst einer "Österreich"-Reporterin, die ihn bei einer Veranstaltung der Casinos Austria ausfindig gemacht hatte. Was an den Gerüchten dran sei, wonach er 20 Millionen Euro kassiert hätte. Mensdorff: "Ich will doch hoffen, dass ich in meinem Berufsleben mindestens so viel verdient habe".
So viel Geschäftssinn war "Graf Ali", wie er von Freunden genannt wird, nicht in die Wiege gelegt. Die Karriere des nunmehr 58-Jährigen begann als Gutsherr der burgenländischen Forst- und Landwirtschaft seiner Mutter Ilona Erdödy - und zwar mit überschaubarem Erfolg. 1988 machte er sich als Erzeuger von Wild- und Geflügelpasteten selbstständig. Damit konnte er auf längere Sicht ebenso wenig reüssieren wie mit einer Straußenzucht. Das Unternehmen scheiterte Ende der Neunzigerjahre. "Völlig uninteressant", nannte er die Verluste damals.
Mensdorff hatte längst eine andere Geldquelle erschlossen. Bereits 1992 gründete er die MPA, ursprünglich als Handelsgesellschaft. Doch schon bald stieg er ins Geschäft mit der "Beratung" von Rüstungs- und anderen Firmen ein. Und bald war er in den ersten politischen Skandal verwickelt. Aus einem abgehörten Gespräch zwischen dem damaligen schwarzen Wehrsprecher Hermann Kraft und seinem SPÖ-Gegenüber Peter Marizzi ging hervor, dass der ÖVP-Mann eine Parteispende für die Roten in Aussicht stellte - für den Fall, dass diese dem Ankauf neuer Hubschrauber von British Aerospace zustimmen. Der von Kraft genannte Kontaktmann bei BAS war - Mensdorff-Pouilly. Während Kraft eine dreimonatige Haftstrafe kassierte, wurde Mensdorff freigesprochen.
Die Warnung kam nicht an
Seinem häuslichen Glück konnten derlei Affären nichts anhaben. Seit 17 Jahren ist er mit der früheren ÖVP-Generalsekretärin und Ex-Ministerin Maria Rauch-Kallat verheiratet. Sie war es, die ihn mit Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel bekannt machte. Der erklärte bei seinem Abschied als Abgeordneter vergangene Woche, dass er mit Mensdorff kaum Berührungspunkte gehabt hätte: Über Politik habe man nie gesprochen. Und: Er, Schüssel, habe die damalige Gesundheitsministerin Rauch-Kallat wiederholt gewarnt, dass sich ihr Mann von Auftragsvergaben der Politik in Österreich fernhalten solle.
Eine Warnung, die offensichtlich verpufft ist. Mensdorff-Pouilly selbst ist sich allerdings keiner Schuld bewusst. Im "Österreich"-Interview erklärt er: "Wenn mir jemand Hausnummer eine Million dafür bieten würde, dass ich mich eine Stunde mit ihm unterhalte, dann würde ich mir vielleicht denken: Schön blöd ist der. Aber ich würd's machen."
Bleibt abzuwarten, ob das die Justiz ähnlich entspannt sieht.
Features
Fakten
Alfons Mensdorff-Pouilly, geboren am 7. 9. 1953 in Wien. Offiziell Forstwirt und Bauer. Gründete 1992 die MPA, zur Beratung großer internationaler Unternehmen. Zu seinen Kunden gehörten und gehören Saab, Siemens, Telekom, Motorola und andere.
Ermittlungen. Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen seiner Verwicklung in die Telekom-Affäre. Seine Rolle beim Eurofighter-Kauf ist noch ungeklärt.













