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Zuletzt aktualisiert: 06.09.2011 um 09:45 UhrKommentare

Schüssel ist ein "Ehrenmann"

Die ÖVP stärkt ihrem ehemaligen Chef den Rücken: "Bei ihm überwiegen sicher die positiven Eigenschaften", sagt etwa der jetzige ÖVP-Chef Spindelegger. Klubobmann Khol wittert eine "Jagdgesellschaft", welche die ehemalige Koalition "bis ins Grab" verfolgen wolle.

Foto ©

Nach seiner Rücktritts-Ankündigung wird Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel von früheren ÖVP-Weggefährten in Schutz genommen. Er habe von den Affären nichts gewusst. Auch ÖVP-Chef Spindelegger ist überzeugt, dass Schüssel "ein Ehrenmann" ist, wie er im Ö1-Morgenjournal sagt. Sicherlich gebe es manches, was andere nicht so gut beurteilen: "Da wird auch manches dran sein. Keiner ist nur König, sondern hat auch seine Schattenseiten. Aber bei ihm überwiegen sicherlich die positiven Eigenschaften", so der jetzige ÖVP-Chef. Der Ex-Kanzler habe ihm am Montagmorgen seine Entscheidung mitgeteilt, sein Nationalratsmandat zurückzulegen. Er habe ihn nicht dazu gedrängt: "Ich bin nicht derjenige, der ihn hinausgeworfen hat".

Die ÖVP brauche jetzt keinen Neustart, sondern das Besinnen auf bestehende Werte. Er habe bezüglich des Falls Telekom keine schwarze Liste, es werde aber "alle Konsequenzen" geben, wenn im Telekom-Fall oder anderen Fällen herauskomme, dass jemand sich bereichert habe.

Indes stärkt auch Andreas Khol, ÖVP-Klubobmann und Nationalratspräsident unter Schwarz-Blau-Orange, Wolfgang Schüssel nach dessen politischen Rückzug den Rücken. Der Telekom-Skandal sei in erster Linie der Skandal eines Unternehmens, meinte der nunmehrige Seniorenbund-Obmann bei einem "Runden Tisch" des ORF Montagabend. Schüssel wolle mit seinem Rücktritt als Abgeordneter den Fokus darauf richten und die Justiz in Ruhe arbeiten lassen.

Fotoserie: Altkanzler Schüssel zieht sich aus Politik zurück

Khol - selbst als "Wendearchitekt" von Schwarz-Blau bezeichnet - sieht hinter Beschuldigungen, Schüssel trage politische Verantwortung für den Skandal, eine "Jagdgesellschaft", welche die ehemalige Koalition "bis ins Grab" verfolgen wolle. Schüssels Rücktritt sei souverän erfolgt - "in Österreich ist die Rücktrittskultur eher unterentwickelt". Auch eine generelle politische Verantwortung der ÖVP sieht Khol nicht, stattdessen habe die Telekom als Unternehmen Österreich "über Jahre hinweg mit einem organisierten System der Korruption überzogen". Es handle sich aber auch um einen Skandal von Politikern, "die jetzt die Chance haben, ihre Unschuld zu beweisen". Angesprochen auf diverse Protagonisten aus schwarz-blauen Tagen gab Khol schließlich zu: "Bei manchen habe ich mich natürlich auch getäuscht, ist ja völlig klar."

Rückendeckung erhielt Schüssel auch aus seiner politischen Heimat, dem ÖVP-Wirtschaftsbund. Dessen Vorsitzender, Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl, meinte via Aussendung, der Schritt des Rücktritts sei zu respektieren und wies auf die "Verdienste Schüssels für den Wirtschaftsstandort Österreich" hin. Bauernbund-Präsident Fritz Grillitsch wiederum sah in der Niederlegung des Nationalratsmandates "Größe und Konsequenz im Handeln". Man könne nur unterstreichen, "dass Schüssel als politischer und moralisch integrer Ehrenmann sein Regierungsamt nach bestem Wissen und Gewissen ausgeführt hat".

In einer OGM-Umfrage für den "Kurier" (Dienstag-Ausgabe) sieht indes die Mehrheit von 46 Prozent Schüssel mitverantwortlich für die Affären unter Schwarz-Blau, 30 Prozent sind anderer Meinung. Dass der Ex-Kanzler etwas von den Vorgängen gewusst haben könnte, glauben 44 Prozent, 30 Prozent hingegen nicht.


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