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Zuletzt aktualisiert: 21.08.2011 um 22:27 UhrKommentare

Rebellen treiben Gaddafi in die Enge

Libyens Revolution ist nach Monaten der schweren Kämpfe in Tripolis angekommen. Dort demonstrierten gestern Tausende gegen Muammar Gaddafi, der vielleicht schon auf der Flucht ist.

Foto © AP

In Tripolis wird heftig geschossen. Die Bombardements und Straßenkämpfe könnten aber bereits heute zu Ende sein, wenn es nach den Rebellen geht, die mit einer raschen Einnahme der Stadt rechnen. "Wir werden in einigen Stunden in Tripolis einmarschieren. Wir hoffen, dass die Stadt am Montag unter unserer Kontrolle sein wird", sagte einer der Militärchefs der Rebellen gestern in Benghazi. Am Wochenende waren die Gebietseroberungen überraschend groß. Das ist auch auf die bisher im Untergrund operierenden Gaddafi-Gegner von Tripolis zurückzuführen, die sich nun erhoben und binnen weniger Stunden mehrere Stadtviertel unter ihre Kontrolle gebracht haben.

In Tunis hingegen wird schon gefeiert. In der Nacht auf Sonntag versammelten sich Hunderte Libyer vor ihrer Botschaft, tanzten und feierten mit lautem Hupen und noch lauterer Musik das so sehr ersehnte Ende der seit 42 Jahren andauernden Herrschaft von Muammar Gaddafi. Diese Libyer sind, wie Zigtausende andere auch, vor dem Krieg ins Nachbarland geflohen. Nun hoffen sie, dass der Krieg bald ein Ende haben wird und sie in ihre Heimat zurückkehren können.

Der Jubel der Geflüchteten ist verständlich, vor allem auch deswegen, weil alle Militärbeobachter davon ausgehen, dass sich Gaddafi nicht mehr lange an der Macht wird halten können - auch wenn Tripolis heute noch nicht fallen sollte.

Flucht oder Endkampf

Die Rebellen rechnen laut Jibril, Leiter des Nationalen Übergangsrats, mit zwei Szenarien: Entweder Gaddafi ergibt sich in den kommenden Tagen, oder er schafft die Flucht ins Ausland. Sollte ihm das gelingen, würden die Rebellen dies "positiv begrüßen und akzeptieren".

Unterdessen verdichten sich die Gerüchte, dass sich Gaddafi bereits aus der Hauptstadt abgesetzt hat und in Richtung Westen an die algerische Grenze geflüchtet sei. Dort würde er von Angehörigen seines Stammes beschützt.

Endziel seiner Flucht könnte Katar, Südafrika oder auch Venezuela sein, wo er bei Hugo Chavez hofft, Unterschlupf zu finden. Der Grund, warum diese drei Länder genannt werden? Sie haben vor wenigen Tagen auf der tunesischen Insel Djerba an geheimen "Verhandlungen" teilgenommen, bei denen auch verfeindete libysche Gruppen an einem Tisch gesessen und über die Zukunft des Landes verhandelt haben sollen. Die Anhänger Gaddafis stützten sich in ihrem Glauben, dass ihr Idol noch in der Hauptstadt sei, auf eine im libyschen Fernsehen ausgestrahlte Rede von Saif al-Islam, in der dieser behauptete, es sei ausgeschlossen, dass er und sein Vater das Land verlassen. Bestätigt wurde gestern hingegen die Flucht von Abdulsalam Jallud, der ehemaligen Nummer zwei des Gaddafi-Regimes, nach Italien.

Auch Gaddafi wandte sich gestern im Staatsfernsehen in einer Telefonbotschaft zu Wort. Er rief die Libyer auf, die Hauptstadt gegen die "Ratten" bis zum letzten Blutstropfen zu verteidigen. Dass der Kampf um Tripolis blutig wird, ist vorauszusehen. Vor allem dann, wenn eintritt, was Beobachter befürchten. Nämlich dass die Rebellen zu früh und nicht in voller Kampfstärke in den Randbezirken von Tripolis einmarschiert sind. "Vielleicht war der geringe Widerstand der Gaddafi-Getreuen eine Falle, um die Rebellen in die Stadt zu locken und sie dann zu massakrieren", schreibt ein Twitter-Nutzer.

Ob Gaddafi noch in Tripolis ist oder nicht, wird sich am 1. September weisen, dem 42. Jahrestag seiner Machtübernahme. Spätestens dann wird er sich seinen Anhängern zeigen.

WOLFGANG SOTILL

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