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    Zuletzt aktualisiert: 12.08.2011 um 20:19 UhrKommentare

    Bucher: "Wir brauchen einen schlanken Staat"

    BZÖ-Chef Josef Bucher will die Krisenländer aus der Eurogruppe werfen. Haiders lockerer Umgang mit den Landesgeldern störte ihn nie. Privat kommt er nicht zum Sparen, erzählt er im Kleine Zeitung-Gespräch.

    Bucher mit den <em>Kleine Zeitung</em>-Redakteuren Simonitsch und  Weissenberger

    Foto © HOPIBucher mit den Kleine Zeitung-Redakteuren Simonitsch und Weissenberger

    Ihr Motto heißt "Genug gezahlt". Geht es denn noch populistischer?

    JOSEF BUCHER: Ich finde das gar nicht populistisch. Das trifft den Beweggrund, warum ich überhaupt Politik mache: Wir haben einen viel zu aufgeblähten Verwaltungsapparat, brauchen aber einen schlanken Staat.

    Ihr Spruch klingt ähnlich wie jener der FPÖ, die "Unser Geld für unsere Leut'" trommelt.

    BUCHER: Der Unterschied ist, dass wir die Urheber waren und schon seit einem Jahr "Genug gezahlt" sagen.

    Gibt es inhaltlich keinen Unterschied zu den Blauen?

    BUCHER: Nehmen wir nur die Europapolitik: Die FPÖ will aus der EU austreten, wir wollen auf alle Fälle EU-Mitglied bleiben. Strache will auch den Schilling zurück, das ist ein absoluter Blödsinn. Wir sind für den Euro.

    Sie wollen aber auch kein Geld für finanziell strauchelnde EU-Mitglieder ausgeben, oder?

    BUCHER: Es ist doch nicht im Interesse der Steuerzahler, dass wir kritiklos alles hinnehmen. Geld kann es nur für die richtigen Maßnahmen geben.

    Die da wären?

    BUCHER: Wir sind seit Beginn der Eurokrise für zwei Eurozonen. Einige Länder laufen schneller, andere langsamer. Griechenland sollte auf alle Fälle den Weg in die Selbstständigkeit gehen.

    Dann sind die Griechen bankrott.

    BUCHER: Nein. Das ist eine verantwortungsvolle Lösung. Wenn der Süden nicht ausscheidet, müssen Länder wie Österreich, Deutschland und Holland austreten und die Eurogruppe bilden. Damit sie nicht von enormen Zahlungen an den Süden gebremst werden.

    Ist das wirklich ein wohlüberlegtes Konzept, den Euro auf nur wenige Länder zu beschränken?

    BUCHER: Es ist ein Unsinn zu glauben, dass es um die Größe der Gruppe geht. Es geht darum, dass die Hausaufgaben gemacht, Schulden abgebaut werden.

    Apropos "Genug gezahlt". Sie fordern, der Staat dürfe maroden Banken nicht helfen. Wir haben von Ihnen aber nie gehört, dass die Kärntner Hypo Group kein Geld bekommen soll. Warum nicht?

    BUCHER: Ich mache bei den Banken generell keinen Unterschied. Ich habe kein Naheverhältnis zur Hypo und ein reines Gewissen. Ich sage aber auch dazu, dass die Verkaufsverhandlungen vom damaligen Finanzminister Josef Pröll mit den Bayern überstürzt geführt worden sind.

    Was meinen Sie damit?

    BUCHER: Es wurde sehr geschickt inszeniert, dass die Hypo verstaatlicht werden müsse, weil Kärnten sonst pleite wäre.

    Unterstellen Sie Pröll Hintergedanken, spezielle Motive bei der Verstaatlichung der Hypo?

    BUCHER: Na ja, wo ist er jetzt, der Herr Pröll?

    Bei Raiffeisen. Meinen Sie, er wollte Raiffeisen den Weg zum späteren Kauf der Hypo ebnen?

    BUCHER: Es war schon sehr auffällig, dass die Hypo so schnell verstaatlicht wurde und Pröll jetzt bei Raiffeisen ist. Das wird irgendwann einmal aufgerollt werden müssen. Wenn diese CSI Hypo sorgsam arbeitet, wird sie irgendwann Ergebnisse liefern.

    Redet hier der Oppositionelle Bucher, der alles sagen und verlangen kann, weil er geschützt ist und nichts umsetzen muss?

    BUCHER: Ich bin ein Politiker, der zumindest in der Vergangenheit immer gezeigt hat, wofür er steht, und der sich auch in der freien Wildbahn der Privatwirtschaft bewährt hat. Die Politikerkollegen, mit denen ich mich herumschlage, sind alle aus der Beamtenschaft und dem privilegierten Bereich. Eine Bewährungsprobe haben sie nie abgelegt.

    Wie ist denn das BZÖ bundesweit inzwischen aufgestellt?

    BUCHER: Wir sind in jedem Bundesland organisiert, einmal mehr, dann weniger. Außer im Burgenland.

    Glauben Sie tatsächlich, als Partei überleben zu können?

    BUCHER: Wenn man als Unternehmer nicht an den Erfolg der Firma glaubt, ist man die längste Zeit Unternehmer gewesen.

    Ihre Möglichkeiten, direkt etwas zu ändern, sind null.

    BUCHER: Ja. Aber man muss für seine Ziele wie eine Steuersenkung kämpfen.

    Wozu braucht es denn das BZÖ überhaupt?

    BUCHER: Aber sagen Sie mir eine andere Partei, die verlangt, dass wir Gemeinden und Bezirke zusammenlegen, dass wir die Regierungen und den Nationalrat verkleinern, den Bundesrat einsparen! Nennen Sie mir eine andere Partei, die alle Kammern in freiwillige Vereine umwandeln will! Sie werden keine finden.

    Wird das reichen, um wieder in den Nationalrat zu kommen?

    BUCHER: Ich lese in den Zeitungen, dass wir bei fünf Prozent und darüber liegen. Sie werden es nicht schaffen, mich zu brechen - auch wenn ich heute langsam den Eindruck bekomme, dass Sie es darauf anlegen. Wir haben 8000 Mitglieder.

    Manche Zeitungen schreiben, nun stünde das "System Haider" vor Gericht. Wann haben Sie erkannt, dass da was schiefläuft?

    BUCHER: Ich würde bis heute nicht sagen, dass unter Jörg Haider etwas schiefgelaufen wäre. Wenn sie den Fall Uwe Scheuch meinen: Ich hatte keinen Einblick in seine Malversationen. Das Tonband wurde erst nach der FPK-Gründung bekannt.

    Gerade haben Sie uns erklärt, wie Sie Europa retten würden - warum sollen wir Ihnen das zutrauen, wenn Sie nicht einmal in ihrer Partei durchblicken?

    BUCHER: Die Kärntner waren immer eine eigenständige Partei, ich hatte als Bundesparteichef keinen Einblick in deren Finanzen. Wäre Scheuch noch beim BZÖ, müsste er jetzt gehen.

    Warum sind Sie seinerzeit eigentlich zur FPÖ gegangen? Die Freiheitlichen haben in Kärnten immer fest investiert, um nicht zu sagen: das Geld mit beiden Händen zum Fenster hinausgeschmissen. Das muss Ihnen als der Sparefroh, als der Sie sich geben, doch gegen den Strich gegangen sein.

    BUCHER: Jörg Haider hat 2003 eine Politik gemacht für Kärnten, dass ich das Gefühl hatte: Da geht wirtschaftspolitisch erstmals seit Jahrzehnten etwas weiter. Wenn Sie auf das Wörthersee-Stadion anspielen: Sonst wäre es halt in Linz gebaut worden. Dass die Kärntner FPK-ÖVP-Landesregierung nichts weiterbringt, kann man Haider nicht anlasten.

    Dass er immer mehr Geld ausgegeben hat, als da war, ist Ihnen nicht sauer aufgestoßen?

    BUCHER: Ich war Nationalrat in Wien, mit bundespolitischen Themen befasst. Seit Josef Bucher Verantwortung trägt, wird sorgsam mit Geld umgegangen. Das BZÖ ist schuldenfrei.

    Wie sparen Sie privat?

    BUCHER: Ich leiste mir nicht viel, außer vielleicht gut essen gehen, habe hohe Unterhaltszahlungen, drei Kinder zu versorgen - da bleibt nichts übrig.

    INTERVIEW: WOLFGANG SIMONITSCH UND EVA WEISSENBERGER

    ZUR PERSON

    Josef Bucher, geb. am 19. 8. 1965 in Friesach, Kärnten.

    Karriere: 1991 bis 2004 Geschäftsführer des familieneigenen Hotels; 1997 bis 2003 Wirtschaftskammer Kärnten; 2005/06 Kärntner Tourismusdirektor.

    Politische Karriere: seit 2002 im Nationalrat, zuerst FPÖ, seit der Spaltung BZÖ. Seit 2008 BZÖ-Klubobmann; seit 2009 auch BZÖ-Bundesparteiobmann.

    Privat: geschieden; drei Söhne.

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