Springe zu: Inhalt | Hauptnavigation | Seitenleiste | Fußzeile
  • Zur Kärnten-Ausgabe
  • 21. August 2014 16:05 Uhr | Als Startseite
    Neu registrieren
    Russischer Hilfskonvoi passiert Grenze zur Ukraine Türkische AKP-Führung bestimmt künftigen Chef Voriger Artikel Aktuelle Artikel: Politik Nächster Artikel Russischer Hilfskonvoi passiert Grenze zur Ukraine Türkische AKP-Führung bestimmt künftigen Chef
    Zuletzt aktualisiert: 06.08.2011 um 22:37 UhrKommentare

    Kurz: "Wir dürfen keine Zeit mehr verlieren"

    Die Integration der 1,5 Millionen Mitbürger mit Migrationshintergrund wird zur zentralen gesellschaftspolitischen Aufgabe. Laut Staatssekretär Sebastian Kurz ist Tempo angesagt.

    Foto © APA

    Drei Monate nach seinem Start als Staatssekretär für Integration bringt Sebastian Kurz (ÖVP) diesen wichtigen Bereich mit einem Begriff seiner Generation auf den Punkt: "Das ist ja irre!" Damit meint er den Stand der Zuwanderung nach Österreich, der Integration dieser Menschen, deren absehbare Entwicklung und die Tatsache, dass die Republik und meisten ihrer Bürger bei der Integration der Zuwanderer seit vielen Jahren weitgehend versagt haben.

    Jedes 2. Schulkind Migrationshintergrund

    Dafür gibt es eindeutige Hinweise. In den städtischen Volksschulen hat heute jedes zweite Schulkind Migrationshintergrund. Kurz im Gespräch mit der Kleinen Zeitung: "Eine Generation nach mir steht es im urbanen Raum fifty-fifty zwischen Österreichern ohne und mit ausländischen Wurzeln. Das ist irre." Und der 24-Jährige leitet daraus die Schlussfolgerung ab, man müsse jetzt in Sachen Integration aufs Tempo drücken: "Wir dürfen nicht noch mehr Zeit verlieren." Denn während in vielen Fällen die "Verösterreicherung" der Zuwanderer durchaus klappt, gibt es auch Rückschläge. Kinder und Enkel von bereits gut integrierten Einwanderern haben wieder vermehrt große Probleme mit den Deutschkenntnissen.

    Nicht gut umgehen kann Kurz vor diesem Hintergrund mit dem Umstand, dass es auf beiden Seiten welche gebe, die Menschen auseinanderdividieren wollen: "Das bringt uns in der Integration keinen Millimeter weiter." Er wundert sich, dass es angesichts der Fakten überhaupt Mitbürger geben kann, die etwas gegen Integration haben können. Verantwortlich macht er hier sowohl Personen und Gruppen mit inländischen Wurzeln, die fundamental gegen Migration sind, als auch Integrationsverweigerer in den Einwanderermilieus.

    Kindergarten als Schlüssel

    Einzelne Entwicklungen beschreibt der junge Staatssekretär als dramatisch. Etwa, dass 80 Prozent der Migrantenkinder, die nicht den Kindergarten besucht haben, beim Eintritt in die Volksschule ganz schlecht Deutsch können. Bei Kindern aus türkischen Familien sind es sogar erschreckende 93 Prozent.

    Doch Kurz fügt eine positive Botschaft hinzu. So gibt es das international bewährte Programm "Hippy", das regelmäßige Besuche von Immigrantenfamilien mit kleinen Kindern durch Sozialarbeiter und ein sozio-kulturelles Training sowohl der Eltern wie der Kinder vorsieht. So kann es gelingen, dass nach dem Kindergarten 90 Prozent der Migrantenkinder beim Schuleintritt mehr als ausreichend Deutsch können.

    Auch die Schulen und Kindergärten gehen das Problem Integration offensiv an. Das Unterrichtsministerium forciert die Anstellung von Pädagogen mit Migrationshintergrund und Länder wie Niederösterreich bringen Mittel für interkulturelle Stützkräfte auf. Trotz aller Bemühungen gibt es aber auch bedenkliche Fakten. So sagt die Statistik, dass es praktisch keine Migranten gibt, die ihren Kinder den Schulbesuch bewusst verbieten. Angaben von Lehrern lassen aber auf eine Dunkelziffer von einigen Tausend Schulverweigerern schließen. Kurz sieht hier Handlungsbedarf, denn: "Das ist Zukunftsraub an den Kindern."

    Doch selbst bei den Kindern, die Schulen besuchen, sind Probleme augenscheinlich. Jeder sechste Jugendliche mit Migrationshintergrund verlässt die Pflichtschule ohne jeden Abschluss. Wieder ein Umstand, den Kurz "irre" findet. Bei Österreichern beträgt der Anteil vier Prozent. Diese Jugendlichen seien "chancenlos" und "vorprogrammierte Langzeitarbeitslose", warnt der Jungpolitiker. Hier dürfe man nicht wegschauen, es müsste dringend gegengesteuert werden.

    Ehrenamtliche Hilfe

    Aber auch hier kennt Kurz positive Beispiele. So das von der Caritas Steiermark entwickelte Lerncafé. Ehrenamtliche Pädagogen bieten Hilfe bei Schulproblemen und bei der Entwicklung sozialer Kompetenzen an und bringen täglich 20 bis 30 junge Menschen mit Migrationshintergrund erfolgreich "weg von der Straße". Jetzt wird dieses Modell in allen Bundesländern verwirklicht.

    Einen Schub in Richtung Integration erhofft sich der Staatssekretär durch die neu gewählte Führung der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGG) in Österreich. Die meisten der Glaubensvereine (Moscheen), die ihr angehören, würden schon Deutsch predigen. Dringend wäre aber eine Ausbildung der muslimischen Geistlichen (Imame) in Österreich geboten. Die meisten der jetzt in Österreich tätigen Imame sind laut Kurz direkt dem Ministerpräsidenten der Türkei weisungsgebunden.

    Einen besonderen Schub erhofft sich Kurz durch den Einsatz von "Integrationsbotschaftern". Also Personen, die trotz ausländischer Wurzeln in Österreich erfolgreich ihren Weg gegangen sind. Dabei setzt die Politik nicht nur auf Promis wie den türkischstämmigen Gastro-Multi Attila Dogudan. Kurz nennt auch einen Öamtc-Mechaniker, der heute Lehrabschlussprüfungen abnimmt, und erklärt: "Ich hätte nie gedacht, dass ich als Türke in Österreich so eine Position erreichen kann."

    JOHANNES KÜBECK

    Mehr Politik

    Mehr aus dem Web

      KLEINE.tv

      Weltweites Entsetzen über Tod von Foley

      Reaktionen auf die Ermordung des Journalisten James Foley durch die Orga...Noch nicht bewertet

       

      Politik im Bild

      Landtagswahl 2015: Das meinen Politiker 

      Landtagswahl 2015: Das meinen Politiker

       

      100 Jahre Erster Weltkrieg

      Eine Reise an Orte, die bis heute vom Krieg gezeichnet sind. Elf illustrierte Reportagen auf 285 Seiten. Das neue Buch der Kleinen Zeitung ist ab sofort im Online-Shop erhältlich.

       


      Steirische Strukturreform

      APA

      Die Landesspitze baut die Gemeindestruktur massiv um. Im Jahr 2015 soll es von den derzeit 539 nur mehr 285 Gemeinden geben.

      Griechenland in der Krise



      Seitenübersicht

      Zum Seitenanfang
      Bitte Javascript aktivieren!